Berühmte Namensträger: Andreas und André

Von Ernö und Renate Zeltner


  • Bedeutung, Herkunft und Häufigkeitsstatistik der Namen Andreas und André

Namenspatron und zugleich der Schutzheilige von Griechenland, Russland und Schottland ist der heilige Andreas, ein Apostel Jesu, über den berichtet wird, dass er vor allem in Thrakien und Griechenland missioniert hat und schließlich in Patras den Märtyrertod starb. Er wurde auf das schräge Kreuz gebunden, das nach ihm Andreaskreuz genannt wird, und ist nach Meinung vieler Gläubiger der richtige Adressat, wenn es um Heiratsvermittlung und Kindersegen geht. Auch hält er seine Hand über Metzger, Fischer und Seiler. Sein Namensfest ist der 30. November.

Andreas Hofer
Andreas Hofer

Ein anderer Andreas, den die Tiroler Volksseele zum Märtyrer erklärt hat, ist ebenfalls nicht im Bett gestorben. Andreas Hofer (1767-1810), Sandwirt zu St. Leonhard im Passeiertal, war eigentlich nicht zum Revolutionär geboren. Der bodenständig-selbstbewusste Bauer und Gastwirt, der auch als Wein- und Pferdehändler sein Geld verdiente, wurde Abgeordneter zum Landtag in Innsbruck und während der Napoleonischen Kriege Führer einer Landsturmkompanie. Doch sein politischer und militärischer Aufstieg war offenbar unaufhaltsam. Schließlich kommandierte er die gesamte Tiroler Landesverteidigung und hatte als eine Art »Statthalter« des Kaisers auch zivile Vollmachten. Sein Ruf als Sieger vom Berg Isel, der die Truppen der verbündeten Bayern und Franzosen dreimal geschlagen und Innsbruck befreit hatte, ließ ihn zum Volkshelden werden. Hofer unterwarf sich dem Diktat des Wiener Friedens von 1809, der Tirol den Bayern preisgab. Doch eine falsche Nachricht, die möglicherweise von seinen Gegnern lanciert war, ließ ihn erneut zu den Waffen greifen. Er wurde verraten und in Mantua hingerichtet.

Nationalistische Kreise, Extremisten, ja Terroristen agitierten und agierten in seinem Namen, wenn es um die Südtirolfrage ging. Künstler und auch Erzeuger von Kitsch und Devotionalien in Wort und Bild haben sich seines Andenkens voll Emphase angenommen. Die Vorkämpfer und Dichter der Freiheitsbewegung und der deutschen Romantik besangen ihn überschwänglich, unter ihnen Theodor Körner, Friedrich Rückert, Joseph Görres, Joseph von Eichendorff, Clemens von Brentano; selbst der Engländer William Wordsworth hat ihm in einem Sonett gehuldigt. Theater und Opernbühnen nahmen sich des dramatischen Hofer-Stoffes an.

Dass Hofer ganz zu Unrecht als Kronzeuge dumpfer vaterländischer Gesinnung und eines gefährlichen Deutschnationalismus herangezogen und missbraucht wurde, ist sicher Teil der persönlichen Tragik dieses rechtschaffenen, schlichten Tiroler Bauern, der ein Mensch seiner Zeit und seiner Welt war, und der vielleicht gegen seinen Willen zur historischen Figur geworden ist. Die Heldenverehrung um den Sandwirt hat in allen Teilen Tirols und auch in deutschen Landen sonderbare Blüten getrieben. Sein Bild zierte Aschenbecher Pfeifenköpfe und Kaffeetassen. Er wurde zum Werbeträger für allerlei kuriose Produkte. Eine Hochwasserkatastrophe im Pustertal sowie an Eisach und Etsch von 1882 hat eine Welle des Mitgefühls ausgelöst und manchem Reichs- und Treudeutschen leidenschaftliche Solidaritätsbekundungen für die Tiroler entlockt:

O helft dem Land Tirol!
Vom Himmel sah hernieder Andreas Hofer jetzt,
Da hat ihm eine Thräne die Wange wohl benetzt.
Es blutete sein treues Herz, Weil er da sah in
Noth und Schmerz Sein schönes Land Tirol.
Die Hände that er falten und hub zu beten an:
»O heil’ge Mutter Gottes, wollst unserm Land Dich nah’n,
Sieh unsrer Thäler große Zahl,
Verwüstet sind sie allzumal
Im armen Land Tirol.«

Drauf kam der alte Blücher, der war ihm wohlbekannt, Er
sprach nur wenig Worte und drückte ihm die Hand: »Im
Deutschen Reich vergißt man nicht, Daß Helfen hier ist
Christenpflicht Im Bruderland Tirol.

Und könnt‘ man dir nicht danken, so wie du es verdient,
An Kindern und an Enkeln wird heut‘ die Schuld gesühnt.
Im Unglück standet ihr uns bei, Zag nicht, die alte
deutsche Treu‘ Hilft jetzt dem Land Tirol!«

Da hat der alte Sandwirth die Thräne schnell zerdrückt
Und feurig hat nun wieder sein Heldenaug‘ geblickt. »Das
war ein Trost in herbem Schmerz, Schlägt so wie Deins
jed‘ deutsches Herz, Dann hoff‘ mein Land Tirol!«

Andreas und Andrea gehörten jahrzehntelang zu den beliebtesten Vornamen für Buben und Mädchen. Zwischenzeitlich waren auch Andy, die englische Koseform von Andrew, und die französische Fasson André für viele Eltern attraktiv.

Für letzteren hat vielleicht der zur Berühmtheit gelangte Schauspieler und Entertainer André Heller als Vorbild gedient. Das mit viel Phantasie begabte Wiener Multitalent verhalf mit >Zirkus Roncalli< (1976) und dem poetischen Variété >Flic Flac< (1981 ) einer bereits dahinsiechenden Unterhaltungsbranche wieder zu Ansehen. Heller war auch bei der Inszenierung spektakulärer und phantastischer Spektakel (>Sturz durch Träume< in Berlin, >Luna Luna< in Hamburg, >Fest der Freiheit in Wien) als Ideengeber maßgeblich beteiligt. Hilde Spiel hat von ihm gemeint, er schaffe »jene poetische Dimension …, die aus Fin-de-siècle-Dekadenz, Todesromantik, Katakombenstimmung und bewußter Erbnachfolge der Schnitzler-Hofmannsthal-Altenberg-Linie entsteht.«

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Damit nicht 5 angelaufen kommen, wenn ich mein Kind rufe.