Stichwort Vorname im Brockhaus von 1837

Namen von Personen sind bei den christlichen Völkern jetzt teils Familien- und Geschlechtsnamen, teils Eigennamen, Tauf- und Vornamen, von denen die ersteren unter gewöhnlichen Verhältnissen dem Kinde gleich bei der Geburt zukommen, die anderen erst bei der Taufe erteilt werden, wie das schon in den ersten Zeiten des Christentums geschah, indem man den Täuflingen besondere und meist Heiligennamen beilegte, welche sie nun vor (daher Vorname) ihren früheren Namen führten. Im Altertume gab es mit geringen Ausnahmen bei den Griechen und Römern keine Geschlechts- oder Familiennamen, wie das z.B. noch bei Türken, Arabern und anderen morgenländischen Völkern der Fall ist; in der Folge führte jedoch bei den Römern fast Jeder drei Namen: einen Vornamen und einen Geschlechts- und Familiennamen. Bei M. Tullius Cicero ist z.B. M., d.h. Marcus, der gewöhnlich abgekürzt geschriebene Vorname, und Tullius Name des Geschlechts, zu dem die Familie Cicero gehörte. Unter den Deutschen und den ihnen verwandten Völkern unterschied man in der frühesten Zeit gleichnamige Personen durch Hinzufügung des väterlichen Namens mit der Sylbe sohn, son und sen, woher die damit endigenden englischen, dänischen und deutschen Namen, wie Johnson, Hansen, Wilmsen und andere kommen, oder indem man Fitz, O‘ und Mac vorsetzte. Noch im 14. Jahrhundert waren Geschlechtsnamen unter den bürgerlichen Klassen selten und erst im 17. Jahrhundert kamen sie bei ihnen in Deutschland allgemein in Gebrauch und wurden zum Teil von Gewerben, Heimat, persönlichen Eigenschaften, Ämtern u.s.w. hergenommen. Weit früher und schon im 12.–13. Jahrhundert wurden beim Adel Geschlechtsnamen meist von den Ortschaften und Gegenden üblich, mit denen ein Familienhaupt belehnt wurde oder deren Besitzer es war, die aber auch von anderen Umständen, wie z.B. bei Metternich herrührten.

Quelle: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon Bd. 3, S. 237-238, Bearbeitung durch Knud Bielefeld, beliebte-Vornamen.de, Originalartikel: Zeno.org, der größten deutschsprachigen Volltextbibliothek

Kommentieren