Berühmte Namensträger: Attila

Im Zuge des wachsenden Nationalbewußtseins besann man sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Ungarn auf die Namen großer historischer Persönlichkeiten der Nation. So kamen die Vornamen Ärpäd, Bela, Jenö und andere wieder in Mode; zugleich wurde auch Attila populär. Attilas Hunnen und die Ungarn werden nämlich von manchen Historikern auf gemeinsame Ahnen zurückgeführt.

Die Attilas unseres Jahrhunderts – etwa der ungarische Dichter Attila Jözsef oder der Burgschauspieler Attila Hörbiger – können es bei aller künstlerischen Größe mit dem Hunnenkönig an Berühmtheit nicht aufnehmen. Darüber, wo der Hunnenkönig Attila geboren wurde und wie er aufgewachsen ist, weiß man wenig. Als gesichert gilt, daß er als Jüngling einige Zeit am römischen Hof verbrachte, wo er Leben und Sitten und auch die militärische Ausbildung der Römer kennengelernt hat. Er ist um 395 geboren, der Beginn seiner Herrschaft wird mit dem Todesjahr seines Onkels (434) angesetzt. »Er war ein Mann, geboren, um die Völker der Erde zu erschüttern, ein Schreckgespenst für die ganze Welt. Er flößte allen – ich weiß nicht, wieso – schon allein durch den Ruf, der ihm vorausging, Entsetzen ein«, heißt es bei Jordanes, dem westgotischen Geschichtsschreiber, über Attila. Andere zeitgenössische Quellen äußern sich differenzierter, zeigen den Hunnenführer als außergewöhnliche, die Herrscher der Völkerwanderungszeit weit überragende Persönlichkeit.

Das Hunnenreich, ursprünglich eine locker gefügte Militärallianz von zahlreichen Stämmen, hatte unter dem Groß-Khan Attila zeitweise eine Ausdehnung von der Wolga bis zum Rhein und vom unteren Donaulauf bis zum Baltischen Meer. Attila besaß die uneingeschränkte Oberhoheit über diesen hunnischen Völkerbund bis zu seinem sagenumwobenen, ungeklärten Tod im Jahr 453.

Er war nicht Anführer von barbarischen Kriegerhorden, sondern regierte als kluger Diplomat und Politiker ein großräumiges Reich mit Heerführern und Offizieren, Steuereintreibern und Gesandten; sein Hof beschäftigte Kanzlisten, die das Gotische, Latein und wohl auch Griechisch beherrschten, er stand mit den Regenten aller wichtigen Staaten in Verbindung, hatte Schriftverkehr und pflegte Informationsaustausch mit ihnen – kurz, im »Konzert« der damaligen Großmächte spielte er einen wichtigen Part. Aus dem Bericht des griechischen Historikers und Schriftstellers Priscus erfahren wir Authentisches über den Groß-Khan Attila. Der Grieche war Mitglied einer Gesandtschaft aus Ost-Rom, die im Jahr 449 am Hof Attilas weilte:

Als wir ins Zelt zurückgekehrt waren, kam der Vater des Orestes mit dem Bescheid, daß Attila uns beide zum Gastmahl um die neunte Stunde einlade. Wir fanden uns also um die angegebene Zeit zugleich mit den weströmischen Gesandten ein. Bald standen wir an der Schwelle des Saales, Attila gegenüber. Die Weinschenken reichten uns nach der Sitte des Landes den Kelch, damit wir zum Grüßen tränken, ehe wir uns setzten. Nach dem Begrüßungstrunk gingen wir zu den uns angewiesenen Sitzen. Die Sessel waren längs der beiden Seitenwände im Raum aufgestellt; in der Mitte saß auf einem Speisesofa Attila … Die höchsten Ehrenplätze nahmen die zu Attilas Rechten sitzenden Gäste ein, die zweiten im Rang die zu seiner Linken … Es wurden nun Tische neben dem Tisch des Attila aufgestellt – immer ein Tisch für je drei, vier oder noch mehr Gäste, jeder konnte sich beliebig bedienen, wenn er nur die Tafelordnung einhielt. Zuerst erschien ein Diener und brachte eine Schüssel voller Fleisch. Danach wurde Brot und Zukost gereicht. Den Barbaren und uns wurden erlesene Speisen auf silbernem Geschirr aufgetragen, während Attila nur einen Holzteller mit Fleisch erhielt. Er zeigte sich auch sonst überaus mäßig. Die Gäste tranken aus goldenen und silbernen Kelchen, er selbst bediente sich eines hölzernen Bechers. Ebenso trug er ein ganz einfaches Gewand; es frei nur durch seine tadellose Reinheit auf.

Nach diesem doch recht seriösen Bild des griechischen Zeitgenossen klingt die Beschreibung des römischen Historikers Ammian vom feindlichen Hunnenvolk höchst bedrohlich:

Das aus den älteren Quellen so gut wie unbekannte Volk der Hunnen wohnt jenseits der mäotischen Sümpfe nahe dem Eismeer und ist von unglaublicher Wildheit. Da gleich nach der Geburt mit dem Messer tiefe Furchen in die Wangen der Kinder geschnitten werden, damit der Bartwuchs durch runzelige Narben gehemmt wird, altern sie ohne Bart und müssen wie Eunuchen auf die Zierde verzichten. Alle besitzen sie gedrungene, starke Glieder und einen muskulösen Nacken, sind aber so entstellt und gekrümmt, daß man sie für zweibeinige Bestien … halten könnte. Obwohl sie Menschengestalt haben, sind sie durch ihre Lebensweise so abgehärtet, daß sie kein Feuer und keine gewürzten Speisen benötigen, sondern von den Wurzeln wilder Kräuter und dem halbrohen Fleisch beliebiger Tiere leben, das sie zwischen Schenkel und Pferderücken legen und so kurz anwärmen … Sie kleiden sich in Leinen oder Felle aus Feldmäusen … auf ihren abgehärteten, häßlichen Pferden sitzen sie wie angegossen und reiten auf ihnen manchmal im Frauensitz, wenn sie ihre natürlichen Bedürfnisse erledigen … Man möchte sie die furchtbarsten aller Krieger nennen, weil sie aus der Ferne mit Wurfgeschossen kämpfen, die statt der üblichen Metallspitzen scharfe, kunstvoll angebrachte Knochen tragen … im Nahkampf aber ohne Rücksicht auf sich selbst fechten. Und während sie gefährlichen Schwerthieben ausweichen, fangen sie ihre Feinde mit geflochtenen Lassos, umschnüren die Glieder der Widerstand Leistenden und hindern sie am Reiten oder Laufen.

Angesichts solcher Berichte ist es nicht verwunderlich, daß die Kunde von einem bevorstehenden Hunnen-Kriegszug nicht nur die unmittelbaren Nachbarn, sondern halbe Erdteile in lähmenden Schrecken versetzte; verständlich auch, daß beide römischen Reiche sich ihren Frieden lange Zeit mit laufenden Tributzahlungen erkauften. Seine Residenz hatte Attila im heutigen Ungarn an der Theiß; und in einer hundert Jahre nach seinem Tod entstandenen Chronik heißt es, in ihrem Flußbett wurde er begraben. Nach seinem (angeblich dreifachen) Sarg aus Gold, Silber und Eisen hat man in dieser Gegend immer wieder vergeblich gegraben.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita