Berühmte Namensträger: Ludwig

Gelehrte, Maler, Dichter, Musiker, Schriftsteller, Politiker und Militärs wer hat nicht alles Ludwig geheißen! Die Prominenz reicht von Ludwig van Beethoven bis Ludwig Ganghofer, von Ludwig Feuerbach bis Ludwig Erhard, von Luigi Boccherini bis Ludwig Mies van der Rohe. Einer unter den zahlreichen französischen Königen namens Ludwig (insgesamt waren es 18) ist schon bald nach seinem Tod in die Gemeinschaft der Heiligen aufgenommen worden.

König Ludwig IX. (1215-1270) soll nicht nur wie ein Mönch gelebt, die neugegründeten Bettelorden nach Kräften unterstützt und zahlreiche Klöster gegründet, Kirchen und Krankenhäuser gebaut haben, auf ihn gehen auch die ältesten Verfassungsverordnungen Frankreichs zurück. Er hat den Zweikampf und das Fehdewesen verboten, die Ausbeutung der Armen nach Kräften verhindert, die ersten Universitäten gegründet und die Macht des Königtums gestärkt. Dabei wurde auch gleich mit allerlei kirchlichen Privilegien und dem Amtsmißbrauch vieler Geistlicher aufgeräumt. Ludwig starb während eines Kreuzzugs an einer Seuche. An den heiligen Ludwig wenden sich bevorzugt Leute, die mit Druck und Bindung von Büchern zu tun haben, aber auch Blinde und Pilger. Das Namensfest dieses Heiligen ist der 25. August.

Außer der langen Reihe französischer Monarchen, von denen einer (Ludwig XIV.) der prachtliebende Sonnenkönig war, ein anderer (Ludwig XVI.) unter der Guillotine geendet hat, gab es einen kaiserlichen Namensträger (Ludwig IV., der Bayer) und zahllose regierende Fürsten – in Frankreich, in Bayern, Baden, Thüringen, aber auch in Polen und Ungarn. Nur einer aber hat den Beinamen »der Große« bekommen, nämlich König Lajos I. von Ungarn (1342-1382).

Ludwig II. von Bayern

Ludwig II. von Bayern

Nicht nur die verschiedenen Heiligen namens Ludwig umgibt eine Legende, geheimnisumwittert ist für Zeitgenossen und Nachwelt auch die Gestalt eines Königs geblieben. Ludwig II. von Bayern, König von 1864 bis 1886, war kein Herrscher wie so viele andere auf den zahllosen Thronen des einstigen Heiligen Römischen Reiches. Er paßte mit seinen Vorstellungen von königlicher Würde und Prachtentfaltung nicht mehr in das seit der Französischen Revolution nüchterner gewordene Europa. Ludwig II., der Intelligente, der Sensible, der Leidenschaftliche, fiel aus allen Rahmen der noch bestehenden höfischen Etikette. Zwar nahm er Anteil an den politischen Ereignissen seiner Zeit, überließ aber die Entscheidungen seinen Ministern. Obwohl ihn das Leben bei Hofe anekelte, hielt er doch als ausgewiesener »Märchenkönig« auf eine Weise Hof, die nicht nur die Staatsfinanzen ruinierte, sondern auch die Phantasie seiner Untertanen, vor allem des einfachen Volkes, Purzelbäume schlagen ließ. Nichts war zu teuer und zu aufwendig, wenn es um Bau und Ausstattung der diesem König gemäßen Hofhaltung, um die berühmten Königsschlösser (Neuschwanstein, Hohenschwangau, Linderhof, Herrenchiemsee) ging, die heute allerdings unschätzbare touristische Ziele und Devisenbringer sind.

Ludwigs Lebenswandel entsprach nicht den aristokratischen und schon gar nicht königlichen Gewohnheiten. Er löste kurz vor der geplanten Hochzeit die Verlobung mit seiner Cousine Sophie Charlotte und ist auch keine andere Bindung mehr eingegangen. Ludwig hat einmal angemerkt, daß, falls ihn überhaupt jemals eine Frau glücklich machen könnte, dies sicherlich die von ihm verehrte Cousine und Exverlobte sein würde. Aber Sophie Charlotte bekam keine Gelegenheit dazu. Schon während ihrer langdauernden freundschaftlichen Korrespondenz und bei vielen Begegnungen mußte die junge Frau, die den König aufrichtig liebte, immer wieder hören, um wieviel wichtiger als jeder andere Mensch ihm der Komponist Richard Wagner war, dessen Schaffen ihn beziehungsweise die bayerischen Untertanen Unsummen gekostet hat. Er klagte in einem Brief an Sophie Charlotte über die Trennung von dem Freund:

O Du glaubst nicht, weißt nicht, wie grenzenlos unglücklich ich bin, wie mir die Trennung von Ihm, dem Herrn meines Daseins, am Leben nagt, auch ich vertraue Dir nun mein Geheimnis an. Mit Seinem Lebensende naht auch meines heran. Sein Todestag ist auch der meine. – Dies ist sicher, denn die Liebe zu Ihm, die der Quell meiner Wonnen und Leiden ist, ward in mir zum religiösen Cultus, ohne Ihn kann ich nicht leben.

Zwar hat Ludwig manche Frauen hoch verehrt – außer der einstigen Verlobten auch deren Schwester, die Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) und die russische Zarin -, aber er konnte offenbar keine erotische Beziehung mit dem anderen Geschlecht eingehen.

Die weitere tragische Geschichte des Königs ist bekannt. Er entfernte sich immer weiter von der politischen und gesellschaftlichen Realität, wurde zunehmend menschenscheu und schließlich von seinen Ministern mehr und mehr entmachtet. Schließlich ließ man ihn für geisteskrank erklären und entmündigte ihn. Sein Onkel Luitpold wurde Prinzregent. Nur Tage später fand König Ludwig II. auf immer noch rätselhafte Weise zusammen mit dem Professor für Psychiatrie, Bernhard von Gudden, den Tod im Starnberger See.

Erstaunlich bleibt, daß Ludwig trotz aller Exaltiertheit und blindwütiger Verschwendungssucht zu Lebzeiten, aber auch nach seinem Tod bis in unsere Tage, nie die Liebe und die Verehrung des Volkes verloren hat. Man gab ihm keine Schuld an den desaströsen Zuständen, die er heraufbeschwor.

Vor allem seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt der Kult um den »Kini« in Bayern eine seltsame Blüte. Kaum war man aus dem Traum vom Großdeutschen Reich so unsanft geweckt worden, retteten sich viele Vaterlandsgläubige in neue Träume. »Ludwigs Schlösser … drücken einen Rückzug in Traumwelten aus, in Bühnenbilder, auf denen sich ein >Märchenkönig< selbst inszeniert – bis heute von den Fremdenführern wie von Kirchendienern gefeiert«, so deutet der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer die anhaltende König-Ludwig-Devotion. »Ludwig II. ist so fern, daß man viel in ihn hineinlegen kann, aber auch so nah, daß man in seinen Schlössern herumspazieren kann wie er selber. Er ist erhaben – jeder Zoll ein König … Aber er ist auch wie du und ich, ja sogar liebenswürdigerweise ungeschickter, ängstlicher … verschwenderischer … Wenn es ihn nicht gäbe, müßte man diesen Märchenkönig erfinden. Von Gudden ist ertrunken – es lebe Ludwig II.! «

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita