Berühmte Namensträger: Friedrich

Da sind alle aufgereiht, die Streitbaren und die Frommen, die Siegreichen und die Weisen, ein Schöner und viele Unerschrockene – Kurfürsten, Markgrafen, Herzöge, Könige und Kaiser, die alle Friedrich hießen. Im Kyffhäuser wartet Barbarossa, der Kaiser mit dem roten Bart, auf seine Stunde, sein Enkel Kaiser Friedrich II. träumt den Falken nach, und unter den Marschtritten manchen fremden Heeres hat sich Friedrich Wilhelm, der preußische Soldatenkönig, bestimmt schon oft im Grabe umgedreht. Wie hätte er auch ahnen sollen, daß sich der »effeminierte [verweichlichte] Kerl«, für den er seinen Sohn stets gehalten, einmal zum berühmten Feldherrn und einzigen Großen unter den zahllosen Herrschern dieses Namens mausern würde.

König Friedrich II. von Preußen (1712-1786), ein Schöngeist mit künstlerischen Neigungen, stand stets im Gegensatz zu seinem unerbittlich pflichteifrigen Vater, der diese preußische Tugend auch von seinem Sohn einforderte. So heißt es in einem Brief, den Friedrich Wilhelm an seinen Sohn geschrieben hat:

Du hast aber in allen Stücken gegen mich einen Abscheu davor gezeiget, und wenn es auf Jagden, Reisen und andere Occasionen angekommen, hast Du allezeit gesuchet, Dich zu schonen, und lieber ein französisches Buch, des bons mots oder ein Komödien-Buch oder das Flötenspiel gesuchet, als den Dienst oder Fatiguen. Du hast ferner eine Companie gehabt, die gewiß schön, gut und tüchtig war, und doch habet Ihr Euch gar nicht darum bekümmert, daher ich glaube, wenn ich Dich je wieder zum Soldaten machte, daß es Dir doch nicht von Herzen gehen werde. Aber was gilt es, wenn ich Dir recht Dein Herz kitzelte, wenn ich aus Paris einen maître de flûte mit etlichen zwölf Pfeifen und Musique-Büchern imgleichen eine ganze Bande Komödianten und ein großes Orchester kommen ließe, wenn ich lauter Franzosen und Französinnen, auch ein paar Dutzend Tanzmeister nebst einem Dutzend petits-maftres verschiebe, und ein großes Theater bauen ließe; so würde Dir dieses gewiß besser gefallen als eine Compagnie Grenadiers; denn die Grenadiers sind doch, nach Deiner Meinung, nur Canailles, aber ein petit-maître ein Französchen, ein bon mot, ein Musiquechen und Komödiantchen, das scheinet was Nobleres, das ist was Königlicheres, das ist digne d’un prince.

Friedrich versuchte zu fliehen, wurde gefaßt und in Festungshaft genommen, bevor er sich mit dem Vater aussöhnte und die Frau heiratete, die dieser ihm bestimmt hatte. Ohne Elisabeth-Christine aber zog er nach Rheinsberg, wo er bis zur Thronbesteigung (1740) lebte.

Friedrich II.

Friedrich II. (ca. 1740)

Als König wurde aus dem Träumer ein Realpolitiker, ein Kriegsherr und ein Diplomat. Er herrschte im Sinne des »aufgeklärten Absolutismus«, verstand sich als »erster Diener des Staates«. Seine wirtschaftlichen Aktivitäten waren für seine Zeit ebenso fortschrittlich wie die Entwicklung des Allgemeinen Preußischen Landrechts. Er förderte das Schulwesen und gewährte Glaubensfreiheit.

So straff er auch während seiner Regierungszeit die Zügel Preußens in der Hand gehalten hat, so wurde das Bild des »Alten Fritz« später doch liebevoll verklärt. Unzählige Anekdoten umgeben die krumme, gichtgeplagte Gestalt des in die Jahre gekommenen Königs, der schließlich als streng, aber gerecht in die Geschichte eingegangen ist.

Zu seinen Leidenschaften gehörte übrigens neben der Musik, der französischen Literatur, einer Sammlung von Schnupftabakdosen und seinen Hunden vor allem auch das Essen. Den Ermahnungen seiner Ärzte zum Trotz schlug er zeitlebens Diätvorschriften in den Wind. Er hatte eine Schwäche für alles, was scharf und schädlich war, trank täglich unzählige Tassen Kaffee, verzehrte Berge von Fleisch, Fisch und Parmesankäse, den er besonders liebte, würzte sich seine Speisen höllisch scharf und pflegte doch seinem Leibarzt treuherzig mitzuteilen, daß er stets mäßig sei und an den einzelnen Gerichten nur nippe. Über jede Speisenfolge, die der Koch ihm vorschlug, entschied er selbst, akzeptierte oder verwarf sie. Noch kurz vor seinem Tod orderte er täglich ein vielgängiges Menü, das außer Suppe zum Beispiel Rindfleisch, Schweinekoteletts, Lachs und Zunge, auch Erbsen, saure Gurken, Heringe und natürlich Champagner umfaßte.

Sicher ziemt es sich nicht, die Auslassungen über den großen Friedrich mit seiner Neigung zur Völlerei zu beenden, deshalb zum Schluß der Hinweis auf sein schriftstellerisches Werk, das immerhin 31 Bände umfaßt, die die Berliner Akademie der Wissenschaften 1846-1857 herausgab. Dazu kommen 46 Bände politische Korrespondenz. Da muß man sich doch fragen, wann sich dieser König überhaupt die Zeit zum Kriegführen genommen hat.

Nicht nur die Fürsten, auch die Geistesgrößen, die diesem friedlichen Namen Ehre machten, sind Legion – denken wir doch an Friedrich Schiller, Friedrich Schopenhauer, Friedrich Hölderlin, Friedrich Hebbel, Friedrich Nietzsche, Friedrich Dürrenmatt – gar nicht zu reden von all den Mittelmäßigen namens Friedrich, die nur vermeintlich Großes geleistet haben.

Autoren: Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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