Berühmte Namensträger: Wilhelm

Kaiser Wilhelm

Kaiser Wilhelm II. in Armeeuniform

Helden und Heilige namens Wilhelm hat die Geschichte viele hervorgebracht, aber nur einen (Wilhelm II.), der einer ganzen Epoche seinen Namen gegeben hat. Daß in Deutschland die »Wilhelminische Ära« bei allem technischen Fortschritt dieser Zeit einen Geruch von Reaktion und Obrigkeitsstaat an sich hatte, verdankt sie einem Kaiser, der – von seinen Aufgaben überfordert, und, wie viele schwache Persönlichkeiten, die das Schicksal zur Macht geführt – den martialischen Auftritt liebte und auf diplomatischem Parkett ein ums andere Mal ausrutschte. Als »Reformkaiser« angetreten, hat er schließlich vorindustrielle und feudale Strukturen gefördert und einem Militarismus und Nationalismus gehuldigt, die geradewegs in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs führten.

Verglichen mit all den fürstlichen oder sonstwie aristokratischen Wilhelms, neben Forschern wie Wilhelm Conrad Röntgen, Titelhelden wie Wilhelm Teil und Wilhelm Meister, neben Draufgängern wie Buffalo Bill ist Wilhelm Voigt nur ein kleines Licht.

An einem späten Oktobertag 1906 legt sich dieser vorbestrafte Schuster Wilhelm Voigt in der Bedürfnisanstalt des sächsischen Bahnhofs zu Berlin eine Hauptmannsuniform an, die er bei einem Trödler erstanden hat. Bereits auf dem Bahnsteig genießt der Verkleidete den Respekt, den ihm die Beamten dort entgegenbringen. Dann kommt ihm eine von Tegel heranmarschierende, von einem Unteroffizier geführte Abteilung Soldaten in die Quere, die dem Herrn »Hauptmann« die vorgeschriebene militärische Ehre bezeugt. Voigt beherrscht die Situation und brüllt schneidige Befehle. Er unterstellt sich das Wachkommando, requiriert ohne große Mühe einen nach Köpenick fahrenden Omnibus und kommandiert die Soldaten hinein. In Köpenick läßt er die Abteilung im Eiltempo zum Rathaus marschieren und eröffnet dem überraschten Bürgermeister: »Sie sind verhaftet!« Als dieser nach seiner Legitimation fragt, herrscht ihn Schuster Voigt an: »Meine Legitimation, das sind die Männer, die unter meinem Kommando stehen.« Der falsche Hauptmann verfehlt aber sein eigentliches Ziel, sich endlich den ihm so oft verweigerten Paß zu erstreiten, denn Köpenick hat keine Paßabteilung. So befiehlt er dem Stadtkämmerer wenigstens, ihm sämtliches Bargeld aus der Kasse auszuhändigen. Es sind 4000 Mark, für die der Hauptmann eine »ordnungsgemäße« Quittung ausstellt. Der Bürgermeister, seine Frau, der Stadtkämmerer und der Bürgermeisterstellvertreter werden von dem Kommando vor die Stadt gebracht und auf Befehl des Kommandierenden eine Stunde lang streng bewacht. Der Schuster Voigt fährt inzwischen, die 4000 Mark in der Tasche, seelenruhig mit einer gemieteten Droschke von dannen und ward nicht mehr gesehen.

Wilhelm Voigt

Wilhelm Voigt

Als die Zeitungen am 17. Oktober 1906 genüßlich über das geglückte Husarenstück des Flickschusters Wilhelm Voigt berichteten, hatte dieser nicht nur die Lacher, sondern auch die allgemeine Sympathie auf seiner Seite. Die Polizei fahndete viele Tage lang unter ehemaligen Soldaten nach dem ältlichen »Hauptmann« – vergeblich. Als dann ein Beamter der Paßabteilung des Berliner Polizeipräsidiums für die Benennung des Gesuchten als Belohnung einen Paß versprach, stellte sich Voigt – in Zivil.

Der Paß nützte ihm dann leider wenig, denn die Richter brummten ihm für den peinlichen Streich vier Jahre Gefängnis auf. Auf die Frage des Gerichts, wie einem »Ungedienten« diese Täuschung gelingen konnte, soll Voigt geantwortet haben: »So ne Uniform, die macht det meiste janz von alleene.«

So wenig Wilhelm Voigt zum Hauptmann geboren war, so ungeeignet zeigte er sich auch als Hochstapler oder gar Ganove. Ein Unglücksrabe, der durch eine Jugendsünde (eine eigentlich unbedeutende Posturkundenfälschung) zwischen die Mühlsteine der preußischen Justiz und Bürokratie geraten war und für sein restliches Leben kriminalisiert wurde. Wegen harmloser Melde- und Paßvergehen sowie Irreführung der Behörden mußte er insgesamt fast 16 Jahre hinter Gittern verbringen.

Nachdem dieser seltsame Vogel die Hälfte seiner Strafe abgesessen hatte, wurde er vom Kaiser begnadigt. Er ging dann nach Luxemburg, wo ihm eine reiche Witwe auf Lebenszeit eine kleine Rente aussetzte. Ihr hatte der tollkühne Streich gefallen, mit dem er die preußische Obrigkeit bis ins Mark getroffen hatte.

Von Ernö und Renate Zeltner

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