Berühmte Namensträger: Paul

Der Name war aufgrund der Verehrung des Apostels Paulus im Mittelalter verbreitet; in Deutschland nahm die Beliebtheit seit der Reformation (vermutlich wegen des Kirchenlieddichters Paul Gerhardt) noch zu.

Unter den Namensträgern findet man eine Reihe von Päpsten, auch Regenten, aber keiner von ihnen kann es in seiner Bedeutung für das christliche Abendland mit Paulus (10 – um 67 nach Christus) aufnehmen, der als Sendbote Jesu dessen Botschaft in die Welt hinaustrug. Mit jüdischem Namen hieß er Saulus (hebr. scha’ul »der [von Gott] Erbetene«) und kam aus Tarsus in Kilikien (heute Türkei). Vom Vater lernte er das Zelttuch- und Teppichweben, ein Handwerk, das ihn auf seinen Missionsreisen ernähren konnte. Er erbte aber zum tarsischen auch das römische Bürgerrecht.

Neben der griechischen Muttersprache beherrschte er die aramäische Umgangssprache und lernte schon als Kind Hebräisch. In der Tempelakademie zu Jerusalem ausgebildet, wurde er Rabbi und als eifernder Pharisäer fanatischer Christenverfolger. Auf einer von den Hohenpriestern gutgeheißenen Strafexpedition zu Christengemeinden erlebte Saulus sein »Damaskus« und bekehrte sich. Über seine Vision berichtet das Neue Testament:

»Als er auf dem Wege war und sich Damaskus näherte, geschah es, da umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: >Saul, Saul, warum verfolgst du mich?< Er sagte: >Wer bist du, Herr?< Und jener: >Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen< Zitternd und staunend sagte er: >Herr, was willst du, daß ich tun soll?< Und der Herr sprach zu ihm: >Steh auf und geh in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst. <
Die Männer aber, die ihn auf dem Weg begleiteten, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, erblickten aber niemand. Saulus erhob sich von der Erde; doch als er seine Augen öffnete, sah er nichts. Da nahmen sie ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. Drei Tage lang konnte er nicht sehen und aß und trank nicht.«

Dann machte ihn der Jünger Ananias durch Handauflegen wieder sehend, er ließ sich taufen und wurde vom Saulus zum Paulus (Pauli Bekehrung wird am 25. Januar gefeiert, im Volksmund auch »der kalte Paule« genannt).

Von nun an war Paulus rastlos in Arabien, Syrien, Kilikien, später auch auf Zypern, im inneren Kleinasien und in Makedonien unterwegs, um zu missionieren. Seine letzten Reisepläne galten Italien und Spanien. Paulus ist auch Petrus begegnet, und wegen seiner kompromißlosen Verkündigung des Evangeliums zeitweise mit den Judenchristen der Urgemeinde in Konflikt geraten. Schließlich wurde er, wahrscheinlich unter Nero, zusammen mit Petrus in Rom zum Tod verurteilt und – ein Privileg des römischen Bürgers – nicht gekreuzigt, sondern enthauptet.

Paulus, der hellenistische Jude, war nicht nur Missionar, sondern auch ein bedeutender Theologe und Mystiker. Daß aus dem alles andere als weltoffenen Urchristentum eine Religion geworden ist, die die Erdteile umspannt, geht auf sein Wirken zurück.

Wenn sich der Apostel Paulus um das Seelenheil der Menschen gekümmert hat, so war sein Namensvetter Paul Ehrlich nicht ganz zwei Jahrtausende später (1854-1915) vor allem um ihr leibliches Wohlergehen bemüht. Die Leidenschaft dieses genialen Mannes gehörte aber nicht nur den verschiedenen Forschungsgegenständen, sondern nicht zuletzt auch seiner Zigarre. Sie ging, wie Dr. Hata, sein japanischer Mitarbeiter, berichtet hat, bei ihm nie aus. Der ganze Professor war vom Zigarrenrauch durchtränkt; der Geruch der Zigarre eilte ihm stets voraus und war immer schon da, bevor er selbst in Erscheinung trat. Außerdem schwärmte er für Mineralwasser und Kriminalromane, die er reihenweise nachts konsumierte.

Paul Ehrlich

Paul Ehrlich (1900)

Weil Ehrlich schon seit der Studienzeit Farbexperimente betrieb, und sein Arbeitstisch auch an der Berliner Charite an eine Malerwerkstatt erinnerte, kursierte unter seinen Kollegen der Spruch »Ehrlich färbt am längsten«. Und gerade auf diesem Gebiet gelang es ihm (zusammen mit Carl Weigert), eine Methode zu entwickeln, wie man Blutzellen färbt, um festzustellen, ob und welche Zellen im Blut krank sind. So gelang es ihm, die farblosen Tuberkuloseerreger sichtbar und damit die TBC-Erkrankung erkennbar zu machen – eine unverzichtbare Voraussetzung für die Heilbehandlung. Die ungezählten, teilweise revolutionären wissenschaftlichen Veröffentlichungen Ehrlichs im Bereich der Physiologie, der Histologie, der Serologie und Immunologie brachten nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch unschätzbare Anstöße für die Forschung. Mit der berühmten »Seitenkettentheorie« entwickelte er eine exakte Methode zur Dosierung des Heilserums und wurde damit neben Emil Behring zum Begründer der Serumtherapie. Bei seinen Arsen-Experimenten fand er mit dem 606. Präparat das Chemotherapeutikum Salvarsan (ursprünglicher Name »Ehrlich-Hata 606«), ein äußerst wirksames Mittel gegen die Syphiliserreger; ein anderes von ihm entwickeltes Serum erwies sich als probates Mittel gegen die afrikanische Schlafkrankheit, die Jahr für Jahr ganze Dörfer ausgerottet hatte.

Paul Ehrlich, der seit 1896 das Institut für Serumforschung und Serumprüfung in Berlin und ab 1898 das Königlich Preußische Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt leitete, bekam 1908 den Nobelpreis für Medizin.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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