Berühmte Namensträger: Boris

Bedeutende Träger des Namens waren der bulgarische Fürst Boris I., unter dessen Herrschaft Bulgarien im 9. Jahrhundert christianisiert wurde, und der Kiewer Fürst Boris, Sohn Wladimirs des Heiligen (von seinem Halbbruder Swjatopolk 1015 ermordet); er gilt zusammen mit seinem Bruder Gleb als erster Heiliger der russischen Kirche.

Prominente Namensträger unserer Zeit sind Boris Becker und Boris Jelzin, beide werden ihrem Namen gerecht, und auf keinen anderen paßt die von Plautus geprägte lateinische Redensart »nomen est omen« besser.

Boris Becker begeisterte länger als ein Jahrzehnt seine Fans durch Kampfgeist auf dem Tenniscourt; ihm wie dem anderen zeitgenössischen Namensvetter stieg sein werbewirksamer Ruhm gelegentlich zu Kopfe, doch er hat sein sportliches Können erfolgreich zu Markte getragen. Der russische Boris mit Zar-Allüren aber trachtete im Rausch der Macht weniger nach Geld und Gut (an dem es ihm wohl ohnehin nicht mangelt) als nach einem Platz auf der Stargalerie der Dynasten. Wie sein großer Männerfreund aus Deutschland wollte er von Zeit zu Zeit den Mantel der Geschichte geräuschvoll um sich schlagen.

Boris Godunow

Boris Godunow

Um historischen Ruhm brauchte ein anderer Boris nicht zu kämpfen. Ihm hat Mussorgskijs Oper >Boris Godunow< ein Denkmal gesetzt. Der aus einem tatarischen Geschlecht stammende Boris (1552-1605) war unter Iwan dem Schrecklichen zu einem der wichtigsten Bojaren aufgestiegen und regierte nach Iwans Tod als Vormund des minderjährigen und schwachen Fjodor I. Rußland mit eiserner Hand. Durch Verheiratung mit seiner Schwester machte Boris den jungen Zaren zugleich zu seinem Schwager; und nach dessen Tod (1598) wurde er anstelle Dimitrijs, den er beseitigen ließ, selbst zum Herrscher ausgerufen. Durch Hunger, Pest und Not kam es zu Aufständen, und falsche Dimitrijs traten mit Herrscheransprüchen auf. Ein solcher wurde Boris Godunows Sohn, Fjodor II., der 1605 auf seinen Vater folgte, schließlich zum Verhängnis.

Es wird erzählt: Als der russische Großfürst und spätere Zar Boris Godunow wieder einmal arg vom Gichtschmerz gequält wurde und der Leibarzt keinen Rat wußte, da ließ er ausrufen, ob niemand ihn von dieser Pein befreien könnte. Wenn sich ein Helfer fände, so solle ihm die Kur mit großer Gnade und Reichtum belohnt werden. Als die Frau eines selbstgefälligen Bojaren diese Kunde vernommen hatte, glaubte die stets sehr streng gehaltene Weibsperson, dies sei eine gute Gelegenheit, ihrem Mann eins auszuwischen. Sie ging zum Hof und gab an, ihr Ehemann wüßte schon ein gutes Mittel, um dem Großfürsten Erleichterung zu verschaffen, doch ziere er sich noch, es preiszugeben. Der Bojar wurde zitiert und befragt. Als er sich unwissend zeigte und dumm anstellte, bezog er jämmerliche Prügel und wurde in den Kerker gesteckt, damit er sich besinne. Bei der nächsten Vorführung behauptete er, daß ihm sein Weib dies alles aus Bosheit angerichtet hätte, und er wurde noch ärger geschlagen und schließlich wegen seiner Verstocktheit sogar mit der Todesstrafe bedroht. Der bedrängte Bojar erbat sich in seiner Not acht Tage Frist, um die nötigen Kräuter für die Kur zu besorgen. Sie wurde ihm gewährt. Er schickte einen Diener nach Kirbock, zwei Tagesreisen von der Stadt Moskau am Fluß Oka gelegen, wo allerlei nützliche Kräuter und Gräser wachsen sollten. Er ließ ein ganzes Fuder von Gewächsen herbeikarren, um für den Großfürsten daraus Bäder zu bereiten. Zum Glück vergingen – wer weiß, warum – die Schmerzen des Fürsten, kaum daß er mit der Kur begonnen hatte. Darauf bekam der Bojar noch einmal Prügel, weil er das Mittel gekannt, den Großfürsten aber länger als nötig hatte leiden lassen.

Zum guten Ende aber wurde der Bojar begnadigt und mit 400 Reichstalern und 18 Bauernhöfen als erbliches Eigentum beschenkt. Boris Godunow entließ ihn mit der Auflage, daß er sein Weib nie mehr schlagen und mißhandeln dürfe.

Boris Godunow trug sich natürlich mit wichtigeren Entscheidungen ins Geschichtsbuch Rußlands ein. Er löste die russische Kirche von Konstantinopel und gründete das Patriarchat Moskau; zudem tat er viel, um die Grenzen Rußlands zu sichern, und eroberte große Teile Sibiriens. Zur Ankurbelung des Handels holte er ausländische Kaufleute ins Land. Mit seinem Namen ist allerdings auch die Leibeigenschaft in Rußland verbunden, denn um den Hochadel für sich zu gewinnen, nahm er den Bauern das freie Abzugsrecht.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita