Baby an Bord

Autoaufkleber dokumentiert Familie als Sonderfall

Wer kennt nicht die Aufkleber an den Heckscheiben von Autos, die auf Kinder als Mitfahrer verweisen? Vor einigen Jahren tauchten sie im Straßenbild auf, und inzwischen haben sie nicht nur einen festen Platz erobert, sondern sich auch gravierend verändert. Stand am Beginn dieses Phänomens das schlichte rot-weiße Warndreieck mit dem Schriftzug „Baby an Bord“, kann man inzwischen vielerlei Varianten entdecken und erfährt dabei zumeist sogar, wie Töchter und Söhne oder auch Enkel der Fahrzeugbesitzer heißen. „Derartige Veränderungen im Alltagsleben zeigen Trends auf“, weiß Prof. Dr. Bruno Hildenbrand von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.


Im einem Forschungsprojekt haben sich Studenten mit diesem Thema beschäftigt und dabei herausgefunden, dass die Aufkleber-Mode offensichtlich eine typisch deutsche ist. Ähnliches ist beispielsweise aus Frankreich und den USA nicht bekannt. Sie fanden heraus, dass bei allen Befragten der Gedanke der Sicherheit oberstes Motiv für einen solchen Aufkleber ist. Hinzu kommen Stolz auf das Kind und dessen Namen sowie das Streben nach Individualität. Letztere wird mit Marke Eigendesign vor allem von Personen unter 30 Jahren betont, während ältere eher auf standardisierte Stücke setzen. Für Prof. Dr. Hildenbrand ein klarer Fall, „weil man mit 30 seine Rolle in der Gesellschaft gefunden hat“.

Vorzugsweise nichteheliche Lebensgemeinschaften präsentierten sich mit einem „Baby an Bord“-Aufkleber nach außen. Das verwundere nicht, weil sie zum einen laut Statistik überdurchschnittlich viele kleine Kinder hätten. Zugleich mache diese Tatsache deutlich, dass „die Familie für jene, die den Aufkleber benutzen, den Charakter der Selbstverständlichkeit verloren hat und zu einem Sonderfall geworden ist. Wenn etwas aber nicht mehr selbstverständlich ist, muss man es besonders schützen und nach außen darstellen“, zeigt er Beweggründe für die Flut der Baby-Aufkleber auf.

3 Gedanken zu „Baby an Bord“

  1. Uns wundert, dass im Artikel steht, „Baby-on-board“-Aufkleber mit Namen würden der Sicherheit wegen gewählt. Welcher Sicherheit? Wir finden nichts furchtbarer, als wenn jeder x-beliebige Fremde auf diese Weise die Namen der Kinder erfährt. Kinder reagieren zutraulich, wenn sie mit ihrem Vornamen angesprochen werden. Nun stellen Sie sich einfach mal vor, da ist jemand, der hat nichts Gutes im Sinn und spricht Ihr Kind mit Namen an und schafft so eine „Vertraulichkeit“, die dem Kind signalisiert: Wir kennen uns. Welch ein Leichtsinn!

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