Berühmte Namensträger: Konrad

Kein Kanzler, König oder Aristokrat ist der heilige Konrad von Parzham (1818-94) gewesen, und er ist weder den Märtyrertod im alten Rom gestorben, noch hat er als mächtiger Bischof, Abt oder Oberhirte des Mittelalters gewirkt. Er war das neunte von zehn Kindern einer bayerischen Bauernfamilie, und das Volk, aus dem er kam, nannte ihn liebevoll »Bruder Konrad« – und so heißt er bis heute. Allein durch seine sanfte Frömmigkeit, seinen Fleiß und seine Geduld ist er aufgefallen, hat als Kapuziner mit der braunen Kutte das Pförtneramt im Kloster von Altötting gewissenhaft versehen und war zu jedermann freundlich und hilfsbereit. Weil aber nach seinem Tod auch von Wundern und erhörten Gebeten die Rede gewesen ist, wurde Bruder Konrad (»der ewige Pförtner«) 1934 heiliggesprochen. Man kann sich »in jeder Not« an ihn wenden und um seine Hilfe bitten. Sein Namenstag wird am 21. April (in Österreich am 20. April) gefeiert.

Nicht nur Bauern und sanfte Heilige haben den Namen Konrad ergeben getragen, sondern auch Könige und ein Kaiser, und natürlich gab es reichlich Grafen und Herzöge dieses Namens. Ein Konrad ist durch den >Struwwelpeter< in aller Munde gekommen, denn in Hunderttausenden von Kinderstuben lasen Mütter oder Kindermädchen den schaudernd lauschenden Sprößlingen die grausige >Geschichte von Konrad dem Daumenlutscher< vor: »Und vor allem Konrad hör, lutsche nicht am Daumen mehr.« Starr vor Entsetzen sahen sie den langbeinigen Schneider auf der Szenerie erscheinen: »Schneidet beide Daumen ab, als ob Papier es wär.« Wer wollte unter solchen Umständen sein Kind noch Konrad nennen!

Doch es gab und gibt sie noch immer, die kleinen Connys und die mehr oder weniger groß gewordenen Konrads. Natürlich ist an dem »Alten von Rhöndorf« kaum vorbeizukommen. Mehr als alle Feldherren, Dichter und sogar der Rechtschreibpapst Konrad Duden hat er sich im Gedächtnis derer festgesetzt, die die lange Regierungszeit des alten Mannes noch aus eigener Anschauung kennen:

Der Rheinländer und Jurist Konrad Adenauer (1876-1967), der von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister von Köln gewesen ist, wurde 1933 bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten seines Amtes enthoben, vorübergehend inhaftiert und bis 1945 an der Ausübung politischer Ämter gehindert. So kam seine große Stunde erst in der Nachkriegsära, die er als Parteivorsitzender der CDU und langjähriger Kanzler (1949-1963) entscheidend geprägt hat.

Adenauers Hinwendung zum Westen (anstelle einer konsequenten Wiedervereinigungspolitik) hatte ihre Wurzeln in seiner Abneigung gegen die preußische Hegemonie. »Er sah in der Bundesrepublik die Chance einer Korrektur der deutschen Geschichte überhaupt, die Revision einer Fehlentwicklung, die im Bismarck-Reich mit der Vorherrschaft Preußens ihre Kulmination erreicht hatte und von dem Österreicher Hitler ins Gespenstische … überhöht worden war. Er war, wenn man so will, ein Mann des >alten Reiches< … und aus tiefster Überzeugung Feind der preußischen Ausdehnung nach Westen, insbesondere der Annexion der Rheinländer«, schrieb Johannes Gross über ihn.

Und Heinrich Albertz, der Pastor und einstige Berliner Bürgermeister, hat gemeint: »Er war die Republik. Dieser Teilstaat zwischen Rhein und Elbe, das Reich Karls des Großen, genau in diesen Grenzen. Ich glaube die alte Geschichte, daß der damalige Oberbürgermeister von Köln auf der nächtlichen Reise nach Berlin, als er über die Elbbrücke fuhr, geseufzt habe: >Hier beginnt Asien.<«
Adenauer hat ein politisches Zeitalter geprägt, die Bundesrepublik zur Kanzlerdemokratie geformt und das System einer Marktwirtschaft geschaffen, die auch soziale Belange in Maßen berücksichtigt. Seine Schläue, sein Witz und seine Unverblümtheit haben zahllose Bewunderer, Gegner, aber auch Kabarettisten und Aphoristiker auf den Plan gerufen. »Hätte Konrad Adenauer tausend Jahre früher regiert, er wäre … als Konrad der Gerissene, Konrad der Fuchs oder wenigstens Konrad der Alte in die Geschichtsbücher eingegangen«, hat Reinhard Lebe mit Blick auf die vielen Zänker, Vogler, Dicken, Keuschen, Frommen oder Kahlen unter den Herrschern der Vergangenheit konstatiert.

Der damals achtzig Jahre alte Oskar Kokoschka hat den Neunzigjährigen gemalt und die Szene in Cadenabbia, dem Urlaubsort Adenauers, so beschrieben:

»Glück begünstigte mich bereits beim Entwerfen des Porträts. Seine hohe Gestalt ohne Pathos, die Arme lässig an den Seiten des hageren Körpers herunterhängend, die knochigen Hände erwartungsvoll zusammengepreßt, so hatte ich – ich bin kurzsichtig – seinen harten Schädel nahe genug. Das Licht der Morgensonne fiel in sein offenes Gesicht mit den tief eingegrabenen Furchen und in die Augen, die forschend schauten auf das, was ringsum geschah.«

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita