Berühmte Namensträger: Michael

Streitbar und mit flammendem Schwert tritt er vor uns hin, Michael der Erzengel, der Fürst, der die himmlischen Heerscharen befehligt. Er hat Drachen und andere heidnische Ungeheuer besiegt, die man auch die Mächte der Finsternis nennt. Seine Aufgaben sind vielfältig. Er schwingt nicht nur sein scharfes Schwert gegen das »Reich des Bösen«, sondern trägt auch das Banner seines Herrn. Schützend hält er seine Hand über die Kirche wie über Soldaten und Bäcker, Apotheker und Zinngießer; selbst Bankangestellte und Rundfunktechniker sind unter seiner Schirmherrschaft bestens aufgehoben. Man flehte ihn früher um Hilfe gegen Pest, Blitz und Unwetter an. Eine besonders enge Beziehung verbindet die Deutschen mit dem heiligen Michael, sein Bild prangte einst auf der alten deutschen Reichsflagge. Wenn man seit der Reformationszeit vom deutschen oder teutschen Michel sprach, hatte man allerdings weniger das Bild eines strahlenden Ritters und Erzengels vor Augen als vielmehr die Gestalt eines schlichten, etwas tölpelhaften Landsmannes.
Das Fest des heiligen Michael wird am 29. September gefeiert, dem Tag, an dem ihm in Rom unter Papst Leo I. im 5. Jahrhundert eine Kirche geweiht wurde.

Unter der Standarte seines Namenspatrons, des Erzengels Michael, ist einer ausgezogen, den nicht die pure Rauflust und kriegerischer Geist angetrieben haben, sondern seine Wahrheitsliebe und das beleidigte Rechtsgefühl. Dem Roßhändler Michael Kohlhaas war Unrecht geschehen, als er mit seinen Pferden durch das Land Sachsen zog. Junker Wenzel von Tronka hat von ihm zwei seiner Rösser als Pfand verlangt. Weil Kohlhaas die Tiere abgerackert und halb verhungert wieder vorfindet, Tronka nicht Schadenersatz leisten will und die Gerichte Kohlhaas sein Recht verweigern, nimmt ein tragisches Schicksal seinen Lauf. Er gerät, nachdem die legitimen Mittel zur Wiedergutmachung ausgeschöpft sind, selbst auf den Pfad des Unrechts, und er ist, so befindet der Autor Kleist, »einer der rechtschaffensten und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit«. Recht-Haben-Wollen wird zur Rechthaberei und diese schließlich zur Unmenschlichkeit. Brandschatzend zieht er mit seinem abenteuerlichen Haufen durch Sachsen und endet schließlich auf dem Schafott. Mit seiner Geschichte vom zuerst beleidigten und dann auf Abwege geratenen Rechtsgefühl ist Michael Kohlhaas, der eigentlich Hans Kohlhase hieß und Produktenhändler aus Cölln an der Spree war zum Synonym für Leute geworden, die Recht um jeden Preis erreichen und mit dem Kopf durch die Wand wollen.

Michael Gorbatschow

Michael Gorbatschow

Ein solcher ist der letzte Michael, von dem hier noch die Rede sein soll, nicht gewesen. Michail Sergejewitsch Gorbatschow, Jahrgang 1931, Jurist und Agrarökonom, galt, seit er 1985 zum Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU gewählt worden war, als Hoffnungsträger. Ihm traute man die Reform des verkrusteten Sowjetsystems zu. Mit den Schlagwörtern »Glasnost« (Offenheit) und »Perestrojka« (Umgestaltung) wollte er das Riesenreich erneuern, aber nicht revolutionieren. Die eigenen Landsleute erwarteten von ihm mehr Freiheit, Wohlstand, Mobilität; im Westen galt er als Protagonist einer liberaleren, weltoffeneren Außenpolitik und als Verfechter der Abrüstung von Atomwaffen. Die Intellektuellen erhofften sich von ihm mehr Toleranz im Umgang mit Schriftstellern und bildenden Künstlern.

Zu denen, die auf Michail Gorbatschow große Hoffnungen setzten, gehörte auch der amerikanische Dramatiker Arthur Miller. Er hat über ein Zusammentreffen mit Gorbatschow im Jahr 1986 in seinem Lebensbericht >Zeitkurven< berichtet. Gorbatschow hatte sich im Kreml die Berichte Millers und anderer amerikanischer Schriftsteller über einen inoffiziellen Gedankenaustausch in Kirgisien angehört und dann nachdenklich festgestellt: »Politik muß in jedem Land von den Intellektuellen gestützt werden, denn sie achten mit größerer Wahrscheinlichkeit darauf, daß der Mensch im Mittelpunkt der Überlegungen steht. Und wenn etwas anderes in den Mittelpunkt tritt, wird die Politik unmoralisch.« Um nach einer Pause hinzuzufügen: »Und ich wünschte, die andere Seite der Welt würde das auch begreifen.«

Doch im Westen schien man damals, im Jahr 1986, noch nicht recht begreifen zu wollen, denn Arthur Miller hat dann notiert: »Als ich nach Hause [in die USA] zurückkam und über dieses Treffen einen Artikel schrieb, der für die damalige Zeit neue Informationen enthielt, fand ich keine Zeitung und keine Zeitschrift, die ihn drucken wollte, denn auch nur die Möglichkeit einer Änderung in der sowjetischen Welt stieß in der Presse auf absoluten Zynismus und Unglauben.« Und er resümierte aus dem Verhalten der Presse: »Nicht nur die Sowjets überhörten lieber, was sie nicht gerne hören wollten. Es war wie immer: Man leugnete, was nicht ins Bild paßte.«

Es ist anders gekommen, als Gorbatschow, Miller und viele andere Intellektuelle sich den Lauf der Geschichte vorgestellt hatten. Gorbatschow hat die Weichen für eine andere Politik gestellt, die schließlich zur Beendigung des Kalten Krieges, zur Öffnung des Eisernen Vorhangs, zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Doch dabei ist die Welt der Sowjetunion, aber auch die russische Welt aus den Fugen geraten. Michail Gorbatschow hat Macht und Ämter verloren, die Ereignisse sind über ihn hinweggegangen, er agiert nicht einmal mehr als Statist auf der politischen Bühne seines Landes. Dank der Großzügigkeit und Eitelkeit westlicher Institutionen und auch deutscher Konzerne – sie leisten sich gelegentlich einen Prominenten als Referenten – muß er nicht Not leiden wie so viele seiner Landsleute; sie hat das Leben härter bestraft als ihn, der letztlich auch zu spät gekommen ist.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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