Berühmte Namensträger: Thomas

Der älteste der zahlreichen Heiligen namens Thomas ist als großer Skeptiker in die Kirchengeschichte eingegangen. Der Apostel Thomas wollte angeblich nicht glauben, was er nicht mit eigenen Augen sehen und mit Händen greifen konnte. Den Mitaposteln glaubte er die Erscheinung des Auferstandenen erst, nachdem er seinen Meister und Herrn tatsächlich gesehen und seine Wundmale berührt hatte. Die Überlieferung besagt, daß er in Indien den Märtyrertod gestorben ist. Sein Fest wird am 21. Dezember gefeiert.

Nicht nur heilige und gelehrte Männer, die den Namen Thomas trugen, sind in die Geschichte eingegangen. Unter den großen Erfindern der Neuzeit aber ist keiner bedeutender und universeller als Thomas Edison gewesen. Thomas Alva Edison (1847-1931) war das siebte Kind eines Gastwirts im Staate Ohio; er soll insgesamt nur drei Monate die Schule besucht haben. Seine Neigung zum Basteln wurde bereits in frühester Jugend offenbar, so richtete er sich schon als Bub ein brauchbares chemisches Laboratorium ein. Was sich ebenfalls im zarten Knabenalter erwies, war seine Geschäftstüchtigkeit und der sichere Instinkt für Gelegenheiten, bei denen es etwas zu verdienen gab. Mit 13 Jahren kam er auf die Idee, Zeitungen an Reisende auf Bahnsteigen zu verkaufen; einige Jahre später erstand er eine alte Druckerpresse und produzierte im Gepäckwagen der Bahn ein kleines Lokalblatt. Bei der Eisenbahn lernte er den damals noch keineswegs perfekten Telegrafen kennen und wurde bereits mit 16 Jahren Telegrafist – zu dieser Stellung kam er, weil er den kleinen Sohn eines Eisenbahntelegrafisten vor einem heranbrausenden Zug gerettet hatte. An dem damals gebräuchlichen Telegrafenapparat nahm er so viele wichtige Verbesserungen vor, daß er mit 23 anerkannter Erfinder und Großverdiener war. Mittlerweile hatte er eine Firma zur Herstellung elektrischer Apparate gegründet. Mit 29 erfand Edison das Kohlemikrofon und machte damit den Fernsprecher für die Praxis nutzbar; dem 31jährigen gelang die Konstruktion des Phonographen. Als er seine Sprechmaschine einem Gremium vorführte, erntete er von den gelehrten Professoren nur Spott, weil sie ihn verdächtigten, daß er seine »Bauchrednerkünste« zum besten gäbe.

Auch die Kohlenfadenlampe, eine gebrauchsfähige elektrische Glühlampe, war Edisons Erfindung. Ihm gelang ebenfalls die Koppelung zwischen Dampfmaschine und Dynamo; 1882 ging das von ihm gebaute Elektrizitätswerk in Betrieb. Unzählige weitere Erfindungen gehen auf ihn zurück (fast tausend Patente haben ihn in fünfzig Jahren steinreich gemacht), darunter der Kinematograph (die erste Filmkamera) und ein Kinovorführgerät. Der von ihm entwickelte Betonguß machte Zementbauten im großen Stil überhaupt erst möglich. Schließlich ist seinem Erfindergeist eine Einrichtung zu verdanken, deren Nutzwert für den einzelnen weniger evident war, der sich aber in der Hand der Justiz jahrzehntelang als sehr effizient und funktionstüchtig erwies: der elektrische Stuhl.

Thomas Edison

Thomas Edison

1883 hat übrigens Emil Rathenau die Edison-Patente für Deutschland erworben, und aus seiner Deutschen Edisongesellschaft ging dann 1887 die mächtige AEG hervor.

Über den alt gewordenen großen Mann wird folgende Anekdote kolportiert, die – auch wenn sie vielleicht nicht ganz den Tatsachen entspricht – doch lauter Wahrheiten enthält: Thomas A. Edison fuhr einmal im Luxusabteil der Eisenbahn, als er von den lauten Rufen der Zeitungsjungen aus seinem Schlummer gerissen wurde, gerade nachdem sein Zug in einen der großen Bahnhöfe von New York eingefahren war. »Please! >New York Times News The Star<, >Sportjournal<, please!« – hallte es über die Bahnsteige. Elektrisiert von den Rufen rappelte sich der alte Mann hoch, öffnete hastig das Abteilfenster, winkte einen der diensteifrigen schwarzen Jungen heran und ließ sich die >New York Times< reichen. Er gab dem fixen Bübchen ein Geldstück hinunter; als dieser in der Tasche nach dem Wechselgeld kramte, winkte Edison lächelnd ab. Der Zeitungsboy stürmte davon, im Nu waren weitere Bürschchen da, balgten sich vor dem Fenster und drängten sich zu dem spendablen Reisenden. Als der Pfiff der Lokomotive ertönte und der Zug sich wieder in Bewegung setzte, stapelten sich zahlreiche Zeitungen auf dem Sitz neben ihm: Kirchenblätter und Börsennachrichten, Hausfrauenzeitschriften und Monatshefte.

Die Dame, die ihm gegenübersaß, deutete lächelnd auf den Zeitungsberg, der Lesestoff für Wochen versprach, und bemerkte mit leiser Ironie: »Da werden Sie sich aber beeilen müssen, wenn Sie bis zu Ihrem Reiseziel damit fertig sein wollen. Oder konnten sie diesen aufdringlichen Schreihälsen nicht widerstehen?« »So ist es«, antwortete der alte Herr, »ich konnte wirklich nicht widerstehen. Es freut mich immer wieder, wenn ich die kleinen Zeitungsjungen rufen höre. Sie alle sind ja meine Kinder. Ich habe sie nämlich seinerzeit erfunden.« Die Dame zog die Mundwinkel hoch, wohl um ein wenig Mitleid zum Ausdruck zu bringen. »Der erste,« – fuhr der Mann fort – »der in diesem Land Zeitungen auf Bahnsteigen und in stehenden Zügen verkaufte, war ich. Aber das ist schon lange her.«

Am Zugfenster zogen kahle Hinterwände von Betonbauten in unendlicher Reihe vorüber und verstellten den Blick. Der merkwürdige Alte wies mit dem Finger zum Fenster und murmelte vor sich hin: »Die meisten dieser Kästen verdanken ihr Dasein mir« und machte dann eine Pause. »Nein, sie sind nicht schön. Ich hatte sie mir eigentlich anders vorgestellt.« Die Mitreisende nahm seine Worte schweigend zur Kenntnis. »Ja« – seufzte Edison einige Zeit später, während er die in regelmäßigen Abständen vorbeihuschenden Masten der Telegraphenleitungen zu zählen schien -, »an diesem endlosen Drahtgewirr, das uns hier die Aussicht verdirbt, bin ich auch nicht unschuldig.« Nun reichte es der Dame, und sie lachte süffisant: »Sie scheinen ja wirklich ein ganz großer Erfinder zu sein. Sagten Sie nicht vorhin, Sie hätten die Zeitungsjungen erfunden?« Die Antwort war nur ein stummes Lächeln. Als die Frau, die sich damit nicht zufriedengab, durchs Fenster auf die nun da und dort aufblinkenden Lichter deutend sagte, »dann haben Sie am Ende auch noch das Licht in den Häusern erfunden?«, antwortete er: »Ja, auch das.«

Dies muß der mitreisenden Dame zuviel gewesen sein, denn sie verzichtete auf jede weitere Konversation mit dem sonderbaren Fahrgast, schloß die Augen und stellte sich schlafend. Ob sie die letzte Bemerkung ihres Reisenachbarn noch vernommen hat, ist ungewiß. Er machte sie nur ganz leise: »Ja, das alles sind meine Erfindungen, und die Zeitungsjungen auf den Bahnhöfen sind mir von allen die liebsten.« Dann schlummerte Edison wieder ein.

Von Ernö und Renate Zeltner

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