Berühmte Namensträger: Elisabeth

Eine hochverehrte Heilige des Mittelalters war Elisabeth von Thüringen (geboren 1207), über die es ungezählte Legenden und Dichtungen gibt, die zum Motiv für Gemälde und Skulpturen geworden sind; Franz Liszt widmete ihrem Andenken sein berühmtes Oratorium »Legende von der heiligen Elisabeth«.

Bereits mit vier Jahren hat man die ungarische Königstochter (ihre Mutter war Gertrud von Andechs, Schwester der heiligen Hedwig) mit dem elfjährigen späteren Landgrafen von Thüringen, Ludwig IV., verlobt; bei ihrer Vermählung war Elisabeth noch keine 15 Jahre alt. Zur gemeinsamen Erziehung und Vorbereitung des jungen Brautpaares auf die Ehe brachte man die kleine Prinzessin auf die Wartburg.

Nach dem frühen Tod Ludwigs wurde die Landesherrin mit ihren Kindern von hier verbannt. Die auch ihrer Witwengüter beraubte, gerade erst zwanzigjährige Fürstin lebte zeitweise in großer Armut, aber stets in inbrünstiger Religiosität und Askese. Unter dem Einfluß des fanatischen Inquisitors Konrad von Marburg, ihres Beichtvaters, entsagte sie ihren Kindern, Verwandten und getreuen Mägden und lebte ganz in der Nachfolge Christi. In dem mit ihren Mitteln errichteten und unterhaltenen Franziskus-Armen- und Krankenhospital in Marburg verzehrte sie sich im Dienst an Kranken und Aussätzigen. Sie starb mit 24 Jahren. Ihr Namenstag ist der 19. November; besondere Hoffnung setzen Arme und Gebrechliche, Bettler und Bäcker in sie.

Sisi

Kaiserin Elisabeth von Österreich (1865)

Eine andere Elisabeth (1837-1898), genannt Sisi, war bereits im letzten Jahrhundert Zielscheibe einer allerdings noch respektvolleren Neugier von Medien und Hofkolumnisten. Ihre extravagante Lebensweise setzte sie bereits der zudringlichen Aufmerksamkeit vieler Zeitgenossen aus (was hätte die Regenbogenpresse unserer Tage wohl aus ihr und ihrem Lebenslauf gemacht?). So ist sie berühmter geworden als viele andere Namensschwestern, die ebenfalls im Licht der Öffentlichkeit standen, wenn auch nicht an so exponiertem Platz wie die Kaiserin von Österreich.

Elisabeth entstammte einer wittelsbachischen Nebenlinie mit dem Titel »Herzöge in Bayern«. Sie war auf Gut Possenhofen am Starnberger See aufgewachsen, wurde frei und sportlich erzogen; auf die Rolle der Kaiserin an Franz-Josephs Seite war sie nicht vorbereitet. Die ehrgeizige Kaiserinmutter Sophie und ihre Schwester hatten dem jungen Kaiser Sisis ältere Schwester Helene (Nene) als Gemahlin zugedacht. Der aber verliebte sich schon bei der ersten Begegnung in die noch nicht 16jährige, bildschöne Elisabeth, die er bald darauf heiratete.

Nun war es an der Herzogin Sophie, die noch ungezähmte Nichte zu einer perfekten Kaiserin zu erziehen. »Lauf nicht wie eine Wilde durch die Zimmer! Eine Kaiserin hat langsam und würdevoll zu gehen.« »Nimm Haltung an, wenn du die Leute empfängst, und lümmel dich nicht in den Sessel wie ein Schulmädchen!« »Lach nicht so laut! Eine Kaiserin hat stets leise zu sprechen und zu lachen!« – hieß es immerfort. Tante Sophie machte Sisi das Leben zur Hölle, und die Hofburg wurde bald nach der Märchenhochzeit in Wien (1854) zu einer schier unerträglichen Erziehungsanstalt für sie.

Über das melodramatische Leben der Sisi, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn, ist man aus Romanen, Filmen und einem Musical hinlänglich informiert. Weniger bekannt dürfte ein harmloses, aber immerhin intimes Abenteuer in Sisis Lebenslauf sein. Die Episode erfahren wir aus dem höchstpersönlichen Tagebuch einer Elisabeth ergebenen Hofdame (Gräfin Marie Festetics). Die Begebenheit verrät etwas über die Zustände am Wiener Hof und manches über die seelische Verfassung der zu dieser Zeit noch jungen Kaiserin:

Es ist Faschingsdienstag – Kaiser Franz-Joseph weilt gerade in St. Petersburg – und im neu eröffneten großen Musikvereinssaal findet die berühmte Maskenredoute statt. Elisabeth, sie ist jetzt 37, doch bereits zwanzig Jahre verheiratet, hat den Einfall, hinzugehen. Nur ihre Vorleserin Ida von Ferenczy, die Hoffriseurin und die Kammerfrau sind eingeweiht. In einem viel zu prächtigen Domino aus Goldbrokat und unter einer rotblonden Perücke langweilt sich die Kaiserin inkognito in ihrer Loge – bis die getreue Ferenczy im Parkett einen Kavalier für sie einfängt. Er ist ein sehr gut aussehender junger Ministerialbeamter und gern bereit zu einem Flirt. Auch Elisabeth amüsiert sich für den Rest des Abends am Arm ihres Galans, der natürlich vergeblich zu erfahren versucht, wer sich hinter dem aufreizenden Domino verbirgt. Als die Kaiserin sich nach Mitternacht zum Aufbruch entschließt, läßt sie sich die Adresse des Kavaliers geben und verspricht zu schreiben. Aus Angst, sie könnte verfolgt werden, muß der Fiaker große Umwege fahren, bevor er sie an der Hofburg absetzt. Es kommt tatsächlich zu einem längeren Briefwechsel – seitens der Kaiserin anonym, mit verstellter Schrift und in romantisierendem Stil. Sie läßt sich seine Post an das General Post Office London schicken. Als der Briefpartner, Friedrich Pacher von Theinburg, einmal gekränkt und zugleich triumphierend durchblicken läßt, er wisse und habe immer gewußt, daß sie gar keine Gabriele, sondern keine andere als Elisabeth sei, ist die Korrespondenz zu Ende.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita