Berühmte Namensträger: Eugen

Daß sie »Wohlgeborene« waren, also dem Sinn ihres Namens entsprochen haben, daran kann bei den diversen Heiligen und Seligen namens Eugen und auch bei einem großen Feldherrn französischer Abstammung, der aber drei deutschen Kaisern in Treue gedient hat, kein Zweifel bestehen. Außer dem heiligen Eugen von Antiochia, der im 4. Jahrhundert lebte und als Missionar in Marokko den Märtyrertod starb, ist da ein Bischof von Karthago namens Eugen, dessen Fest am 13. Juli gefeiert wird. Er lebte und missionierte im 16. Jahrhundert, wurde von den arianischen Vandalenkönigen mehrmals verbannt. Seine Erhebung in den Stand der Heiligen verdankte er seiner großen Mildtätigkeit und Liebe zu den Armen.

Papst Eugen III., dessen Pontifikat ins 12. Jahrhundert fiel, war Ordensmann und hat auch, als er die Tiara trug, bescheiden wie ein Zisterziensermönch gelebt. Als Schüler des Bernhard von Clairvaux bemühte er sich um die Reformierung des Klosterlebens und setzte sich für einen frömmeren Lebenswandel der Geistlichkeit ein. Zwar hat er zu einem Kreuzzug gegen die Ungläubigen, dem zweiten nämlich, aufgerufen, es aber bis heute nur zur Seligkeit (der Vorstufe auf dem Weg zum Heiligen) gebracht. Sein Namensfest ist am 8. Juli. Dargestellt wird er mit zwei Vögelchen.

Der Ruhm all der Eugens, die sich um kulturelle Belange, also Literatur, Malerei und Musik, verdient gemacht haben, wie Eugène Ionesco, Eugène Delacroix und Eugène D’Albert, verblaßt angesichts eines veritablen Helden und Militärs, der über Jahrzehnte seine Schlachten geschlagen und das politische Geschick Europas mitbestimmt hat. Prinz Eugen von Savoyen wurde 1663 als Sproß eines etwas kümmerlichen Astes am Stammbaum des regierenden italienischen Fürstengeschlechts geboren. Seine Mutter Olympia stammte aus der Verwandtschaft des Kardinals Mazarin, brachte aber Schimpf über die Familie, weil sie der Giftmischerei angeklagt und außer Landes geflohen war.

Wegen seines schwächlichen Körpers ward der kleine Eugen zum geistlichen Stande bestimmt, lernte auch früh und mit großem Eifer Griechisch und Latein, und ward im Scherz von Ludwig XIV., der ihn zuweilen sah, das Aebtchen genannt. Aber mit jedem Jahre fand er sich zur Theologie weniger aufgelegt, und von allen Büchern, die ihm vorgelegt wurden, las er keine lieber als die alten Geschichtsschreiber, besonders solche, welche die Heldenthaten großer Helden beschrieben.

Prinz Eugen von Savoyen

Prinz Eugen von Savoyen

So heißt es in einem alten Geschichtswerk, dessen Autor Karl Friedrich Becker fast zweihundert Jahre näher am Zeitgeschehen war als wir Heutigen. Das erklärt wohl auch den gelegentlich »teutschnationalen« Überschwang, wenn er etwa schreibt: »Nie hat sich ein Ausländer, und zumal ein Franzose, so glücklich in den Deutschen Charakter zu schicken gewußt« als dieser Eugen. Eugen von Savoyen trat also in kaiserliche Dienste und bestimmte das Geschehen auf den Schlachtfeldern für drei Kaiser-Generationen im Hause Habsburg. Einige Daten belegen sein Kriegsglück und Verhandlungsgeschick. 1686 eroberte er Ofen (Buda) von den Türken zurück, 1687 brachte er die Meldung vom Sieg bei Mohâcs nach Wien, vor Belgrad wurde er 1688 schwer verwundet. Er war auf allen Kriegsschauplätzen Europas zu finden, in Italien wie in Ungarn, in den Niederlanden und in Frankreich. 1714 beendet er zusammen mit dem französischen Marschall Villars im Frieden von Rastatt und Baden den Spanischen Erbfolgekrieg. Das kriegsmüde Volk dankte es ihm.

Von allen drei kaiserlichen Dienstherren wurde er mit Baugründen, Gütern und mancherlei Schätzen reich belohnt. Seinem Kunstverstand und Mäzenatentum verdankt die Haupt- und Residenzstadt Wien einige ihrer prächtigsten Palais, Baumeister wie Lukas von Hildebrandt und Fischer von Erlach besonders lukrative Aufträge. Daß ihm zu Lebzeiten und in späteren Jahrhunderten so üppige Kränze geflochten wurden, hat gewiß mehr mit seinen Erfolgen, mit seiner für die damalige Zeit erstaunlichen geistigen Aufgeschlossenheit und Menschlichkeit zu tun als mit seiner Mannhaftigkeit. Eine gute Figur soll der verwachsene, häßliche und wenig sorgfältig gekleidete Feldmarschall nämlich nicht gemacht haben. Doch unzählige Anekdoten, nicht zuletzt über sein soziales Engagement, haben den kleinen Franzosen mehr als die errungenen Siege im Bewußtsein des einfachen Volkes zum deutsch-österreichischen Helden gemacht.

Die großen Besitztümer, zu denen es der Savoyer im Laufe seines Feldherrn- und Politikerlebens gebracht hat, lassen vermuten, daß er sein Geld und Gut lebenslang mit Bedacht gemehrt hat. Allerdings hatte er auch keine Frau, die es mit vollen Händen hätte ausgeben können. Die Tatsache, daß das weibliche Geschlecht im Leben und Werk Eugens wohl keine Rolle gespielt hat, haben die Christen vergangener Jahrhunderte und auch noch unsere Schulbücher diskret übergangen. Keine einzige »unschickliche« Begegnung mit einer Frau ist überliefert oder auch nur angedeutet. Dabei wäre Eugen trotz seiner wenig imposanten Gestalt gewiß unter den schönen Töchtern des europäischen Hochadels mehr als ein Freilos zuteil geworden. Offenbar hat er lieber schöne Dinge als Frauen gesammelt und dabei seinen Besitz zusammengehalten.

Eugenie de Montijo

Eugénie de Montijo

Ganz gewiß hätte sich der Held so vieler Schlachten mit einer Namensschwester des 19. Jahrhunderts schwer getan, mit Eugénie de Montijo, nachmals Kaiserin der Franzosen. Sie übte nicht nur starken politischen Einfluß auf ihren Gemahl, den schwachen Napoleon III., aus, sondern kostete ihn auch viel Geld, denn sie war zugleich die Kaiserin der Mode und machte Paris zur Hauptstadt der damaligen Haute Couture. Nicht nur die spanische Spitzenmantille verdankt ihr die Einführung bei Hof, sondern auch eine von ihr erfundene Form des Reifrocks. Was in der Baukunst der Stahlbeton, war bei der Konstruktion der Reifröcke fortan die Stahlfeder; sie ersetzte die unpraktischen und auch wenig hygienischen Roßhaarwülste früherer Jahrhunderte und machte die Trägerinnen zudem weniger angreifbar. Oder doch nicht? Egon Friedell, der es wohl auch nicht mehr durch persönlichen Augenschein erlebt hat, schrieb über dieses »groteske Kleidungsstück«:

Es diente im zweiten Empire ebensowenig wie im Rokoko der Verhüllung, vielmehr war es Sache einer ausgebildeten Technik, durch geschickte Wendungen die Dessous zu zeigen.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita