Berühmte Namensträger: Martin

Zahllose Gänse müssen den Kopf hinhalten, unzählige Mütter mit ihren laternenbewehrten, Martinslieder krähenden Kindern an der Hand durch die ungemütlichen Novemberstraßen ziehen, wenn Sankt Martin, der fromme Reitersmann, der Schutzheilige der Bettler und Obdachlosen, aber leider auch der Waffenschmiede und Uniformschneider, am 11. November Namenstag hat.

Was es mit den Gänsen am Martinstag auf sich hat, erzählt die Legende: Martin, der fromme Büßer, wollte in seiner Bescheidenheit Ämtern und Würden entgehen und versteckte sich vor denen, die ihn zum Bischof von Tours ernennen wollten, in einem Gänsestall. Das laute Schnattern der Gänse aber hat ihn verraten, er wurde aufgespürt und sogleich zum Bischof geweiht. Daß sich die Gänse damit keinen guten Dienst erwiesen haben, war sicher nicht im Sinne des Heiligen.

Einen verehrungswürdigen Martin, der zwar kein Heiliger, aber ein großer Kämpfer und Märtyrer war, hat auch das 20. Jahrhundert hervorgebracht: Es war am Abend des 1. Dezember 1955 in Montgomery im US-Staat Alabama, als Rosa Parks, eine schwarze Näherin mittleren Alters, von der Arbeit kam und, mit Einkaufstaschen beladen, in einen fast leeren Bus einstieg, das Fahrgeld bezahlte und sich müde auf dem nächsten freien Sitz niederließ. Der Platz aber war im vorderen Teil des Busses und laut Gesetz ausschließlich Weißen vorbehalten. Als der Bus sich zu füllen begann und unter den Fahrgästen Unmut laut wurde, forderte der Fahrer Rosa auf, den Platz frei zu machen. Sie blieb sitzen, worauf der Busfahrer einen Polizisten zu Hilfe rief. Frau Parks wurde festgenommen und blieb in Haft bis zu ihrem Gerichtstermin.

Im Schwarzenviertel – die Stadt hatte an die 50 000 schwarze Einwohner – rief die Verhaftung wütende Empörung hervor; Rosa war stadtbekannt, weil sie auch als Sekretärin bei der Zweigstelle der National Association for the Advancement of Colored People gearbeitet hatte. Eine große Zahl von schwarzen Geistlichen, die gegen die Rassentrennung kämpften, unter ihnen Martin Luther King jun., versammelten sich in der Baptistenkirche von Montgomery und diskutierten über Unterstützungsaktionen für Rosa Parks. Sie beschlossen einen Aufruf, am Tag der Verhandlung die Busse der Stadt zu boykottieren. Die Beschuldigte wurde verurteilt, obwohl neunzig Prozent der schwarzen Bevölkerung den Aufruf befolgten; ihre Anwälte legten Berufung ein, und die Geistlichkeit rief dazu auf, Busfahrten auch weiterhin zu unterlassen. Die Baptistenprediger wählten den 26jährigen Martin Luther King jun. wegen seiner guten Allgemeinbildung und seiner rhetorischen Begabung zu ihrem Sprecher. Dies war der Start zur steilen Karriere des großen amerikanischen Bürgerrechtskämpfers. King rief zu Massenversammlungen im Geiste des passiven Widerstands von Mahatma Gandhi auf. Fahrgemeinschaften und die Zehn-Cent-Tarife der schwarzen Taxifahrer waren für die Busunternehmer ruinös, auch die Einnahmen der Geschäftsleute in der City sanken drastisch. Im November 1956 ging die Stadt gerichtlich gegen King und seine Mitstreiter vor und stellte hohe Schadenersatzforderungen. Da traf noch während der Gerichtsverhandlung am 13. November das Fernschreiben des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten ein, wonach die nach Hautfarbe getrennte Sitzordnung in den Bussen der Stadt verfassungswidrig sei. Der Boykott hatte seinen Zweck erfüllt.

Nach diesem ersten Sieg durch einen von Martin Luther King geleiteten Boykott fanden unter seiner Führung zahllose Aktionen und Demonstrationen zur Beseitigung der Rassenschranken – auch in Schulen und Universitäten – statt. Es gab Erfolge und viele Rückschläge. Am 28. August 1963 führten King und andere Bürgerrechtskämpfer 250 000 Schwarze und Weiße in einem denkwürdigen Marsch nach Washington; vor dem Lincoln-Denkmal hielt er seine berühmte Rede >I have a dream<. 1964 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen.

Martin Luther King hielt an seiner Politik der Gewaltlosigkeit auch noch fest, als die radikale Black-Power-Bewegung seine Aktionen als allzu harmlos diffamierte. Am 4. April 1968 war er in Memphis/ Tennessee, um die streikenden schwarzen Müllmänner zu unterstützen. Dort fiel er einem Attentat zum Opfer.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita