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Berühmte Namensträger: Karl

Das Namensfest der auf den Namen Karl Getauften ist nach dem Kardinal und Erzbischof von Mailand, dem heiligen Karl Borromäus, der 4. November.

Im Laufe der Geschichte gab es unendlich viele Kaiser, Könige, Herzöge und Landesfürsten in ganz Europa, die diesen Namen trugen (Meyers Lexikon von 1927 behandelt nicht weniger als 84 von ihnen), etwa Karl Martell, Karl I., den Großen, den die Franzosen Charlemagne nennen, oder den deutschen Kaiser und König von Spanien Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging; so manchen regierenden Karl zierte auch noch ein Beiname, etwa Karl den Kahlen, den Dicken, den Kühnen, den Siegreichen, den Geliebten oder den Wahnsinnigen – um Verwechslungen sicher auszuschließen.

Angesichts dieser Flut von gekrönten Häuptern namens Karl fiel die Auswahl schwer. So soll hier von einem Karl ausführlich die Rede sein, den die meisten schon in ihrer Schulzeit den Kaisern und Königen vorgezogen haben: Karl May.

Karl May

Karl May, 1875

Der aus dem sächsischen Ernstthal stammende Karl (1842-1912) war das fünfte von 14 Kindern einer ärmlichen Weberfamilie. Der Junge muß sich schon früh fortgeträumt haben aus dem elterlichen Elend; später einmal erwähnt er die »Märchengroßmutter« und den Paten, einen Schmiedemeister, »der als Wanderbursche weit in der Welt herumgekommen war«, als Inspirationsquelle fürs Fabulieren. Der aufgeweckte Jüngling hätte Ambitionen zum Mediziner gehabt, aber es reichte, nachdem der Pfarrer eine finanzielle Unterstützung erwirken konnte, nur zum Lehrer. Beruflich schlug sich der junge May recht und schlecht durch kärgliche Verhältnisse, kämpfte mit allerlei körperlichen und seelischen Kümmernissen, unerfüllten Träumen; dabei geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, verfing sich in Betrugsaffären und Eigentumsdelikten, Hochstapeleien kamen hinzu. Schließlich landete er im Mai 1870 für vier Jahre im Zuchthaus. Den dunklen Fleck in seiner Biographie konnte er bis zum Lebensende nicht mehr wegretuschieren. Aber in dieser vergitterten Zeit vollzog sich offenbar eine wichtige Wende in Karl Mays Leben; schreibend rettete er sich in eine unwirkliche Phantasiewelt. Als er dann einen Groschenheft- und Kalenderverleger kennenlernte, begann er, »fürs tägliche Brot« Geschichten zu erfinden und aufzuschreiben.
Es waren umfangreiche Kolportage-»Romane« in Fortsetzungen, seichte Berichte von »großen Reisen« – zum Teil unter Pseudonym -, mit denen er auch Zeitschriften belieferte. Die Honorare waren kümmerlich. Doch eines Tages kreuzte sich sein verschlungener Weg mit dem eines angehenden Verlegers, der bei der »Umschau nach gangbaren Verlagswerken« auf Erzählungen von Karl May gestoßen war. »Ich begann zu lesen und kam nicht davon los. Familie, Geschäft, Essen und Trinken, alles vergaß ich! Diese Erzählungen aus ihrer Zerstückelung in den Zeitschriften herauszuholen, sie in Bücher zu fassen und so der deutschen Jugend und dem ganzen Volk zu schenken, das war ein Gedanke, der mich nicht wieder losließ«, hieß es in einem Brief des Verlegers an Karl May. Er nahm auch später Old Shatterhand wie die Orientreisen Mays für bare Münze. Die Geschäfte blühten, die Bücher hatten eine außergewöhnliche Breitenwirkung; Mays Indianer- und Reisegeschichten schienen genau dem jugendlichen Abenteuerbedürfnis und auch dem Verlangen der Erwachsenen nach einfachen sittlichen Werten zu entsprechen, nach denen seine Helden strebten. Der Autor kam zu Vermögen und Ansehen, und er fand Eingang in die gute Gesellschaft. Nicht weniger als siebzig Bände sollten die gesammelten Werke dieses meistgelesenen Jugend- und Reiseabenteuer- Schriftstellers dereinst ergeben.

Leider verführte der Ruhm den einstmals armen Schlucker zu Größenwahn und ungezügeltem Flunkern: »Ich habe jene Länder wirklich besucht und spreche die Sprachen der betreffenden Völker« – wird großspurig verkündet. »Aber auch ohne das zu wissen«, schreibt er einem gewissen Professor Jäger nach Stuttgart, »muß und wird jeder Fachmann aus meinen Werken ersehen, daß ich solche Studien unmöglich in der Studierstube gemacht haben kann. Die Gestalten, welche ich bringe (Halef Omar, Winnetou, Old Firehand …), haben gelebt oder leben noch und waren meine Freunde.« In manchen seiner Erzählungen verschmelzen bereits Old Shatterhand und Dr. (?) May zu einer Figur; aus erhaltenen Antworten auf Leserbriefe geht hervor, daß er Geburts- und Todesdaten des fiktiven Edel-Indianers Winnetou preisgab; ganz versessenen Verehrern spendete er gar Haare von dem blauschwarzen Schopf der großmütigen Rothaut – es waren Pferdehaare, und es kam heraus.

Nachweisbar hatte May bis 1892 noch nicht die Grenzen Europas überschritten (Reisen in den Orient und nach Amerika wurden allerdings später nachgeholt).
Auf dem Gipfel seines Ruhms – nun interessierte auch seine Person – meldete sich nach und nach die Vergangenheit, sowohl die längst verdrängte kriminelle wie auch die (schund-)literarische. Enthüllungen, Skandale und Beleidigungsprozesse, berechtigte Fachkritik und Mißgunst ließen den kränkelnden, in die Jahre gekommenen Fabulierer und Lügner nicht mehr zur Ruhe kommen. Bis zum bitteren Ende blieb er in eine Folge von nervenaufreibenden Prozessen verstrickt. Die späten, zum Teil fragmentarischen erzählerischen Arbeiten Mays sind die literarisch interessanteren, vom Lesepublikum geschätzt wird jedoch fast ausschließlich der Massenschriftsteller der frühen Werke, der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

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