Berühmte Namensträger: Laura und Laurenz

»Laurentius, lieber Laurentius mein, wann werden wir wieder beisammensein«, haben wir als Kinder gesungen. Das Scherz- und Abzähllied ist in heutigen Kinderzimmern kaum noch zu hören.

Der heilige Laurentius gilt unter den vielen Märtyrern, die in frühchristlicher Zeit für ihren Glauben das Leben lassen mußten, als einer der bedeutendsten. Seit der Mitte des 4. Jahrhunderts wird sein Namensfest am 10. August gefeiert. Daß er der Schutzpatron all jener geworden ist, die mit dem Feuer hantieren – Köche, Büglerinnen, Köhler, Bäcker und heutzutage wohl auch die unüberschaubare Zahl der Hobby-Grillköche hat mit seinem Martyrium zu tun.

Laurentius starb nämlich auf einem glühenden Rost zur Zeit des römischen Kaisers Valerian (190-260). Sein Sarkophag steht in der Krypta der römischen Pilgerkirche San Lorenzo fuori le Mura. Daß ihm auch Büchermacher und Bibliothekare besondere Verehrung entgegenbringen, hat nicht mit seinem Feuertod, sondern mit seiner Aufgabe als Bewahrer der Kirchenbücher zu tun.

Nach dem heiligen Laurentius ist nicht nur der Nürnberger Goldgulden des 15. bis 17. Jahrhunderts benannt, sondern auch der Laurentius- Schwarm, der uns um den 10. August die Blicke suchend zum Nachthimmel schicken läßt, es handelt sich um den Sternschnuppenfall aus dem Sternbild des Perseus.
Ein anderer Laurentius hat sich keinen Heiligenschein verdient, er war 501 bis 506 Gegenpapst und geriet zwischen die Fronten, als ihm Kaiser Theoderich der Große die Unterstützung entzog. Der Kapuzinermönch Laurentius von Brindisi brachte es im Dienst der Gegenreformation zum Ordensgeneral und Heiligen, auch wurde der Eiferer des 16./17. Jahrhunderts im Jahr 1959 zum Kirchenlehrer erhoben.

Ebenfalls Kapuziner, hat Laurentius von Schnüffis (1633-1702) der Kirche offenbar weniger eifrig gedient als der Musik. Er ist dafür aber als Komponist und Liederdichter (>Mirantische Maul-Trummel<, >Miranti- sches Flötlein<) in die Geschichte eingegangen.

Zur älteren Linie der Medici gehörte Lorenzo I., genannt der Prächtige (1449-1492). Nachdem er einer Verschwörung entkommen konnte, deren Opfer sein Bruder Giuliano geworden war, leitete er für Florenz eine Blütezeit von Kunst und Kultur ein. Auch die Wirtschaft florierte und lieferte Lorenzo die Mittel zu höchster Prachtentfaltung (Wahlspruch: »Facciamo festa tuttavia!«) und zur Förderung von Künstlern. Er setzte sich ein Denkmal mit der Gründung der Biblioteca Medicea-Laurenziana, deren Räume Michelangelo entworfen hat.

Nach so vielen männlichen Namensträgern – bedeutenden und mittelmäßigen – eine ganz ungewöhnliche Frau, der nur wenige der großen Geister ihres Jahrhunderts ebenbürtig waren: Laura Maria Catarina Bassi (1711-1778) aus Bologna. Sie wurde von ihren Zeitgenossen als »ein Wunder des Intellekts« bezeichnet und als »die gelehrteste Frau des Jahrhunderts« gefeiert. Es fiel ihr nicht schwer, sich in einer völlig von Männern dominierten Welt Achtung und öffentliche Geltung zu verschaffen. Noch im Spielalter soll die frühreife Laura vom Arzt der Familie mit den Grundlagen der Philosophie vertraut gemacht worden sein; in ihrer Studienzeit hat sie mit kühnen Denkansätzen, Scharfsinn und Weitblick die Lehrer in Staunen versetzt. Als sie mit 21 Jahren in der Aula der Universität Bologna vor einer Kommission von gelehrten Professoren, vor Kardinälen und Honoratioren der Stadt Isaac Newtons Lehre von der Gravitation und deren Bedeutung erklärte – sie war eine engagierte Anwältin der Newtonschen Theorie in Italien -, da wurde ihr nicht nur der Doktorhut verliehen, der Senat berief sie noch im selben Jahr zur Professorin der Philosophie und billigte ihr ein ansehnliches Jahresgehalt zu. Man ließ zu Ehren dieser jüngsten Inhaberin eines akademischen Lehramts in ganz Italien sogar eine Sondermünze prägen – all das zu einer Zeit, als das Revier der Frauen eigentlich Küche, Kinderstube, Haus, Hof, Garten und Feld zu sein hatten.
Laura Bassi lehrte neben Physik, ihrem Spezialgebiet, auch die »schönen Wissenschaften«, etwa die griechische Sprache, und gab eine Einführung in die Dichtkunst. Sie stand mit den wichtigsten Geistesgrößen ihrer Zeit in Verbindung, und die berühmtesten Akademien der Welt rechneten es sich zu hoher Ehre an, sie zum Mitglied zu haben.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita