Berühmte Namensträger: Benedikt

»Ora et labora« – dem heiligen Benedikt von Nursia verdanken die Lateinschüler aller Zeiten diesen Satz, an dem ihnen die Befehlsform zweier Verben so prägnant verdeutlicht wird. Doch als Merkverslein hat sich der Verfasser diesen Wahlspruch natürlich nicht ausgedacht sondern vielmehr Generationen von klösterlichen Mitbrüdern und -schwestern ins Stammbuch bzw. in seine klösterlichen Regeln geschrieben. Die zum Teil himmelschreienden Zustände, die er in diversen Abteien seines Landes vorgefunden hat, ließen ihm die strikte Befehlsform von »Betet und arbeitet!« offenbar durchaus angebracht erscheinen. Der junge Mann aus dem römischen Landadel war aus Ekel vor dem weltlichen Treiben der Geistlichkeit zum Einsiedler geworden. Später erkor man den Gottgefälligen zur Leitung eines Klosters aus. Dabei machte er die übelsten Erfahrungen mit seinen Brüdern im Herrn. Denen war weder nach Beten noch nach Arbeiten zumute und schon gar nicht nach Keuschheit und Armut. Dem lästigen Abt Benedikt mit seinen rigorosen Tugend Vorstellungen trachteten sie gar nach dem Leben. Aus dieser Erfahrung heraus und nach vielen Umwegen wurde Benedikt zum großen Reformer des Mönchtums. Sein strenges Regelwerk war bald für alle Klöster verbindlich, nicht nur für die Benediktiner. Die von ihm gegründete Abtei auf dem Monte Cassino wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Allein das Grab des Heiligen blieb unversehrt. Aus Anlaß der Weihe des wiederaufgebauten Klosters (1964) wurde Benedikt zum Patron Europas ernannt – und Europa hat einen Schutzheiligen dieses Kalibers sicherlich nötig.

Benedictus de Spinoza

Benedictus de Spinoza

Ein Heiliger ist er nicht gewesen, doch hat er, wie sein Namenspatron, zurückgezogen, ganz ohne Bedürfnisse und völlig uneigennützig gelebt. Von weltlichen Genüssen und Auszeichnungen wollte er ebenfalls nichts wissen. Eigentlich hieß er Baruch, der jüdische Junge, der im Holland des 17. Jahrhunderts aufwuchs. Doch als Bento d’Espinosa oder Benedictus de Spinoza (1634-1677) ist er in die Geschichte der Philosophie eingegangen. Spinozas Familie war aus Spanien oder Portugal nach Holland eingewandert, um den Fängen der Inquisition zu entkommen, die in Europa ihr abscheuliches Unwesen trieb. Der Junge erhielt eine gediegene jüdisch-orthodoxe Bildung. Als ihm religiöse Zweifel kamen und er diese auch äußerte, wollte man ihn zunächst mit einer Geldzuwendung (1000 Florin jährlich) bei der Stange halten. Der Abtrünnige aber machte seine Entscheidung nicht rückgängig, weshalb ihn die fanatischen Glaubensbrüder sogar zu ermorden versuchten. Spinoza wurde verflucht, doch der Fluch traf ihn nicht. Er lebte weiter in Amsterdam und schliff optische Gläser. Das brachte dem bescheidenen Gelehrten genug zum Leben ein. Ausgehend von Descartes hat er ein absolut rationalistisches Denksystem, den Monismus, begründet. Hier ist nicht der Platz, seine Lehren im einzelnen darzulegen; jedenfalls fand er – als Atheist und später als Pantheist verschrien – bei seinen Zeitgenossen wenig Beifall. Erst das späte 18. Jahrhundert konnte seiner Philosophie etwas abgewinnen. Lessing und Goethe, Schelling und Schleiermacher waren vom Spinozismus beeinflußt.

Für eine ganz neue Aktualität des Namens hat das jüngste Konklave der katholischen Kirche gesorgt, indem es den deutschen Kardinal Josef Ratzinger zum 265. Papst bestimmte, der als Benedikt XVI. und Vertreter einer strikt konservativen Richtung wohl in die Kirchengeschichte eingehen wird. Am 19. April 2005 ins hohe Amt gewählt, wird der frühere Präfekt der Glaubenskongregation (einstmals Inquisition genannt) den in ihn gesetzten Erwartungen insofern entsprechen, als er ebenso unerbittlich wie sein Vorgänger Johannes Paul II. die »Ehe ohne Trauschein, Ehe auf Probe oder Pseudo-Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts« verurteilt. Eine Aufweichung des Zölibats lehnt er ebenso ab wie die Priesterweihe für Frauen, künstliche Formen der Empfängnisverhütung oder die Teilnahme geschiedener und wieder verheirateter Katholiken an der Kommunion.

Von Ernö und Renate Zeltner

Berühmte Namensträger von A bis Z

Adam * Adelheid * Adolf * Agathe * Agnes * Albert * Alexander * Alfred * Andreas * Angelika * Anna * Anton * Armin * Arnold * Artur * Attila * August * Barbara * Benedikt * Benjamin * Bernhard * Bertha * Bettina * Boris * Brigitte * Bruno * Caecilia * Carmen * Christian * Christoph * Clara * Claudia * Cornelia * Daniel * David * Diana * Dietrich * Dorothea * Eberhard * Edith * Egon * Eleonora * Elfriede * Elisabeth * Elmar * Emma * Erik * Erwin * Eugen * Eva * Felix * Ferdinand * Flora * Florian * Frank * Franz * Friedrich * Gabriel * Georg * Gerhard * Gertrud * Gottfried * Gudrun * Günter * Gustav * Hannes * Hedwig * Heinrich * Helena * Helmut * Henriette * Herbert * Hildegard * Hubert * Hugo * Ignaz * Irene * Isabel * Jakob * Joachim * Johannes * Josef * Judith * Julia * Karl * Kaspar * Katharina * Klemens * Konrad * Konstanze * Kurt * Laura * Leonhard * Lieselotte * Lina * Lola * Ludwig * Luise * Lukas * Manfred * Manuel * Margarete * Maria * Marianne * Markus * Marlene * Martin * Matthias * Maximilian * Melanie * Michael * Moritz * Natalie * Nikolaus * Olaf * Oliver * Oskar * Otto * Paul * Peter * Rahel * Rainer * Rebekka * Regina * Reinhold * Renate * Richard * Robert * Roland * Rosa * Rudolf * Ruth * Sabine * Sarah * Sebastian * Siegfried * Siegmund * Sigrid * Simone * Sophie * Stefan * Susanna * Theodor * Therese * Thomas * Tobias * Ulrich * Ursula * Ute * Veronika * Victoria * Volker * Walter * Werner * Wilhelm * Wolfgang * Yvonne * Zita