Berühmte Namensträger: Josef

Bei diesem Namen denken wir in erster Linie an den heiligen Joseph, der nach der Überlieferung dem Geschlecht des Judenkönigs David angehörte und als einfacher Zimmermann in Nazareth lebte. Dort vermählte er sich mit Maria und wurde Beschützer der >allerheiligsten Jungfrau< sowie Nähr- und Pflegevater des Gottessohns Jesus. Die römische Kirche verehrt Joseph als Heiligen. Er ist Patron vieler Länder, Schutzpatron der ganzen Kirche, der Arbeiter, der Familienväter sowie der Sterbenden. Sein Fest ist am 19. März.

Gar nicht fromm, von ganz anderer Statur und von rigorosem Aufklärungsdrang beseelt war Joseph II. (1741-1790), der Sohn und sehnlich erwartete Thronerbe von Kaiserin Maria Theresia; bereits mit 23 Jahren erhielt er die römische Königswürde, ein Jahr darauf, als Mitregent der verwitweten Mutter in den Habsburgischen Erblanden, auch die Würde des römisch-deutschen Kaisers. 1780, nach dem Tod der großen Kaiserin, trat Joseph die Regierung an und war auch Alleinherrscher von Ungarn. Der hochbegabte, eigenwillige Jüngling erhielt die sorgfältige Erziehung eines Prinzen, nahm jedoch auch die geistigen Strömungen seiner Zeit in sich auf – hatte den Kopf voller Ideale und Reformpläne. Die liberalen Ideen brachten ihn bald in Gegensatz zur bigotten Feudalherrscherin Maria Theresia, die innenpolitischen Änderungen höchst abgeneigt war. Immer öfter weigerte sich Joseph, Dekrete zu unterzeichnen, die seinen Ansichten widersprachen, und er drohte einmal sogar mit Abdankung. Um den ewigen Szenen mit der starren Regentin zu entgehen, unternahm er ausgedehnte Studienreisen nach Frankreich, Holland, Italien – meist unter falschem Namen und auch ohne große Entourage.

Kaiser Joseph

Der junge Joseph neben seiner Mutter Kaiserin Maria Theresia

Mit dem Tod der Mutter zog ein neuer Geist in Österreich und den Erbländern ein. Josephs Staatsideal war der aufgeklärte Absolutismus. Unter anderem verfügte er das Toleranzedikt, war gegen die Zensur, unterstellte die Kirche staatlicher Kontrolle (die nicht praktischen Zwecken dienenden religiösen Orden wurden aufgelöst), schränkte manche Vorrechte des Adels ein, plante sogar die Besteuerung der Privilegierten; den leibeigenen Bauern gab er das Umzugsrecht und ermöglichte ihnen die freie Berufswahl; unter ihm wurde die Tortur abgeschafft und die Todesstrafe eingeschränkt. Alle oft überhastet durchgesetzten Reformen, darunter auch die Einführung des Deutschen als Amtssprache für alle Erbländer, die einheitlichen Schulbücher et cetera dienten dem Hauptanliegen des aufgeklärten Monarchen, der Schaffung eines zentralistisch regierten Gesamtreichs.

Während der Alleinherrschaft Josephs nahmen die Gegner dieser Neuerungen, vor allem in Adel und Klerus, ständig zu; hinzu kamen Unruhen in den verschiedenen Landesteilen, der Verlust Belgiens, der unglückliche Verlauf des Krieges, den Joseph im Bündnis mit Rußland gegen die Türken geführt hat, die bedrohliche Situation in Ungarn. Die Mißerfolge und seine angegriffene Gesundheit zermürbten den Monarchen – er sah sich gezwungen, fast schon auf dem Sterbebett, die meisten seiner Reformen zurückzunehmen. »Ich wünschte, – soll er einmal geäußert haben – man schriebe auf mein Grab: Hier ruht ein Fürst, dessen Absichten rein waren, der aber das Unglück hatte, alle seine Pläne scheitern zu sehen.«

Um die eigenwillige Persönlichkeit, die vornehme, aber auch kritische Einstellung Josephs deutlich zu machen, sollen zwei kurze Abschnitte aus Briefen, die der Prinz auf der Fahrt zu seiner Krönung zum >König von Rom< (1764) an seine Mutter schrieb, folgen. Sie verdeutlichen, daß er nicht mehr in die längst überholte Kaiser-Herrlichkeit paßte. Joseph hatte damals gerade seine geliebte Frau, Isabella von Parma, verloren, stand aber unter dem dynastischen Zwang, sofort wieder nach einer geeigneten zukünftigen Kaiserin Ausschau zu halten:

24. März 1764
Mit großer Freude habe ich den Brief erhalten, mit dem Eure Majestät mich zu beehren geruht haben. Ihre liebevollen Worte trösten und stützen mich in meiner Niedergeschlagenheit, und ich halte mich für den glücklichsten Menschen, wenn mein Verhalten Ihre Billigung findet. Ich werde mein Möglichstes tun, um Ihr Wohlwollen mehr und mehr zu verdienen. Meine Lage, liebste Mutter, ist augenblicklich sehr gezwungen. Das Herz voller Leid, muß ich aussehn, als wär‘ ich entzückt von einer Würde, von der ich nur die Last, aber keine Annehmlichkeit kenne. Ich liebe die Einsamkeit, teile mich nur ungern Leuten mit, die ich nicht gründlich kenne,
und muß doch immer unter Menschen sein und mich mit jedem Fremden unterhalten. Ich muß den ganzen Tag schwatzen und hübsche Nichtigkeiten sagen. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, liebste Mutter, daß mir der Kopf brennt, wenn ich nach Hause komme, aber um Ihre Anerkennung zu erwerben, ist mir nichts zu schwer, und es muß eben gehen.

5. April 1764
Die öffentliche Tafel ist wie gestern verlaufen; es waren viel und aller Art Leute dabei. Wenn ich eine fände, die das Herz, die Anmut, den Geist, die Augen, die Zähne, die Gestalt, den Hals, kurz alles besäße, was meine verstorbene Frau hatte, ich weiß nicht, was geschehen würde, aber bei jeder hübschen Person, die ich sehe, suche ich zuerst diese Eigenschaften, wenn ich sie nicht finde, kann mir nichts gefallen.

Übrigens hat Goethe die Krönung Josephs als junger Mann miterlebt und in >Dichtung und Wahrheit< höchst anschaulich beschrieben:

Der junge König hingegen schleppte sich in den ungeheuren Gewandstücken mit den Kleinodien Karls des Großen wie in einer Verkleidung einher, so daß er selbst, von Zeit zu Zeit seinen Vater ansehend, sich des Lächelns nicht enthalten konnte. Die Krone, welche man sehr hatte füttern müssen, stand wie ein übergreifendes Dach vom Kopf ab. Die Dalmatika, die Stola, so gut sie auch angepaßt und eingenäht worden, gewährte doch keineswegs ein vorteilhaftes Aussehen. Zepter und Reichsapfel setzten in Verwunderung; aber man konnte sich nicht leugnen, daß man lieber eine mächtige, dem Anzüge gewachsene Gestalt, um der günstigem Wirkung willen, damit bekleidet und ausgeschmückt gesehen hätte.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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