Wie Kinder zu ihrem Namen kommen

Studie zur Vorgehensweise von Eltern bei der Namensuche für ihr Kind

von Eva Buck

„Du gehörst zu mir wie mein Name an der Tür“ heißt es in einem Lied von Marianne Rosenberg. Es ist klar, was damit gesagt werden soll: Du, geliebte Person, gehörst so fest und unlösbar zu mir, wie mein Name fest und unlösbar zu mir gehört. Der Unterschied zwischen den hier in Zusammenhang gebrachten Dingen ist jedoch der: Den Menschen, mit dem wir unser Leben verbringen wollen, können wir uns in der Regel selbst aussuchen, unseren Namen dagegen haben andere für uns ausgewählt. Und ich vermute, daß wir alle uns irgendwann einmal darüber Gedanken gemacht haben, für wie gelungen wir das Ergebnis der elterlichen Überlegungen halten. Denn unser Vorname bleibt uns ein Leben lang erhalten, sich von ihm zu trennen gestaltet sich möglicherweise schwieriger als die Trennung von einem Menschen.

Wie kommt ein Kind zu seinem Namen? Was den Nachnamen anbelangt, so ist der Entscheidungsspielraum für die Eltern äußerst gering, in Bezug auf den Vornamen dagegen könnte man angesichts der Fülle an Möglichkeiten von der „Qual der Wahl“ sprechen. Namen rufen bestimmte Assoziationen hervor, sind mit subjektiven Vorstellungen über ihre TrägerInnen verknüpft. Zwar wissen werdende Eltern heute meist frühzeitig, ob es sich bei ihrem Nachwuchs um ein Mädchen oder einen Jungen handelt, womit sich die Anzahl der potentiellen Namenskandidaten um etwa die Hälfte reduziert. Abgesehen davon bleibt das Kind, das benannt werden soll, bis zu seiner Geburt ein relativ unbekanntes Wesen. Der Name steht im Allgemeinen bereits vor der Ankunft des Kindes fest, das Kind kommt also zu seinem Namen – im wahrsten Sinne des Wortes und nicht umgekehrt. Ob Kind und Name schließlich zueinander passen, zeigt sich erst im Laufe der Zeit.

In einer Studie habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie Eltern bei der Auswahl des Vornamens für ihr Kind vorgehen:
Welche Hilfen (bspw. Ratschläge von Freunden und Angehörigen oder Namensbücher) werden in Anspruch genommen, über welche Aspekte von Namen (Bedeutung, Klang, Länge etc.) machen sich werdende Eltern Gedanken und welche dieser Aspekte sind am Ende ausschlaggebend? Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den Assoziationen, die ein Name in Bezug auf die Charaktereigenschaften seines Trägers hervorruft. Spielen sie bei der Entscheidung für einen bestimmten Namen eine Rolle? Und wie wird der prototypische Namensträger des Namens des Kindes von den Eltern selbst eingeschätzt? Ein weiterer Schwerpunkt meiner Studie betrifft die Frage, ob sich Eltern, die ihrem Kind einen eher seltenen Namen geben und Eltern, deren Kind einen gewöhnlicheren Namen erhält, in ihrer Vorgehensweise bei der Namensauswahl unterscheiden.

Ergebnisse der Studie:

  • Eltern ist bei der Entscheidung für den Namen des Kindes der Klang des Namens an sich sowie im Zusammenhang mit dem Nachnamen am wichtigsten.
  • Die Assoziationen, die der Name in Bezug auf die charakterlichen Eigenschaften seines Trägers hervorrufen könnte, sind eher nicht wichtig.
  • In Bezug auf die Häufigkeit des Kindsnamens zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Zufriedenheit der Eltern mit ihrer Namenswahl sowie den von ihnen wahrgenommenen Reaktionen der Umgebung auf den Kindsnamen.
  • Der Name des eigenen Kindes wird von Eltern, die einen seltenen Namen wählten, im Vergleich zu Eltern, die sich für einen häufigen Namen entschieden, als attraktiver empfunden.
  • Der Vergleich von Eltern- und Kindernamen zeigte einen Trend zum seltenen Namen: Während in der Elterngeneration häufige Namen in der Mehrzahl sind, überwiegen in der zugehörigen Kindergeneration die seltenen Namen.

Namen-Fundstellen

1. Namenslisten und -bücher

2. sonstige Literatur (Roman, Kinderbuch, Bibel, Zeitung)

3. Name aus der Familienchronik

4. Name einer Person des öffentlichen Lebens

5. im privaten Umfeld aufgeschnappt

6. Film / Fernsehen

7. Name einer Person des Freundes- und Bekanntenkreises

8. Internet

Zeitpunkt der Entscheidung für den Namen des Kindes

  • schon vor der Schwangerschaft: 8,7 %
  • im 1. Drittel der Schwangerschaft: 15,4 %
  • im 2. Drittel der Schwangerschaft: 25,0 %
  • im 3. Drittel der Schwangerschaft: 39,4%
  • nach der Geburt: 11,5%

5 Kommentare zu "Wie Kinder zu ihrem Namen kommen"

  1. Line sagt:

    Ja, es heißt „ER gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“… schlechte Recherche im ersten Satz läßt am Rest des Artikels zweifeln.

  2. Elisa sagt:

    Bin eins der glücklichen Kinder der sein eigenen Namen toll findet.

    Als es darum ging ein Namen für mein eigenes Kind zu finden…phuuuuu

    Nichts exotisches , modernes, ausgefallenen…
    Es sollte einfach und zeitlos sein Wie mein eigener…

    Bis mir meine Mama (danke dafür) den tip gegeben hat das ich den Namen den ich gut finde im Kopf durchgehen ob es passt…

    Vor der Schwangerschaft fand ich Simon und janek ganz toll….

    Dann die Frage wie würde mir das bei einem anderen baby gefallen! Und Nein sie sind ziemlich hart vom Ausdruck…

    Wenn ich mit 13 In der Schule steh und sich jemand so vorstellt…..Nein das hört sich so lieb und brav an

    Natürlich kann sich jeder seine eigenen Fragen ausdenken… Opa Simon ist natürlich nett….

    Nun ist es ein MATTIS geworden…

    Und sollte es mal ein Geschwisterchen geben wird es eine MARLA

    VIEL SPASS BEIM PROBIEREN

  3. Leah sagt:

    Nicht jeder findet seinen Namen toll. Ist es nicht wahnsinnig spannend, was man so mit Namen verbinden kann?

    Letztens bin ich auf eine Seite im Netz gestoßen, die sehr hilft bei der Suche nach dem richtigen Namen. Unter http://www.xemanti.com kann man seine Assoziationen zu Wörtern eingeben, also auch Namen, wie Maik, Finn, oder sogar Leah. Dann bekommt man eine schöne Übersicht von allen bisherigen Gedanken zu dem Wort. Schaut es euch mal an, ich bin mir sicher ihr seid genauso begeistert wie ich.

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