Berühmte Namensträger: Henriette

Von Heiligen dieses Namens ist nichts zu berichten; wer Henriette heißt und trotzdem Namenstag feiern möchte, sollte sich an einen der heiligen Heinriche halten.

Henriette Davidis

Henriette Davidis

So sicher wie das Amen in der Kirche fängt jedes Rezept der Henriette Davidis mit »Man nehme« an. Die westfälische Pfarrerstochter, die beim Verleger Langewiesche in Diensten stand, konnte nicht nur wirtschaften und kochen, sie brachte auch unzählige Kochrezepte zu Papier. Da ihr Dienstherr sie aber nicht der Veröffentlichung wert fand, ging sie zur Konkurrenz und landete mit ihrem Kochbuch einen Haupttreffer. Jahrzehntelang gehörte es konkurrenzlos zur Aussteuer deutscher Jung- und Hausfrauen.

Die patente Henriette dachte aber nicht nur über Ragout fin und Königsberger Klopse nach, sondern machte sich auch Gedanken über Verhaltensweisen, die ein ehrbares Mädchen an den Tag zu legen hatte, um den »Herrschaften« wahrhaft dienstbar zu sein: In einem Beitrag über »Treues Dienen« schrieb sie:

Gute, rechtschaffene Dienstmädchen sind eine zuverlässige Stütze der Hausfrau; sie erweisen sich treu, lassen sich weder durch Furcht vor ihren Mitgenossen, noch durch Geschenke zu irgendeiner Untreue verleiten; auch vermeiden sie den Umgang mit solchen Leuten, die von der Herrschaft übel reden. Sie halten es für unrecht, der Herrschaft auch nur das geringste von ihrem Hab und Gut zu entwenden. Sie machen ihrer Herrschaft das Regiment nicht durch Ungehorsam schwer, sondern üben ihr Gebot ebenso getreu hinter ihrem Rücken als vor ihren Augen. Sie geben sich Mühe und suchen eine Ehre darin, alle ihre Pflichten und Arbeiten zur Zufriedenheit der Herrschaft pünktlich auszuführen, sich immer mehr nützlich zu erweisen und den Wohlstand ihrer Herrschaft fördern zu helfen. Darum verschlafen sie die frühen Morgenstunden nicht, stehen vielmehr ungeweckt zeitig auf … Der verächtlichen Gewohnheit des Naschens geben sie sich nicht hin, sind nicht neugierig, horchen nicht an den Thüren, was meist nur Dienstboten thun, welche ein böses Gewissen haben … Sie sind bescheiden, ehrerbietig und freundlich und setzen in die Herrschaft ein festes Vertrauen … Auch trotzen sie nicht, selbst dann nicht, wenn sie glauben, daß ihnen unrecht geschehen sei. Die Dienstboten sollten bedenken, daß es oft leichter ist, zu gehorchen, als zu regieren, und daß eine Herrschaft vieles, vieles zu überdenken hat, womit manche Sorge verbunden ist, welche sie gar nicht kennen. Wenn sie ihre Pflichten redlich erfüllt haben, können sie sich sorglos zu Tische setzen und sich sorglos zur Ruhe legen. Die Herrschaft aber muß neben der Leitung des Ganzen zugleich darauf bedacht sein, die Mahlzeiten zu beschaffen und den Lohn zu entrichten, und hat es oft weniger gut als die Dienstboten.

Gute Dienstboten gehen auch gern zur Kirche, aber sie sorgen auch dafür, daß die Herrschaft nicht dadurch in Verlegenheit gerate, stehen vielmehr früh genug auf, um vorher die ihnen obliegende Morgenarbeit zu verrichten. Sie gewöhnen sich an Reinlichkeit und Ordnung, sind zufrieden mit ihrer Lage und blicken nicht neidisch auf solche, die ein besseres Los empfangen haben; sie wissen, es ist Gottes Werk, daß Reiche und Arme untereinander wohnen.

Klar, daß die »Herrschaften« von so viel dienstbarem Geist höchst angetan waren und Kaiserin Auguste einen »namhaften Betrag« für den Grabstein der Davidis spendete. Offenbar hat das Verlagshonorar trotz Millionenauflage für eine würdige letzte Ruhestätte der Erfolgsautorin nicht gereicht.

Heftig widersprochen hätte den unterwürfigen Ratschlägen der Henriette Davidis gewiß ihre amerikanische Namensschwester Harriet Beecher-Stowe (1812-1896) – wenn sich die zwei Frauen je begegnet wären. Die Lehrerin aus Cincinnati hat nicht nur ihren klassischen Roman gegen die Sklaverei (>Onkel Toms Hütte<) verfaßt, sondern auch Essays über das Unrecht der Sklavenhalter-Gesellschaft in den Südstaaten. Außerdem war sie eine energische Kämpferin für die Rechte der Frauen.

Eine andere Henriette fand den Sinn ihres Lebens ebenfalls im Dienen; sie hat damit aber zugleich der Kunst einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Zur Pflege des Haushalts und von Rembrandts mutterlosem Söhnchen Titus kam Hendrijke Stoffels in das prachtvolle Herrenhaus des Malers. Doch sie nahm sich auch der Vermögensverwaltung des geliebten Meisters an, der sie schon bald zu seiner Lebensgefährtin machte; den Konkurs wie den Verlust des schönen Heims konnte sie allerdings nicht mehr abwenden. Doch dann schloß sie mit Rembrandt einen von ihr mit drei Kreuzchen unterzeichneten Vertrag, der sie zur Kunsthändlerin und ihn formell zu ihrem Angestellten und Bildlieferanten machte. Unbehelligt von Kunden, Käufern und Gläubigern konnte Rembrandt nun malen, die Geschäfte wickelte Hendrijke, das ehemalige Bauernmädchen, später zusammen mit Pflegesohn Titus, ab; und dabei war ihr vor allem der praktische Hausverstand von Nutzen. Rembrandt hat Hendrijke nie geheiratet, doch als seine »Housfrouwe« ist sie in die Kunstgeschichte ebenso eingegangen wie als sein Modell.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita