Berühmte Namensträger: Gerhard

Unter den vielen Heiligen dieses Namens ist der heilige Gerhard (ungarisch Szent Gellért), der in Ungarn wirkte, der bedeutendste. Als Sproß der Patrizierfamilie Sagredo um 980 in Venedig geboren, gaben ihn die Eltern in die Klosterschule der Benediktiner auf der Isola di San Giorgio; er wurde Mönch, mit 25 zum Priester geweiht und schon als junger Mann zum Abt gewählt. Doch bald trat er von seinem Amt zurück und machte sich auf ins Heilige Land. Dabei kam er mit einer Pilgergruppe durch das noch weitgehend heidnische Ungarn, wo ihn Stefan, der erste gekrönte ungarische König, einlud, an der Bekehrung seines Volkes mitzuwirken. Er bestellte ihn zum Bischof für das noch zu errichtende Bistum Marosvär (das spätere Csanäd) und vertraute ihm die Erziehung seines einzigen Sohnes Imre an. Stefan beauftragte ihn auch mit diplomatischen Missionen. Als Prinz Imre 16 war, zog der Gottesmann sich als Einsiedler zurück und führte ein beschauliches, auch literarisch ergiebiges Leben, bis er 1030 das Amt als Bischof von Csanäd antreten konnte. Gerhard wurde zusammen mit König Stefan und dessen früh verstorbenem Sohn Imre 1083 heiliggesprochen. In den dynastischen Wirren nach Stefans Tod starb der Bischof 1046 (am 24. September – Namenstag für alle, die Gerhard heißen) an der Donaufährstelle unweit des nach ihm benannten Geliertberges in Budapest den Märtyrertod. Die Chronik vermerkt, daß die aufgewiegelte Menge Bischof Geliert auf einem Karren vom Blocksberg in die Tiefe stieß.

Gerhart Hauptmann

Gerhart Hauptmann (1914)

Nicht heiliggesprochen, aber durch den Nobelpreis (1912) geadelt wurde ein Großer der Literatur, der Schlesier Gerhart Hauptmann. Der Dichter, der seinen literarischen Ruhm weidlich genoß, hat mit seiner urwüchsigen dramatischen Begabung bereits im 19. Jahrhundert und auch nach der Jahrhundertwende die deutschen Bühnen beherrscht: Es waren Aufsehen erregende Dramen mit sozialem Engagement (>Vor Sonnenaufgangs >Die Weber<, >Fuhrmann Henschel< und andere), naturalistische Komödien und Tragikomödien (>Der Biberpelz<, >Kollege Crampton<, >Die Ratten<). In den letzten Jahrzehnten seines langen Lebens umfaßte sein Schaffen, weit über die naturalistische Enge hinaus, auch romantische, klassische, mystische Bereiche.

Mit Werkaufzählungen fortzufahren – Hauptmann schrieb allein 42 Dramen – oder gar literarische Bewertungen vorzunehmen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, sie sind in Literaturgeschichten nachzulesen. Und es ist außer der großen Zahl der spielbaren Stücke noch etwas, was ihm Bühne und Publikum zu danken haben: Seit Hauptmann sprechen die Schauspieler auf der Bühne wie Menschen und nicht mehr wie Halbgötter.

Kritisch gesehen wurde von manchem Zeitgenossen eine weniger erfreuliche Seite seiner Natur: das übersteigerte Erfolgsstreben Hauptmanns.

Seelen fangen, sich nur immer von neuen Seiten entwickeln – dieses im höheren Sinne jesuitische Streben treibt ihn als Ruhelosen durch die Welt. Überall Anregungen, überall Anhänger fischend, möchte er die Rolle eines neuen Goethe, eines Weltliteraturpapstes spielen … Bei jedem Schritte lugt er dabei nach neuen Stoffen, die noch keiner aufgegriffen, keiner geschildert hat. Er möchte sich als einen vom Himmel gefallenen Meteordichter hinstellen, ein Wesen, wie es die Erde bisher noch nie erzeugt hat. Er will eine Offenbarung sein.

So wurde in der Wiener »Neuen Revue« schon 1894 das ausgeprägte Geltungsbedürfnis des Dichters kritisiert. Trotzdem war er während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts unangefochten das Haupt des literarischen Deutschland. Leider suchte er selbst in den dreißiger Jahren und unter der Terrorherrschaft der Nazis die Nähe zur Macht und zu den Herrschenden; das hat man Hauptmann zum Vorwurf gemacht.

Während Werke von Schriftstellerkollegen und mancher seiner Freunde verboten oder auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, sie selbst aus politischen oder rassischen Gründen fliehen mußten oder anstandshalber außer Lande gingen, ist Hauptmann geblieben und behielt seine »fürstliche Hofhaltung« bei. Einer der durch Hauptmanns Verhalten Enttäuschten, der zutiefst verletzte Kritiker Alfred Kerr, soll hier noch zu Wort kommen; er schrieb aus der Emigration einen bitteren Nachruf auf den noch Lebenden:

Der diese Zeilen schreibt, war Hauptmanns Freund – ein Leben hindurch … Wir sind den ganzen Weg des Daseins zusammen gegangen bis heute. Nein: bis gestern. Ich war der Wächter seines Werts in Deutschland. Ich schritt und ritt mit ihm durch Dick und Dünn … Ich gab ihm Zuversicht, wenn er sich raffte. Sein Wiederaufstieg im Alter war mir ein Glück. Und ich liebte, jenseits von allem Dramengeschrei, den Menschen, den Freund in der Stille, den Unverwechselbaren, den Seltenen, den Umleuchteten. Es gibt seit gestern keine Gemeinschaft zwischen mir und ihm, nicht im Leben und nicht im Tod. Ich kenne diesen Feigling nicht. Dornen sollen wachsen, wo er noch hinwankt. Und das Bewußtsein der Schande soll ihn würgen in jedem Augenblick. Hauptmann, Gerhart, ist ehrlos geworden … Hauptmann schmeichelt dem Raubgesindel. Dieser Mensch, der sein Leben lang einen Dichter des Altruismus dargestellt hat, dienert vor dessen Todfeinden. Er fand … nicht nur kein Wort des Einspruchs gegen die dreckigste der Barbareien. Er will seine Wirtschaftsexistenz nicht aufs Spiel setzen. Doch er duckt nicht nur: er wedelt …
Hier starb jemand vor seinem Tode; verachtet selbst von denen, die von allen verachtet sind. Das ist der Schluß.
Sein Andenken soll verscharrt sein unter Disteln; sein Bild begraben im Staub.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita