Berühmte Namensträger: Bertha und Berthold

Ein Mann namens Berthold, dessen Gedenktag der 14. Dezember ist, gehörte zu den großen Kämpfern. Prediger und Demagoge, hat er dem Volk und dem Klerus wegen Sittenlosigkeit und Aberglaubens ins Gewissen geredet. Seine Auftritte auf Straßen und Plätzen waren nicht weniger populär als die der Gaukler und Komödianten, gegen die er wetterte. Bruder Berthold von Regensburg, der 1272 starb, hat es allerdings nur zur Seligsprechung gebracht – vielleicht, weil er auch das Lachen liebte.

Bertha von Suttner

Bertha von Suttner (1906)

Eine Frau, die Kämpferin und Pazifistin zugleich war, hat diesen Namen geadelt. Die Österreicherin Bertha von Suttner (1843-1914) war es, die sich vehement gegen soziale Mißstände, die Unterdrückung der Frauen, vor allem aber gegen den Krieg einsetzte. Sie hatte in ihrer Jugend in Böhmen die Greuel des deutsch-österreichischen Krieges erlebt. Das Engagement der Aristokratin beschränkte sich nicht auf pure Wohltätigkeit; vielmehr sah sie ihre Mission in der Verhinderung eines neuen Krieges. >Die Waffen nieder<, heißt ihr großer Roman, der um die Welt ging. Sie organisierte pazifistische Demonstrationen, war Vorsitzende des Wiener Vereins der Friedensfreunde, hielt leidenschaftliche Reden für den Frieden, nicht nur in ihrer Heimat, sondern in ganz Westeuropa und in Amerika. Und sie schaffte es, Alfred Nobel, den Erfinder des Dynamits, in ihre Friedensbewegung einzubeziehen, redete ihm ins Gewissen, gab ihm ein, daß er als Sühne für all das Elend, das er in die Welt gebracht habe, einen Friedenspreis stiften müsse. Sie gehörte zu den ersten, denen dieser Friedensnobelpreis verliehen wurde (1905). 1913 war es – der Weltbrand begann sich am politischen Horizont bereits abzuzeichnen -, als der junge Schriftsteller Stefan Zweig die »großartige und großmütige Kassandra« einmal in Wien traf. Kurz vorher hatte man Oberst Redl, den Spionagechef der österreichischen Armee, gezwungen, sich zu erschießen, nachdem bekannt geworden war, daß er für den russischen Generalstab spioniert hatte. Die Lage zwischen dem Kaiserreich und Rußland spitzte sich zu. Stefan Zweig schildert die Begegnung in seinen Erinnerungen (>Die Welt von gestern<):

>Die Menschen begreifen nicht, was vorgeht<, schrie sie ganz laut auf der Straße … >Das war schon der Krieg, und sie haben wieder einmal alles vor uns versteckt und geheimgehalten. Warum tut ihr nichts, ihr jungen Leute? Euch geht es vor allem an! Wehrt Euch doch, schließt Euch zusammen! Laßt nicht immer alles uns alte Frauen tun, auf die niemand hört.<

Bertha von Suttner hat zwar das Herannahen des Ersten Weltkriegs geahnt und befürchtet, seinen Ausbruch aber nicht mehr erlebt; sie starb am 21. Juni 1914. Der verhängnisvolle Schuß von Sarajewo, der den österreichischen Thronfolger und seine Frau traf, fiel eine Woche später, am 28. Juni.

Bert Brecht, der größte Berthold des 20. Jahrhunderts (1898-1956), hat sich – wie die Suttner – ebenfalls dem Kampf gegen Krieg und soziales Elend verschrieben. Er führte ihn mit seinen dichterischen Mitteln – in Deutschland wie im Exil. Statt einer Lebensbeschreibung und Würdigung des großen Dramatikers hier ein Ausschnitt aus der Begrüßungsrede, die ihm der schweizer Schriftsteller Max Frisch 1948 in Zürich hielt:

Wer Brecht auch nur wenig kennt, spürt sofort, daß man diesen Mann nicht loben kann, ohne sich lächerlich zu machen. Sein Werk erwartet mehr von uns: Mehr als Verehrung … Man kann Brecht gegenüber nur zweierlei: Man kann seine Aussage bestreiten, dazu haben wir das Recht; oder wenn man sie nicht bestreitet, muß man sie verwirklichen. Sie läßt uns nicht im Gefallen verharren. Es ist keine Schrulle der Bescheidenheit, sondern ein wesentliches Kennzeichen dieses äußerst unangenehmen Dichters, daß er uns nicht einmal die Ausflucht in die Verehrung gönnt.

Bertha Benz nahm an den Versuchen ihres Mannes zur Konstruktion eines ohne Pferde, also selbsttätig fahrenden Wagens großen Anteil. Nach jeder der vielen Pannen, die die Entwicklung begleiteten, sprach sie ihm nicht nur Mut zu, sondern griff auch tatkräftig in den Lauf der Automobilgeschichte ein. Carl Benz steckte 1888 wieder einmal in einer tiefen Krise; die Leute waren einfach nicht vom Nutzen einer Kutsche ohne Pferde zu überzeugen, galt doch ein stattliches Gespann als besonders repräsentatives Statussymbol. So machte sich Frau Bertha, zusammen mit den halbwüchsigen Söhnen Eugen und Richard, an einem schönen Sommertag im Jahr 1888 mit Papas Dreiradwagen auf zu einer Demonstrations- und Probefahrt von Mannheim nach Pforzheim. Der ingeniöse Erzeuger aber wußte damals nichts von dieser Extratour seiner Bertha. Doch hat er die Reise in seinen Erinnerungen in allen Einzelheiten geschildert:

Es dauerte keine Stunde, da war auf dem schönen ebenen Weg Heidelberg erreicht. Auch bis Wiesloch ging noch alles gut. Dann aber, als die Straßen bergig wurden, begannen die Tücken. Die Kraftübertragung war noch nicht für so große Steigungen vorgesehen. Eugen und die Mutter mußten absteigen und den Wagen schieben, während Richard steuerte. Aber auch bergab bekam die Mutter Gewissensbisse. Wenn die einfache Holzbremse mit Lederüberzug plötzlich den Dienst versagte, was dann? Glücklicherweise kam das auf der ganzen Reise nicht vor. Allerdings mußten immer wieder von Zeit zu Zeit neue Lederauflagen bei den Dorfschustern gekauft und neu aufgenagelt werden.

Weiter geht die Fahrt, aber mit dem gemütlichen Kutschieren ist’s vorbei. Da die Ketten sich längten und aus den Zahnrädern sprangen, wird vor einer Dorfschmiede haltgemacht. Es kommen die Dörfler und bestaunen den Wagen, als wäre er frisch vom Himmel gefallen. Nachdem die Ketten nachgespannt sind, geht’s weiter – bis zur nächsten Panne. Der Wagen streikt, weil der Benzinzufluß verstopft ist. Mutters Hutnadel ist gerade das richtige Operationsinstrument, das den Schaden rasch wiedergutmacht. Bei einer anderen Panne, bei der die Zündung versagte, opferte die erste Fernfahrerin selbst ihr Strumpfband als Isoliermaterial.

In W. wird eingekehrt, da die heiße Augustsonne die Fahrer durstig gemacht hat. Wieder zieht der Wagen die Dörfler an und gibt ihnen die schwersten Rätsel auf. Wie ein Wagen ohne Pferde oder sonst ein Zugtier laufen können soll, ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Die einen reden von Hexen und Hexenmeistern, andere von einem Uhrwerk. Die drei Zauberkünstler aber steigen auf und fahren lachend davon.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita