Berühmte Namensträger: Katharina

Eine frühchristliche Märtyrerin, die um das Jahr 300 gelebt haben soll, führt die Reihe mehrerer heiliger Frauen namens Katharina an: Katharina von Alexandrien war von so bezaubernder Schönheit und Grazie, daß sie bis heute die Patronin der Pariser Näherinnen, der »catherinettes«, geblieben ist. Aber auch Philosophen und Bibliothekare haben sie zur Schutzheiligen erkoren, wohl nicht nur, um sich ein wenig Glanz und Glamour in ihre dumpfen Studierstuben zu holen, sondern weil ebendiese Katharina auch ein Ausbund an Gelehrsamkeit gewesen ist. Da sie mit einem besonders raffiniert konstruierten Rad von ihren Peinigern gefoltert werden sollte, versuchen auch Wagner und Stellmacher einen Zipfel ihrer fürbittenden Gnade zu erhaschen. Katharinas Namensfest ist der 25. November.

Unter den weltlichen Katharinen von Geblüt und Durchsetzungskraft sind vor allem Katharina die Große und Katharina von Medici zu nennen. Erstere konnte sich im Rußland des 18. Jahrhunderts Respekt verschaffen. Die Medici-Prinzessin hat als Königin und Mutter dreier Könige, als Mäzenin von Künsten und Wissenschaft zwar ihre Meriten gehabt, ist aber vor allem als Anstifterin der berüchtigten »Pariser Bluthochzeit« (1572) in die Geschichte eingegangen.

Ein tristes Ende fand Katharina von Aragonien, die erste der sechs Ehefrauen des englischen Wüstlings Heinrich VIII. Zur Beisetzung der Verbannten erschien ihre Nachfolgerin, die frisch gekürte Königin Anne Boleyn, in strahlend gelbem Gewände. Doch hatte auch sie bekanntlich nicht allzu lange Gelegenheit zu strahlen.

Katharina von Bora

Katharina von Bora, 1526

Katholisch geboren wie die meisten berühmten Namensschwestern und noch dazu klösterlich erzogen war auch die Nonne Katharina von Bora (1499-1552). Die Lehren des gegen Sumpf und Korruption in der Kirche protestierenden Martin Luther sind schließlich auch hinter die Klostermauern gedrungen, und immer öfter brachen Mönche und Nonnen aus klösterlichem Drill und Ordensdisziplin aus. So scheint das Luthersche Wort eines Tages auch das stille Marienthron auf dem Klostergut Nimbschen bei Grimma erreicht zu haben. Zwölf Zisterzienserinnen, sämtlich Jungfrauen in der Blüte ihrer Jahre, hatten genug von Klosterkitteln, Reliquien und Hören. Sie wollten hinaus ins Leben und schickten einen Hilferuf nach Wittenberg. Unter den Aufbegehrenden war auch Katharina von Bora, seit 13 Jahren Novizin und Nonne in Marienthron. Betroffen und ganz uneigennützig setzte sich Luther für die »ausgelaufenen Nonnen«, wie er sie später genannt hat, ein. Denn obwohl ihm die Ehe als »heilig und köstlich« erschien, dachte er damals noch nicht daran, an seinem keuschen Junggesellenstatus etwas zu ändern.

Nach einiger Zeit gelang es ihm, einen zuverlässigen Mann aufzutreiben, der das Wagnis auf sich nahm, die Nonnen heimlich aus dem Kloster zu entführen. Der Ratsherr und Kaufmann Leonhard Koppe aus Torgau lieferte Heringe in Fässern und Bier zum Klostergut. So war er auch am Karsamstag des Jahres 1523 mit seinem Planwagen und zwei Gehilfen in Marienthron, lud seine Fracht ab und verließ das Kloster mit den nur scheinbar leeren Heringstonnen – die zwölf Nonnen hatten ihre Freiheit. Überliefert ist die Aufzeichnung eines Wittenberger Studenten, in der es unter anderem heißt:

Vor einigen Tagen ist hier ein Wagen eingetroffen, voll beladen mit vestalischen Jungfrauen, wie man sie nennt, die ebenso heiraten wie leben möchten. Möge Gott sie mit Männern versehen, damit sie nicht im Laufe der Zeit in größere Not geraten.

Luther fühlte sich für die zwölf frommen Damen, die nichts als ihre Klostertracht hatten, verantwortlich; er mühte sich verzweifelt, sie an den Mann zu bringen. Neun aus Kursachsen stammende ehemalige Nonnen waren bald versorgt, aber die drei aus dem altgläubigen Halbstaat Sachsen konnten nicht einfach nach Hause geschickt werden; sie blieben wohl oder übel in Wittenberg. Zwei von ihnen wurden schließlich doch unter die Haube gebracht. Übrig blieb nur Katharina von Bora.

Sie kam durch Vermittlung des Reformators ins angesehene, inzwischen auch reiche Haus des Malers und Apothekers Lucas Cranach, wo sie der Hausfrau zur Hand gehen mußte. Luther mühte sich weiterhin wie ein Vormund, die inzwischen 25jährige Katharina zu verehelichen, aber es war nicht leicht mit dieser adeligen Klosterjungfer. Mal lag es am potentiellen Ehemann, mal an ihr – und schließlich blieben die Verehrer ganz weg. Doch offensichtlich hatte die resolute Kathi schon von Anfang an den fürsorglichen Luther selbst in ihre Pläne einbezogen. Auch bei dem mittlerweile 42 Jahre alten Junggesellen müssen sich die väterlichen Gefühle allmählich gewandelt haben. Im Juni 1525 heiratete er die entsprungene Nonne. Die Ehe dauerte zwanzig Jahre: »Gottes Gnade hat mir die glücklichste Ehe beschert«, sagte Luther im Rückblick. Und wahrscheinlich war Katharina von Bora die denkbar beste Ehefrau, die der schwierige Hagestolz hat finden können. Die erste und besonders patente evangelische Pfarrfrau dazu.

Eine Katharina unseres Jahrhunderts war eigentlich Schauspielerin, doch Käthe Kruse (1883-1968) verdankt ihren Ruhm nicht dramatischem Talent, sondern den Puppen, die sie als junge Mutter für ihre Kinder gebastelt hat. Die damals handelsüblichen »Spielkinder« mochte sie nämlich ihren Sprößlingen nicht zumuten. Für den ersten Puppenkopf gab Sohn Frieder bald das Modell ab.
Bei einer Spielzeugausstellung in Berlin hatten die Puppen mit den ausdrucksvollen, lebendig wirkenden Gesichtern einen Riesenerfolg. So machte Käthe Kruse die Puppenfertigung zum Beruf. In Bad Kösen hatte sie ihre Werkstatt. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sie mit ihrem Atelier nach Donauwörth um. Von hier gehen seit Jahrzehnten die begehrten handgearbeiteten Puppen in die ganze Welt. Sie haben sich die zeitlose Natürlichkeit bewahrt und sind weder von dämlichen »Barbies« noch von Tränen vergießenden und in die Windeln machenden Automatenpuppen aus dem Feld zu schlagen.

Von Ernö und Renate Zeltner

  • Herkunft, Bedeutung und Häufigkeitsstatistik der Namen Käthe und Katharina

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