Berühmte Namensträger: Artur

Einen Heiligen haben die Träger dieses Namens nicht zum Patron, wohl aber einen sagenhaften König, der in die Geschichte eingegangen ist. Artus, ein keltischer Britenfürst des 4./5. Jahrhunderts, ist wegen seiner Tapferkeit zum Inbegriff des mannhaften Ritters geworden. Seine geheimnisumwitterte Geburt, sein Umgang mit Feen und Zauberern, die Verheißung seiner Wiederkehr – all das hat ihn zum Helden von Sagen, Dichtungen und zur Grauen Eminenz so mancher Wagner-Oper gemacht. Seine Tafelrunde ist Legende. In Artus‘ Namen und in der Hoffnung auf ähnlich dauerhaften Ritterruhm haben sich im Mittelalter Festvereinigungen gegründet, die sogenannten Artushöfe, in denen allerlei seltsames Brauchtum gepflegt wurde, das bis heute in manchen Männerköpfen spukt und in anachronistischen Männerbünden gelegentlich fröhliche Urständ feiert.

Ein Träger dieses Namens aus neuerer Zeit ist es wert, hier ebenfalls genannt zu werden, weil er mit Tapferkeit ganz anderer Art dem historischen Arthur kaum nachsteht: Sir Arthur Whitten Brown, der Fliegerpionier. Einmal hatte der junge Pilot der Royal Airforce das Schicksal bereits herausgefordert, als er 1915 bei einem Aufklärungsflug über dem feindlichen Deutschland abgeschossen wurde und schwerverletzt überlebte; doch eine viel gewagtere Heldentat stand ihm noch bevor. Als Kriegsheld fand Arthur Whitten Brown nach 18monatiger Gefangenschaft im Rüstungsministerium seines Landes Verwendung und konnte seine Erfahrung bei der Produktion von Flugzeugmotoren nutzbringend einsetzen. Nach Ende des Krieges war der gehbehinderte Fliegerleutnant nicht mehr gefragt und vermehrte die Schar der arbeitslosen Heimkehrer. Bei der Jobsuche führte ihn ein glücklicher Zufall auch zu den Vickers-Flugzeugwerken. Brown hatte Glück. Man suchte gerade den zweiten Mann für ein Flugunternehmen der besonderen Art. Die >Daily Mail< hatte nämlich 10 000 Pfund für die Überquerung des Atlantiks von Nordamerika nach Europa ausgesetzt. Und die Vickers-Werke glaubten, das geeignete Flugzeug für das Unternehmen zu besitzen.

Die Maschine war ein umgebauter Vimy-Bomber, ein 13 Meter langer Doppeldecker aus Stahlrohr und Holz mit einer Spannweite von 20,7 Metern, seine Reisegeschwindigkeit betrug 145 Stundenkilometer, die Reservetanks der Maschine machten eine Flugstrecke von 4000 Kilometern ohne Auftanken möglich. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Konstrukteure und Mechaniker rüsteten die Vimy für alle Eventualitäten aus, Brown und der erste Pilot, Captain John Alcock, testeten die zwei 360-PS-Motoren wieder und wieder. Alcock war ebenfalls ehemaliger Pilot der Royal Airforce, ein mit Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnetes Fliegerass. Am 14. Juni 1919 war es soweit. Die in einzelnen Teilen nach St. John auf Neufundland verbrachte Vickers-Vimy hob zur Atlantiküber- querung ab. In den Tanks hatte die Maschine 3540 Liter Treibstoff und 180 Liter Öl, in der offenen Kanzel saßen nebeneinander die zu allem entschlossenen Piloten samt Reiseproviant in Form von belegten Broten, Kaffee und Bier. Bald nach dem gelungenen Start, den sie noch über ihr Funkgerät zur Erde melden konnten, nahm eine wahre Flut von Pannen ihren Lauf: Die Vimy tauchte in dichten Nebel ein, so daß die Piloten ihre Instrumente nur noch mit Hilfe der Taschenlampe sehen konnten. Dann stellte Brown fest, daß keine Funkverbindung mehr möglich war – der an einem Flügel befestigte windgetriebene Dynamo war weggerissen worden. Da wegen des Motorlärms keine andere Verständigung möglich war, schrieb er seine Feststellung auf einen Notizblock und hielt ihn seinem Nachbarn vor die Nase; der abgebrühte Alcock kritzelte auf den Block: »Wie wäre es jetzt mit einem Bier?«

Nach vielen Stunden Blindflug ohne größere Aufregungen verzog sich der Nebel allmählich. Aber da wurde das Motorgeräusch verdächtig laut, der Steuerbordmotor fing an zu rattern wie ein Maschinengewehr, und Flammen züngelten nach hinten. Jeden Augenblick konnte sich die dünne Bespannung des Rumpfes entzünden – ein Teil des Auspuffrohrs war weggeschmolzen. Für kurze Zeit hatten die beiden Flieger erwogen umzukehren. Aber weil Browns Berechnung ergab, daß sie schon mehr als die Hälfte der Strecke hinter sich hatten – auch der Stand der Sterne schien das zu bestätigen konnte die Devise nur heißen: vorwärts, weiter! So ging es mehrere Stunden durch die Nacht, bis sie in ein Unwetter mit Blitz und Hagel eintauchten und im Sturm wie ein Spielzeugdrachen hin- und hergeworfen wurden. Die Böen drückten das Flugzeug fast senkrecht nach unten, sie verloren dramatisch an Höhe, so daß die Tragflächen fast schon die weißen Schaumkronen des Ozeans berührten.

Alcock benötigte sein ganzes fliegerisches Können, um die Maschine immer wieder hochzuziehen. Als sie das Schlimmste hinter sich hatten, zeigte der Kompaß, daß sie sich wieder auf Westkurs befanden, also in die falsche Richtung flogen. Nachdem sie sich kurz in der Hoffnung gewiegt hatten, daß nun nichts Schlimmeres mehr passieren könnte, stellten sie fest, daß das Geräusch der Motoren sich änderte, ja fast bedrohlich klang, und daß sie auch an Höhe verloren. Der gefrierende Schnee, vermuteten sie, verstopfte die Lufteinlaßöffnungen der Vergaser. Brown mußte seinen Sicherheitsgurt lösen und auf die Tragflächen klettern. Er klammerte sich an die Verstrebungen, um vom Sturm nicht ins Meer geweht zu werden, öffnete mit den Zähnen sein Taschenmesser und kratzte den gefrorenen Schnee weg. Sechsmal kroch er so von einer Tragfläche zur anderen, wobei Alcock versuchte, die Maschine einigermaßen stabil zu halten. Als die Motoren wieder gleichmäßig arbeiteten, zog er das Flugzeug auf 3300 Meter hoch, um dem Schneesturm zu entgehen, aber sie mußten erneut nach unten, weil nun die Tragflächen und die Querruder zu vereisen drohten. Alcock verminderte die Geschwindigkeit und ging auf 1500 Meter hinab, dann gab er wieder Gas.

Doch schon Minuten später sahen sie Land und setzten zur Landung an, aber was Alcock für ein Feld gehalten hatte, war ein irisches Torfmoor. Die Vimy überschlug sich und bohrte sich mit der Nase in den weichen Grund. Die Piloten blieben unverletzt und durften sich zu Recht für diese Pioniertat feiern lassen. Sie hatten für ihren Flug 16 Stunden und 27 Minuten gebraucht. Zu den ausgesetzten 10 000 Pfund kam noch die Ehrung beim König. Georg V. erhob die mutigen Flieger augenblicklich in den Adelsstand. Am Heathrow Airport in London erinnert ein Denkmal an die einmalige Großtat von Sir Arthur Whitten Brown und Sir John Alcock.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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