Vornamengebung während des Nationalsozialismus

Bedeutsam für die Namengebung zwischen 1933 und 1945 war vor allem das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert. Mit der Reichsgründung 1871 war ein verstärktes Nationalbewusstsein in Deutschland aufgekommen. Zu dieser Zeit erlangten germanische Namen wieder mehr an Bedeutung.

Die nationalistischen Tendenzen in der Vornamengebung erreichten zwischen 1933 und 1945 ihren Höhepunkt. Zwar hatten Eltern nach wie vor die freie Wahl bei der Namensfindung, doch ein Runderlass von 1938 schränkte ein: “Nichtdeutsche Vornamen dürfen für Kinder deutscher Staatsangehöriger nur zugelassen werden, wenn ein besonderer Grund dies rechtfertigt.”

In den deutschen Familienstammbüchern aus dieser Zeit sind in einer Aufstellung auf den letzten Seiten fast ausschließlich deutsche Vornamen verzeichnet. Somit wurde es den Eltern erleichtert, einen vom NS-Regime bevorzugten Namen zu wählen. Nordische Namen waren bei den Nationalsozialisten nur dann erwünscht, wenn sie sich problemlos in die deutsche Sprache einfügen ließen.

Während germanische Namen schon Anfang des 20. Jahrhunderts einen hohen Anteil an der Gesamtheit der Vornamen hatten, erfolgte ihr signifikantester Anstieg jedoch während der NS-Zeit. Ob die Motivation dafür aus politischer Identifikation oder einfach aus einer Namenmode entsprang, lässt sich nicht genau bestimmen.

Die Namenpolitik der Nationalsozialisten beinhaltete auch verbindliche Namenbestimmungen für Juden mit dem Ziel, die jüdischen Mitmenschen zu diskriminieren und zu isolieren. In einer Liste wurden 276 männliche und 91 weibliche jüdische Vornamen festgehalten (z. B. Abel, Isaac, Dan, Jachet, Sara, Milkela, Rachel). Auffällig ist dabei, dass eindeutig hebräische Vornamen wie David, Adam, Ruth, Gabriel, Anna und Michael nicht zu dieser Auswahl gehörten. Diese Namen existierten bereits zu häufig unter der nichtjüdischen Bevölkerung und hätten nicht als Abgrenzungsmerkmal funktioniert.

Referenz

“Vornamengebung in Deutschland während des Nationalsozialismus” von Daniela Wack. Diese Seminararbeit wird im vorliegenden Artikel auszugsweise wörtlich zitiert.

Kommentieren