Berühmte Namensträger: Lola

Lola Montez

Lola Montez (1847)

Heilige namens Lola sind in den Geburtsregistern sicher nicht verzeichnet. Denn eine Schöne und Berühmte hat im 19. Jahrhundert diesen fröhlichen Namen mit einem Hauch von Demimonde parfümiert. Lola Montez (1818-1861) brauchte vom Tag ihrer Ankunft in München am 10. Oktober 1846 nur wenig mehr als einen Monat, um in das Herz und Haus König Ludwigs I. von Bayern einzuziehen. Sie gab sich als Sproß einer verarmten spanischen Aristokratenfamilie aus, obwohl sie irischer Abstammung war. Wenn wir den Augenzeugen glauben wollen, muß sie mit ihren seidig schwarzen Haaren und blauen Augen, die wie Edelsteine funkelten, von atemberaubender Schönheit gewesen sein. Und auch an Geist und Witz soll es der jungen Komödiantin, die als Tänzerin ihr Publikum bezauberte, nicht gefehlt haben. Jedenfalls reihten sich in die Schar der Männer, die ihr bereitwillig verfallen wären, wenn sich die Chance geboten hätte, so große Namen wie Alexandre Dumas, Franz Liszt ein, und eine Reihe weiterer Künstler, Fürsten und Lords sind ihr zu Füßen gelegen. Selbst eine so trockene Figur wie der Dramatiker und Dichter Franz Grillparzer hat ihr Tribut gezollt, als sich alle Welt gegen sie entrüstete:

Drum kehrt euch nicht verachtend von dem Weib, in deren Arm ein König ward zum Mann. Sie gab dem besseren Gedanken Leib, verlor sich selbst, doch alle Welt gewann.

Und tatsächlich hat König Ludwig – damals bereits ein rüstiger Sechziger – verschämt gestanden:

Ich kann mich mit dem Vesuv vergleichen, der für erloschen galt, bis er plötzlich wieder ausbrach.

Auch die frommen Sprüche und Ermahnungen der preußischen Verwandtschaft, die in Gestalt von König Friedrich Wilhelm intervenierte, brachten den toll gewordenen Ludwig nicht auf den Pfad der Tugend zurück, was Heinrich Heine zu folgendem Vierzeiler inspirierte:

Stammverwandter Hohenzoller,
Sei dem Wittelsbach kein Groller.
Zürne nicht ob Lola Montez
Selber habend nie gekonnt es.

Doch die Münchner wollten sie nicht, die Mätresse, die so besitzergreifend auf der königlichen Schatulle lag, auf so provozierende Weise Hof hielt und aller Welt demonstrierte, wie einträglich ihre Tätigkeit bei Hofe war. Nachdem der König sie 1847 auch noch in den Adelsstand (Gräfin von Landsfeld) erhoben hatte, war das Maß voll. Da traf es sich gut, daß »Vormärz« war und überall in Europa und auch in Bayern der Geist der Revolution wehte. Er hat nicht nur Lola Montez, sondern auch den König hinweggeweht. Ludwig mußte 1848 abdanken und seinem Sohn Platz machen.
Ein Vorkommnis aber hatte die Schöne schon aus dem Herzen des Königs verbannt, bevor sich die Situation bis zum Äußersten zuspitzte.

Ihm war nämlich zugetragen worden, daß – bezeugt von der Haushälterin Frau Gasser, die auch als Polizeispitzel Dienst tat – der Student Desch zwanzigmal bei Lola gesichtet und bewirtet worden war – und zwar aus einem gläsernen Pokal. General von Heideck war beauftragt, die Montez mit den sorgfältig recherchierten, höchst verdächtigen Tatsachen zu konfrontieren. Der schockierte General hat darüber folgendes berichtet:

Sie schwor bei allem, was heilig, bei den Gebeinen ihres Vaters, daß alles Vorgebrachte ein Gewebe von Lüge und Verdrehung sei, schimpfte über die Schwäche des Königs, daß er solche Lüge glaube, und verfluchte ihr ganzes Verhältnis … dabei raste sie auf dem Kanapee … dann aufspringend im Zimmer herum, warf Schal und Hut weg, riß an ihrem Überrock so herum, daß sie die Brust fast entblößte, kurz, sie war das Bild einer Medea, ihre Augäpfel erweiterten sich, daß ihr sonst blaues Auge schwarz erschien, ihr Mund schäumte, sie war grauenvoll anzusehen.

Lola setzte sich in die Schweiz ab, reiste durch die Welt und führte die stürmische Liebesgeschichte von >Lola Montez in Bavaria< auf vielen Bühnen auf. Nach allerlei weiteren Verhältnissen wurde sie ruhig, schrieb Traktate über Gesundheit und Schönheit und widmete sich in ihren letzten Jahren als bekehrte Methodistin hingebungsvoll der Wohltätigkeit.

Nicht viel weniger Entrüstung als die »babylonische Hure« von Bayern im 19. Jahrhundert hat übrigens gut hundert Jahre später die Kindfrau Lolita geerntet, obgleich sie nur eine Romanfigur war, der der russische Schriftsteller Wladimir Nabokow so provozierend Leben eingehaucht hat.

Von Ernö und Renate Zeltner

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