Berühmte Namensträger: Lieselotte

Populär war der Name schon sehr lange vor den erfolgreichen Filmkomödien der fünfziger Jahre (>Wirtshaus im Spessart und >Helden<) mit der beliebten schweizerischen Schauspielerin Lieselotte Pulver – dank der höchst freimütigen Prinzessin Lieselotte von der Pfalz.

Liselotte von der Pfalz

Liselotte von der Pfalz

Sie war die Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und hieß eigentlich Elisabeth Charlotte. Die bildhübsche junge Frau wurde mit 19 Jahren aus der fröhlichen Rheinpfalz an den in höfischer Etikette erstarrten französischen Hof Ludwigs XIV. verpflanzt, man hat sie aus dynastischen Gründen mit Herzog Philipp I. von Orleans, dem homophilen Bruder König Ludwigs XIV., vermählt. Dieser »Jünger Sodoms« entledigte sich rasch seiner ehelichen Pflichten, indem er drei Kinder zeugte und dann das gemeinsame Schlafzimmer endgültig mied.

Monsieur hatt nichts in der weit im kopff alß seine junge kerls, umb da gantze nächte mitt zu freßen, zu sauffen, undt gibt ihnen unerhörte summen gelts, nichts kost ihm noch ist zu thewer vor die bursch, unterdeßen haben seine kinder undt ich kaum was unß nöthig ist.

klagt die ihm Angetraute. Von Lieselotte sind uns eine große Zahl origineller Briefe überliefert, die ihr zu bis heute lebendigem Nachruhm verhalfen und sogar einen bleibenden Platz in der Literaturgeschichte einbrachten.

In der ihr fremden Welt von Versailles und Paris, wo jede ihrer Handlungen gleichsam ein Staatsakt war, wo streng reglementiert wurde, wie man sich zu kleiden, zu frisieren und zu bewegen, wie man Gespräche zu führen hatte, wo Abenteurer, Künstler, Mätressen und Günstlinge jeder Couleur intrigierten, konnte die Pfälzerin nie richtig heimisch werden. An ihre Tante schrieb sie:

Efeuer] L[iebden] sagen, daß man einem alles nehmen kan, außgenohmen ein frölligs hertz. Wie ich noch in Teütschland war, hette ich es auch woll so gemeint, seitter ich aber in Frankreich bin, hab ich leyder nur zu sehr erfahren, daß man einem dießes auch nehmen kan.

Lieselotte hat in den fünfzig Jahren, die sie gezwungenermaßen in Paris verbrachte, eine umfangreiche Korrespondenz geführt. Ihre Briefe gingen an die Tanten am Hof in Hannover, an ihre frühere Erzieherin Frau von Harling, ihren Bruder, den Kurfürsten Karl von der Pfalz, die Halbbrüder und Halbschwestern, später auch an Leibniz und andere Persönlichkeiten des Geisteslebens. Sie schrieb kritisch vom überfeinerten französischen Gesellschaftsleben, von Hofvergnügungen und Hofsitten. Ihre Briefe vermitteln ein eindrucksvolles Zeitgemälde und ein authentisches Bild vom Hof Ludwigs XIV.

Die größte Abneigung Lieselottes muß Madame de Maintenon gegolten haben, die erst Prinzenerzieherin, dann Mätresse des Königs, schließlich seine Gemahlin und heimliche Regentin über Jahrzehnte war. Nur »der Teufel in der Hölle ist nit so bös, wie dies alt’Weib«, klagt sie über die zur Schwägerin avancierte Liebschaft des Königs, nennt in ihrer derbdrastischen Ehrlichkeit die Marquise »böse Zott«, »Hutzel« und »alte Mägere« oder schreibt in brutaler Offenheit »hoffe, daß ich noch vor meinem Ende den Spaß haben werde, den alten Teufel bersten zu sehen«. Lieselotte wurde auch nicht müde, Ludwig wegen der Verwüstung ihrer pfälzischen Heimat zu beschimpfen, und sie kratzte heftig an der Gloriole des selbstherrlichen Sonnenkönigs, stellte ihn über alle Maßen gefräßig und als sexuellen Nimmersatt dar.

Die Lustknaben ihres Mannes und intriganten Höflinge verbitterten das Leben der Pfälzerin und machten sie einsam; auch versuchte man, den Sohn ihrem Einfluß zu entziehen, »weil kein Mensch hier ist, dem ich genug vertrauen darf, um mein Herzeleid zu klagen« – heißt es in einem Brief. Neben den freimütigen, von Abneigung gefärbten Korrespondenzen über ihre höfische Umgebung zeugen zahlreiche Briefe von ihrem unverwüstlichen Humor und ihrer gesunden Selbstironie. In einem Briefabschnitt schreibt sie über sich selbst:

Mein fett hatt sich gar übel placirt, muß mir also woll übel ahnstehen; ich habe einen abscheülichen mit verlöff hintern, bauch undt hüfften undt gar breitte axlen, halß und brüste sehr blat, bin also, die warheit zu bekennen, gar ein wüste heßliche figur, habe aber das glück, gar nichts darnach zu fragen, denn ich begehre nicht, daß jemandes verliebt von mir sein solle, undt ich bin persuadirt [überzeugt], daß die, so meine gutte freunde seindt, nur mein gemühte undt nicht meine figur betrachten werden.

An ihrer ehrlichen, bisweilen drastischen Diktion hat sich in fünfzig Jahren kaum etwas geändert; in einem ihrer späten Briefe bekennt sie »wie ich mein leben gewesen, so bin ich noch; Frankreich hat mich nicht poliert; ich bin zu spät neinkommen«.

Von Ernö und Renate Zeltner

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