
Die Deutschen und die Kartoffel – das ist eine Beziehung, die so innig ist, dass man uns in manchen Ländern gleich selbst danach benennt. „Kartoffel“ dient gelegentlich als scherzhafte, nicht immer freundliche Bezeichnung für Deutsche. Höchste Zeit also, das Klischee beim Schopf zu packen und nachzusehen, welche Vornamen in der deutschen Kartoffelkiste stecken.
Denn wer glaubt, dass Kartoffeln nur festkochend, mehlig oder vorwiegend festkochend sein können, hat die Rechnung ohne die Namensvielfalt gemacht. Unter den Kartoffelsorten finden sich erstaunlich viele Namen, die auch auf einer Geburtsurkunde eine gute Figur machen würden.
Nicht nur in der Küche beliebt
Agnes, Antonia, Charlotte, Laura und Linda – das klingt nach einer gut besetzten Krabbelgruppe. Tatsächlich sind es auch Namen von Kartoffelsorten. Besonders Charlotte dürfte dabei manchem Feinschmecker bekannt vorkommen: Die festkochende Kartoffel ist nicht nur in der Küche beliebt, sondern könnte auch im Kindergarten Freundinnen namens Antonia und Linda haben.
Andere Sortennamen wirken, als seien sie direkt einem Vornamenlexikon entsprungen. Adelina, Belinda, Elvira, Melina, Salome und Serafina beispielsweise würden sich auch auf einer Liste mit Mädchennamen gut machen. Und wer seinem Kind einen klangvollen, eher ungewöhnlichen Namen geben möchte, könnte bei Simonetta oder Monalisa fündig werden. Letztere bringt sogar einen Hauch Kunstgeschichte mit auf den Spielplatz.
Wer seinem Nachwuchs einen außergewöhnlichen Namen geben möchte, findet hier also Inspiration – ganz ohne nordische Mythologie, Netflix-Serie oder prominente Namenspaten.
Bodenständige Namensvielfalt
Auch die Klassiker fehlen nicht: Birgit, Birte, Gunda und Sieglinde erinnern an Generationen, in denen Kartoffeln und Vornamen gleichermaßen bodenständig waren. Ob die Sorten nach echten Frauen benannt wurden oder die Namensgebung anderen Kriterien folgte, ist eine andere Frage. Ein schöner Name ist schließlich ein schöner Name – egal, ob er später auf einem Klingelschild oder einer Kartoffeltüte steht. Aber fest steht: Auf dem Acker herrscht mehr Namensvielfalt, als man der deutschen Kartoffel zugetraut hätte.
Bei den Jungennamen wird die Auswahl etwas überschaubarer. Nemo dürfte vor allem Fans des gleichnamigen Filmhelden auffallen. Calimero klingt nach einem sympathischen Comic-Charakter und Provento könnte glatt als Vorname eines italienischen Fußballers durchgehen. Brambory hingegen klingt eher nach einem Zungenbrecher als nach einem Namen, den man auf dem Schulhof rufen möchte..
Durchs Leben schummeln
Natürlich ist nicht jeder Kartoffelsortenname automatisch ein geeigneter Babyname. Bintje etwa hat einen ganz eigenen Charme, dürfte aber bei der Aussprache gelegentlich für Rückfragen sorgen. Vitelotte klingt edel und französisch – und ist als Kartoffelsorte für ihre violette Farbe bekannt. Ob sich damit auch ein Kind durchs Leben schummeln möchte, muss jede Familie selbst entscheiden.
Vielleicht sollten wir das Klischee von der deutschen Kartoffel also etwas differenzierter betrachten. Zwischen Adretta, Agria und Annabelle steckt erstaunlich viel Persönlichkeit. Und falls uns jemand im Ausland wieder einmal „Kartoffel“ nennt, können wir gelassen antworten: „Wenn schon, dann bitte Charlotte!“.