Berühmte Namensträger: Ferdinand

Über die Heiligkeit eines Königs, der 26 Jahre seines Lebens im Kampf gegen die »Heiden«, die Mauren nämlich, gestanden hat, läßt sich gewiß streiten. Ferdinand von Kastilien (um 1200-1252) soll zwar, wenn man den Heiligenlegenden Glauben schenken will, stets das Bild der Muttergottes bei seinen Feldzügen mitgeführt haben und großmütig mit seinen Feinden umgegangen sein, doch er ließ – in der Manier der Sieger – ihre Moscheen in christliche Kirchen verwandeln. Daß er mit relativ kleinem Heer gegen eine große maurische Streitmacht siegreich war, galt aber schon zu seinen Lebzeiten als unvorstellbares Wunder, bei dem nur überirdische Hilfe die Hand im Spiel gehabt haben konnte. Der geheiligte König, dem zugeschrieben wird, daß er gerecht und mildtätig war und in Bescheidenheit regiert hat, gründete im Jahr 1239 die Universität Salamanca.

Ferdinand de Lesseps

Ferdinand de Lesseps

Andere Ferdinands haben es zwar nicht zur Heiligkeit, wohl aber zur Königs- und sogar Kaiserwürde gebracht. Doch hier soll vor allem von zwei Namensträgern die Rede sein, die den Verkehr oder besser das internationale Verkehrswesen auf spektakuläre Weise gefördert haben. Ferdinand Vicomte de Lesseps war von Haus aus Ingenieur und Diplomat, aber auch ein eloquenter Anwalt großer Ideen, begabter Organisator und ein erfolgreicher Geldbeschaffer. Er hat alle seine Vorhaben mit Kühnheit, oft mit Genialität, nicht selten auch mit einer Portion Leichtsinn betrieben, seine Talente hätten ihn in unseren Tagen zum Spitzenmanager prädestiniert. Sowohl Konversationslexika wie Schulbücher führen Ferdinand Lesseps (1805-1894) als den Erbauer des Suezkanals; der erfindungsreiche österreichische Verkehrsingenieur Negrelli, der eigentlich die technischen Pläne für dieses gigantische Bauwerk erarbeitet hat, geriet darüber in Vergessenheit. Lesseps, den verwandtschaftliche Beziehungen mit der Kaiserin Eugenie von Frankreich verbanden, der seinem Land in Madrid, Rom und Kairo als Diplomat gedient hat, der in Ministerien ebenso wie an Fürstenhöfen oder in den Salons von Paris aus und ein ging, reizte dieses wirtschaftlich wie politisch so immens wichtige Kanal-Projekt. Es gelang ihm, der in Paris gebildeten internationalen Prüfungskommission, die Negrellis Pläne gebilligt hatte, nach und nach die Initiative zu entziehen (der vorgesehene Projektleiter Negrelli war inzwischen verstorben). 1859 hatte Lesseps das Projekt gegen alle (vorwiegend britische) Widerstände durchgesetzt und die erforderlichen Geldmittel zusammen. Er gründete eine Aktiengesellschaft und besorgte sich die Konzessionsurkunde für 99 Jahre. Nun konnte die Arbeit beginnen. Stolz verkündete der unermüdliche Promotor der Welt: »Wir verbinden Kontinente, was hatte die Menschheit jemals Größeres vollbracht!« Als am 17. November 1869 zur Eröffnung die geschmückte Flotte der europäischen Fürstenhäuser den Kanal von Port Said nach Suez zum ersten Mal durchfuhr, stand Lesseps auf der Höhe seines Erfolges.

Das gigantische Bauwerk hatte übrigens vergleichbare Vorläufer. Unter Ramses II., also im 13. Jahrhundert vor Christus, soll der Nil bereits mit dem Roten Meer verbunden gewesen sein, und bezeugt ist ein Kanal von Kairo zum Roten Meer aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Doch mit nichts zu vergleichen war der neue Schiffahrtsweg, der die Schiffsroute von Europa nach Indien um 8000 Kilometer verkürzte; der Weg von London nach Singapur schrumpfte um dreißig Prozent, der von Neapel nach Äthiopien gar um achtzig Prozent.

Der 161 Kilometer lange Kanal hat 16,6 Millionen englische Pfund gekostet und war bei seiner Fertigstellung 22 Meter breit und 8 Meter tief – heute hat er eine durchschnittliche Breite von 120 Metern und eine Tiefe von über 16 Metern. Die ursprünglich vorwiegend in französischem und ägyptischem Besitz befindlichen Kanalaktien hat sich schließlich das British Empire gesichert. Die weltweite strategische Bedeutung des Kanals war ein Politikum und rief nach und nach alle Großmächte auf den Plan; so kam es 1888 zum Internationalen Suez-Abkommen, das die freie Schiffahrt garantierte. Dennoch gab es, wie wir wissen, immer wieder gefährliche Krisen und Kriege um die freie Durchfahrt.

Der Appetit des unternehmungslustigen Grandseigneurs Lesseps aber war mit diesem Großprojekt noch nicht gestillt, mit Feuereifer stürzte er sich gemeinsam mit seinem Sohn auf das Panama-Kanal-Projekt. Wegen technischer Probleme, skandalöser Geldverschwendung durch die Herren Lesseps und anderer Pannen endete diese Unternehmung in einer Riesenpleite. Lesseps samt Sohn wurde wegen Bestechung von Politikern, Bankiers und Journalisten sowie wegen Vergeudung fremden Geldes zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Aber nur Lesseps jun. saß einen Teil der Strafe ab und verbrachte ein Jahr im Gefängnis, der Senior residierte unbehelligt auf seinem luxuriösen Schloß, bis das Abenteuer seines bewegten Lebens zu Ende war.

Eine sensationelle technische Neuheit hatte die seit ihren Anfängen vom Fliegen träumende Menschheit einem weiteren Ferdinand zu verdanken. Er gab seiner Erfindung, dem lenkbaren Luftschiff »Zeppelin«, seinen Namen. Ferdinand Graf von Zeppelin, eigentlich Berufsoffizier (Generalleutnant) und Landtagsabgeordneter, war der »Vater« dieses gasgefüllten zigarrenförmigen starren Flugkörpers, der maschinengetrieben durch die Lüfte schwebte.

Zeppelin hatte wie Lesseps, gestützt auf die Vorarbeit eines Technikers, Weltbewegendes im Sinn und mußte gegen massive Widerstände seine Pläne durchsetzen (sogar gegen Kaiser Wilhelm II.), allerdings opferte er auch fast sein gesamtes Privatvermögen für seine Idee. Als sich am 2. Juli 1900 der erste Zeppelin (LZ 1) in die Lüfte erhob, da sah schon fast die ganze Welt zu. Insgesamt 129 Luftschiffe wurden in der Werft Friedrichshafen gebaut. Man setzte sie im Ersten Weltkrieg bei Luftangriffen gegen England ein, ab 1932 versahen sie Passagierdienste nach Südamerika, seit 1936 auch nach Nordamerika – bis dann am 7. Mai 1937 auf dem amerikanischen Flughafen Lakehurst die berühmte »Hindenburg« bei der Landung in Flammen aufging und dem Kapitel der Technikgeschichte, das »Zeppelin« hieß, ein Ende bereitete.

Autoren: Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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