Berühmte Namensträger: Hedwig

Hedwig Herzogin von Schlesien, die Tochter des Grafen Berthold IV. (mit dem Titel Herzog von Meramien, das heißt von Dalmatien und Kroatien), wurde auf dem Schloß des oberbayerischen Andechs um 1174 geboren und bei den Zisterzienserinnen in Kitzingen erzogen. Als Zwölfjährige hat man das fürstliche Fräulein mit Herzog Heinrich I., dem Bärtigen,von Schlesien verheiratet. Nach sechs Kindern schwor sich das Paar auf Hedwigs Wunsch Enthaltsamkeit – man sah sich nur noch an heiligen Stätten und redete ausschließlich im Beisein anderer miteinander. Auf Betreiben seiner Frau hat Heinrich das spärlich mit Polen besiedelte Schlesien germanisiert, Bauern, Mönche, Nonnen wurden ins Land gerufen, man gründete zahlreiche Klöster, unter anderem Kloster Trebnitz (nördlich von Breslau); hier zog die verwitwete Hedwig später selbst das Ordenskleid der Zisterzienserinnen an, und hier brachte sie ihre gesamte Mitgift ein. Sie starb dort 1243. Die mildtätige Landesmutter wurde die Schutzheilige Schlesiens, heute wird sie in Andechs von den heimatvertriebenen Schlesiern als Patronin hoch verehrt. Man feiert sie und alle Namensschwestern am 16. Oktober.

Nicht gerade verehrt, aber doch außerordentlich geschätzt wurde eine Hedwig der neueren Zeit, die ihre Mitmenschen nicht mit Almosen, sondern massenhaft mit Lesefutter versorgt hat.

Hedwig Courths-Mahler (1867-1950) war die Tochter einer verwitweten Krankenhausköchin; sie wurde zu fremden Leuten in Pflege gegeben, wo man sie vernachlässigte und schlecht behandelte; aufgezogen hat sie schließlich ein Flickschusterehepaar in Weißenfels. Bevor sie ihren Traumberuf fand, pflegte Hedwig Mahler eine alte Dame und arbeitete in einem Posamentengeschäft. Hier las sie heimlich unterm Ladentisch die Romane der Marlitt und der Heimburg (letztere nannte sich die Erbin der Marlitt). Die aufregende Lektüre reizte die phantasiebegabte junge Frau, sich selbst im Geschichtenschreiben zu versuchen. Und fast wie in einem Marlitt-Roman begann für Hedwig Mahler das große Glück, als sie zwar kein Märchenprinz auf sein Schloß, doch ein Maler namens Fritz Courths nach Chemnitz heimführte. Mit einem Fortsetzungsroman beim >Chemnitzer Tagblatt< fing dann die große Karriere der kleinen Verkäuferin an, die bis zu ihrem Lebensende dauerte – Hedwig Courths-Mahler hat nicht weniger als 205 Romane mit einer Gesamtauflage von mehr als dreißig Millionen Exemplaren verfaßt und an die Leser gebracht. So wurde sie zur meistgelesenen deutschen Autorin.
Das Lesefieber, das die stets nach dem gleichen Grundmuster gestrickten, seichten Romane auslösten, rief bald kritische »Fachleute« auf den Plan. Man verspottete und parodierte die »Kitsch-und Trivialromane«, machte die unermüdlich produzierende Hedwig lächerlich. Die Courths- Mahler ließ sich aber nicht vom einmal eingeschlagenen Weg abbringen, begegnete dem oft ätzenden Spott der Literaturkritiker mit Humor, sie genoß den Erfolg, schrieb und schrieb. »Ich bin die berüchtigte Courths- Mahler«, erklärte sie einmal einem zudringlichen Rundfunkreporter, »und ich habe das Happy-End erfunden!« Die Schar ihrer hauptsächlich weiblichen Konsumenten, denen sie ein tröstliches Kontrastprogramm zum meist tristen Alltag und stets ein Happy-End lieferte, wuchs ins Unvorstellbare. Als die älter werdende Autorin den Appetit ihrer Verleger nach erbaulichen Frauenromanen allein nicht mehr stillen konnte, schlossen sich auch ihre zwei Töchter dem Gewerbe an.

Wie immer man zu den vorgegaukelten Märchen vom Aufstieg der Benachteiligten zu Reichtum und Glück steht, die Courths-Mahler brachte immerhin Millionen Menschen zum Lesen in einer Zeit, als das Buch noch keineswegs ein Unterhaltungsrequisit war und überhaupt nicht zum Gemeingut der Menschen gehörte.

Daß die inzwischen prominent gewordene Autorin ihre Arbeit selbst richtig einzuschätzen wußte, davon zeugt die von Willy Haas, dem Herausgeber der >literarischen Welt<, erzählte Begebenheit:

Vielleicht meine liebenswerteste und bravste Mitarbeiterin war keine andere als Hedwig Courths-Mahler. Die Sache begann, als die alte Marlitt einen Gedenktag hatte, den 100. Geburtstag im Jahre 1925, kurz nach der Begründung der literarischen Welt<. Man beriet in der Redaktionskonferenz, wer über die unsterbliche Verfasserin des >Geheimnis der alten Mamsell< schreiben sollte. Ich sagte: >Es gibt überhaupt nur eine einzige Schriftstellerin in Deutschland, die über die Marlitt schreiben kann, und das ist Hedwig Courths-Mahler. < Allgemein wurde eingewendet, daß eine solche Einladung für die Schriftstellerin, die sich wahrscheinlich einbilde, ein Genie zu sein, eine Beleidigung wäre. Ich sagte: >Ich glaube nicht, daß sich Frau Courths-Mahler einbildet, ein Genie zu sein. Ich glaube, sie wird die Einladung gern annehmen, und ich werde selbst mit ihr sprechen.

Das geschah auch, und es war alles so, wie ich es vorausgesagt hatte. Hedwig Courths-Mahler nahm mit Freuden an und schrieb einen reizenden Aufsatz über die Marlitt, der genau das enthielt, was ich von ihr erhofft hatte: sie sagte nämlich, die Marlitt sei ihre große Lehrerin, und sie selbst, Courths-Mahler, fühle sich durchaus als Vertreterin derselben literarischen Gattung. Sie wisse wohl, daß das etwas ganz anderes sei als Thomas Mann oder Jakob Wassermann. Aber sie habe eben dieselbe Begabung wie die Marlitt, für das Volk zu schreiben. Das war alles so hübsch wie möglich gesagt, und ich war stolz darauf, den Aufsatz zu bringen mit dem Bild der Marlitt und auch mit dem Bild der Hedwig Courths-Mahler. Hedwig Courths-Mahler hat dann noch einige Male bei uns mitgearbeitet, immer mit dieser Mischung von Bescheidenheit und Selbstbewußtsein, die mir so gut an ihr gefiel.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita