Berühmte Namensträger: Maria und Marie

  • Herkunft, Bedeutung und Häufigkeitsstatistiken der Namen Maria und Marie

Unzählige kleine Mädchen haben seit den Anfängen des Christentums bei der Taufe den Namen Maria bekommen, darunter auch spätere Königinnen und Kaiserinnen und viele andere, die den Namen zu großen Ehren brachten. Auch Knaben hat man mit Zweitnamen Maria benannt, wohl um die besondere Wertschätzung der Eltern für die Gottesmutter zum Ausdruck zu bringen (zum Beispiel Carl Maria von Weber, Rainer Maria Rilke, Oskar Maria Graf, Klaus Maria Brandauer). Dem Namen Mariens wird am 8. September beim Fest Mariä Geburt und Mariä Namen gehuldigt; in den Alpenländern heißt dieser Tag auch »Kleiner Frauentag« (im Gegensatz zum »Großen Frauentag« am Fest Mariä Himmelfahrt, 15. August).

Marie Curie

Marie Curie

Selbst unter den vielen namhaften Marien muß Maria Salome Sklodowska, die spätere Marie Curie, als Ausnahmeerscheinung gelten. Sie war der erste weibliche und mit 36 Jahren auch der jüngste Nobelpreisträger. Zudem erhielt sie die Auszeichnung sogar ein zweites Mal – und das in den Naturwissenschaften, einer bis dahin ganz von Männern beherrschten Domäne. Marie Curie war auch die erste weibliche Professorin an der Sorbonne.

1867 als fünftes Kind eines Lehrerehepaars in Warschau geboren, zeigte sie schon früh außergewöhnliche Intelligenz: Mit vier Jahren konnte sie fließend lesen und machte als 16jährige mit Auszeichnung den Gymnasialabschluß. Ein naturwissenschaftliches Studium war für sie als Konsequenz der elterlichen Erziehung und des gelehrten Milieus zu Hause selbstverständlich. Da in ihrer unter russischer Oberhoheit stehenden Heimat Frauen ein Universitätsstudium aber nicht möglich war, setzte die zielstrebige junge Polin sich ein Auslandsstudium in den Kopf, und zwar an der Sorbonne in Paris. Um die fehlenden Mittel herbeizuschaffen, vereinbarte sie mit der älteren Schwester ein Tauschgeschäft: Marie ging zum Geldverdienen als Gouvernante zu einer Familie aufs Land, damit Bromia in Paris Medizin studieren konnte; danach sollte die Schwester die Jüngere unterstützen.

Aus diesen harten Jahren stammen die Briefe, die Marie mit 18 und 19 Jahren an eine Cousine schrieb: »Liebe Henriette, seit wir uns getrennt haben, habe ich das Leben einer Gefangenen geführt. Wie du weißt, habe ich eine Stellung in der Familie des Rechtsanwalts B. angenommen. Ein solches Höllenleben wünsche ich nicht meinem ärgsten Feind … Es ist eines jener reichen Häuser, wo man vor Gästen französisch spricht – ein erbärmliches Französisch Rechnungen ein halbes Jahr lang nicht bezahlt, aber das Geld aus dem Fenster hinauswirft und dabei an dem Petroleum für die Lampen spart. Es gibt fünf Dienstboten, man posiert auf Liberalismus, in Wirklichkeit aber herrscht finsterste Dummheit… Meine Kenntnis der Gattung Mensch hat sich hier sehr erweitert, ich habe gelernt, daß es die Personen, die in den Romanen beschrieben sind, wirklich gibt, und daß man mit Leuten, die der Reichtum moralisch heruntergebracht hat, nichts zu tun haben darf.«

Die Demütigungen und das jahrelange Warten schienen sie zu zermürben und mutlos zu machen – ihre so konsequent verfolgten Pläne rückten in immer weitere Ferne. »Meine Zukunftspläne?« – schreibt sie – »Ich habe keine, oder vielmehr sind sie so gewöhnlich und landläufig, daß es nicht der Mühe wert ist, von ihnen zu reden. Mich durchschlagen, so gut es geht, und wenn es nicht mehr geht, dieser schnöden Welt adieu sagen. Der Schaden wird gering sein, und beweinen wird man mich auch nicht länger als so viele andere … Manche Leute reden mir ein, daß ich noch die gewisse Krankheit durchmachen muß, die man Liebe nennt. Dafür habe ich aber gar keinen Platz in meinen Plänen. Wenn ich einmal andere hatte, so sind sie nun in Rauch aufgegangen, ich habe sie begraben, eingesargt, versteckt und vergessen – denn Du weißt ja, daß die Mauern immer stärker sind als die Köpfe, die gegen sie anrennen.« Marie hatte dem ältesten Sohn des Hauses, in dem sie ihr Geld verdiente, das Jawort gegeben, aber die Familie war gegen die Verbindung: »Man heiratet keine Gouvernante.«

Und doch muß Marie ihre wissenschaftlichen Ambitionen noch nicht ganz begraben haben. Im gleichen Brief heißt es nämlich auch:
»augenblicklich lese ich:
Die Physik von Daniel; mit dem ersten Band bin ich fertig.
Die Soziologie von Spencer, auf französisch.
Das Lehrbuch der Anatomie und Physiologie von Paul Bers auf russisch.«

Mit 24, acht Jahre nachdem sie das Abitur gemacht hatte, konnte die junge Polin schließlich nach Paris gehen. Die Vorlesungen in Physik, Mathematik und Chemie wirkten wie eine Droge auf sie; zunehmend machte sie sich auch mit wissenschaftlichem Experimentieren vertraut, obwohl sie sich ihren Lebensunterhalt noch mit Flaschenspülen verdienen mußte. Im letzten Universitätsjahr lernte sie den französischen Physiker und späteren Forscherkollegen Pierre Curie kennen, den sie 1895 heiratete. Im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit stieß sie auf den Forschungsbericht des Physikers Henri Becquerel über die Strahlung von Uranerz. Von da an setzte sie sich zum Ziel, die Quelle der rätselhaften Strahlen zu finden. 45 Monate arbeitete das Forscherpaar hart und unter schwierigsten Bedingungen, dann konnten sie der wissenschaftlichen Welt vermelden, daß sie aus dem uranoxydhaltigen Gestein Pechblende zwei neue strahlende Elemente – Radium und Polonium – isoliert beziehungsweise entdeckt hätten. 1903 erhielten die Curies gemeinsam mit Becquerel, der dem Phänomen der Radioaktivität als erster auf die Spur gekommen war, den Nobelpreis für Physik.

Die kräftezehrende Arbeit mit dem zig kiloschweren Rohgestein im primitiven Laboratoriumsschuppen und der tägliche Umgang mit dem strahlenden Material setzte der Gesundheit des Forscherpaares furchtbar zu – über die verhängnisvollen Folgen machten sie sich kaum Gedanken, obwohl sie schmerzhafte Schäden an ihren Körpern feststellen konnten.

Zur Entgegennahme des Nobelpreises konnten sie wegen ihrer angegriffenen Gesundheit gar nicht selbst erscheinen.
Bereits drei Jahre nach der Auszeichnung und der internationalen Anerkennung setzte ein tragischer Unfall der gemeinsamen Forschungsarbeit ein Ende. Pierre wurde auf regennasser Straße von einem zweispännigen Pferdelaster überrollt und getötet. Madame Curie setzte die gemeinsam betriebene Arbeit noch über viele Jahre mit großartigen Ergebnissen fort, bis schließlich dieselben Radiumstrahlen, die seither so vielen Leidenden Linderung und Heilung beschert haben, ihr das Knochenmark zerstört hatten und den Tod brachten.
Mit ihren Arbeiten und Entdeckungen entfachten die Curies geradezu eine Revolution in der Physik, der Chemie und schließlich auch in der Medizin. Die moderne Wissenschaft ehrt Marie Curie als Geburtshelferin der Kern- und Nuklearforschung.

Autoren: Ernö und Renate Zeltner

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