Stichwort Vorname im Damen Conversationslexikon von 1838

Vornamen sind solche, welche Jemand neben dem Familiennamen führt, die jetzt gewöhnlich in der Taufe gegeben werden und deshalb auch Taufnamen heißen. Sie sind uralt und waren bei allen alten Völkern gebräuchlich. Die Frauen der Römer wurden nach dem Geschlechtsnamen benannt, z. B. Livia, Tullia etc. Zur Vermeidung von Irrungen fügte man, im Fall mehrere Töchter da waren, die Zahl hinzu, z. B. Livia prima (die erste) etc. Jetzt sind die einfachsten Namen am gebräuchlichsten besonders die aus der Bibel schon bekannten, z. B. Maria, Anna, Elisabeth etc. In manchen Staaten dürfen nur die Namen von Kalenderheiligen genommen werden, in anderen, z. B. Frankreich und England, ist diese Freiheit nicht beschränkt, und da kommen oft die barokksten zum Vorschein. Die russischen Frauen führen neben ihren Taufnamen noch den ihres Vaters, z. B. Paulowna, d. h. die Tochter Pauls. Wie alle Dinge, so unterliegen auch die Taufnamen der Mode. Bis zum 12. Jahrhundert waren in Deutschland nur ursprünglich deutsche Namen in Gebrauch. Dann kamen die biblischen und anderen heutigen Namen, und zu Cromwells Zeiten ganze biblische Sprüche. Im 17. Jahrhundert war der Name Walpurgis, besonders auf dem Lande, sehr häufig. Vor dem 16. Jahrhundert erhielten die Kinder nur einen Namen, später galten mehrere für ehrenvoller und in Folge dessen empfing 1794 ein spanischer Infant nicht weniger als 51! Auch politische Ereignisse haben schon kuriose Namen hervorgerufen; 1813 und 1814 erschienen (außer Victoria, Victorine) Blücherine, Landsturmine etc. nicht selten, 1830 aber nannte ein Pfarrer seine Tochter sogar Rebelline.

Zum Schluss sei hier noch ein komisches Ereignis aus dem 16. Jahrhundert erwähnt. König Franz I. bat nämlich die schweizerischen Eidgenossen als Gesamtrepublik zur Gevatterin bei der Taufe seines Kronprinzen. Diese nahm auch die Ehre bestens an, sich dabei nur die Wahl des Namens selbst vorbehaltend. Aber wie erstaunte der König, welcher einen bekannten französischen Namen Heinrich, Karl, Ludwig etc. erwartete, als er vernahm, dass die Frau Gevatterin die im Buche des Propheten Daniel 1,7 vorkommenden Namen Sadrach Abednego Mesach dem Dauphin zugedacht habe. Natürlich wurde die Gevatterschaft schnell wieder aufgekündigt, was indes nicht ohne Verlegenheiten für den König geschehen konnte.

Quelle: Damen Conversations Lexikon, Band 10. 1838, S. 359-361, Bearbeitung durch Knud Bielefeld, beliebte-Vornamen.de, Originalartikel: Zeno.org, der größten deutschsprachigen Volltextbibliothek

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