Regeln für Kindernamen

Online-Studie an der Universität Heidelberg

Eltern achten bei Namenssuche auf Klang und Hänselgefahr
Die Wahl eines Vornamens für ihr Kind ist für die meisten werdenden Eltern eine schwierige und langwierige Entscheidung. Sie wälzen Bücher, schreiben lange Listen, beraten sich mit Freunden und Angehörigen und wenn sie schließlich ihre Wahl treffen, nutzen sie dafür bestimmte Regeln. Diesen vielfältigen Regeln sind vier Psychologie-Studentinnen der Universität Heidelberg nachgegangen. In einem Forschungsprojekt befragten sie in einer Untersuchung rund 500 Eltern, was ihnen bei der Benennung ihres Kindes wichtig war.

Studentinnen der Uni HeidelbergBei der Namenssuche für ihre ungeborenen Kinder spielen für werdende Eltern vor allem drei Kriterien eine Rolle: Der Name soll einen schönen Klang haben, keinen Anlass zu Hänseleien geben und für jedes Lebensalter passen.
Abgesehen von diesen drei Punkten, die für fast alle Eltern eine wichtige Rolle spielen, haben die Wissenschaftlerinnen noch weitere Regeln für die Namenssuche herausgefunden. Deren Anwendung wird stark von sozialen Faktoren beeinflusst, etwa dem Geschlecht, der Bildungsschicht oder dem Familienstand. So machen sich etwa Frauen über ästhetische Gesichtspunkte mehr Gedanken als Männer und stellen auch praktische Überlegungen an. Sie berücksichtigen eher, dass der Name eine schöne Bedeutung hat, leicht zu schreiben ist und einen schönen Klang hat. Männer dagegen empfinden nur zwei Regeln wichtiger als Frauen, nämlich dass der Name dem Vorbild eines Prominenten oder eines Freundes entsprechen soll.

Einen Geschlechter-Effekt hat die Studie auch bei den Kindern festgestellt: Jungen bekommen einen Namen, der leicht zu schreiben ist. Bei der Schreibweise von Mädchennamen bevorzugen Eltern hingegen ausgefallene Varianten. Dieses Ergebnis bestätigt frühere Forschung aus den USA, nach der Männernamen Stabilität und Bodenständigkeit ausdrücken sollen, währenddessen Frauennamen modisch sein und Attraktivität widerspiegeln sollen.

Auch beim Bildungsabschluss der Eltern treten erstaunliche Unterschiede bei der Namenswahl zutage. Personen mit Hochschulabschluss achten vermehrt auf Internationalität, aber auch auf Traditionen. Dass der Name zum Kind passt, ist vor allem für Eltern mit Haupt- und Realschulabschluss und Fachhochschulreife relevant. Akademiker und Personen ohne Abschluss beachten diese Regel weniger.

Der Familienstand kristallisierte sich als weitere wichtige soziale Komponente heraus. So wünschen sich unverheiratete Paare eher einen modernen und kurzen Namen als Verheiratete. Unabhängig vom Familienstand finden Paare die Suche entspannter und angenehmer als allein erziehende Eltern. Allerdings ist die Namenssuche in den vergangenen Jahren grundsätzlich schwieriger geworden. Denn heute verwenden werdende Eltern generell mehr Regeln als noch vor 15 bis 20 Jahren. So spielt mittlerweile zum Beispiel eine Rolle, ob der Name in verschiedenen Ländern leicht auszusprechen ist und eine ausgefallene Schreibweise hat. Auch Namen mit einer religiösen Bedeutung oder der Bezug zur Herkunft der Eltern sind zunehmend wichtiger geworden.

Erstaunliche Ergebnisse brachte für die Nachwuchswissenschaftlerinnen auch ein zweiter Teil der Studie zutage, der sich mit dem Prozess der Namensfindung befasste. Während die meisten Eltern im ersten Drittel der Schwangerschaft mit der Suche beginnen und sich im dritten Drittel endgültig entscheiden, steht der Name für 17% der Befragten schon vor der Schwangerschaft fest. Allerdings gibt es auch eine kleine Anzahl von „Spätzündern“, die erst nach der Geburt anfangen, einen Namen zu suchen. Weitere 11% machen sich zwar schon während der Schwangerschaft Gedanken, treffen ihre Entscheidung aber erst nach der Geburt. Für die Wissenschaftlerinnen ist das ein Indiz dafür, dass diese Personen viel Wert darauf legen, dass der Name zum Kind passt.

Weder der Zeitpunkt der Suche noch der Entscheidung beeinflusst die spätere Zufriedenheit mit dem gewählten Namen. Eltern, die sich erst kurz vor der Geburt auf einen Namen festlegen, finden den Prozess der Namensfindung aber als wesentlich belastender als früh Entschlossene.

Die Studentinnen haben aus ihren Forschungsergebnissen einen Leitfaden zur Namenssuche erstellt.

Quelle: Uni Heidelberg, ursprünglich auf www.vorname-finden.uni-hd.de

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