Beliebte Vornamen Von den Vornamen oder Taufnamen der Deutschen Die Kriege mit fremden Völkern

 

Die Kriege mit fremden Völkern

Von Tileman Dothias Wiarda, 1799 (bearbeitet von Knud Bielefeld)

Tileman Dothias Wiarda

§ 27. Die Kriege mit fremden Völkern hatten auf die Eigennamen der Deutschen keinen Einfluss. Bis in das mittlere Zeitalter führte jeder Deutsche einen deutschen Eigennamen

Wie die Geschichte ausweist haben germanische Völkerschaften – Vandalen, Goten, Langobarden, Franken, Angelsachsen und Burgundier – das ganze westliche und südliche Europa durch ihre kriegerischen Wanderungen überschwemmt. Sie haben sich in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und England festgesetzt. Dahin haben sie ihre Eigennamen mitgenommen und verpflanzt. Daher treffen wir in allen diesen Staaten noch jetzt so viele echt germanische Taufnamen an. Die Namen Carl, Ludwig, Heinrich und Wilhelm blühen in ganz Europa. Dagegen ist Deutschland nie von fremden Völkern unterjocht worden. Ging Caesar zwar über den Rhein, drang Drusus gar bis zur Elbe heran, so behielten die Römer doch so wenig damals wie nachher einen festen Fuß in Deutschland. Keine römische Kolonie blieb zurück. Daher konnte die römische Sprache nicht auf Deutschland den Einfluss haben, den sie auf Gallien und Spanien hatte und daher konnten denn auch keine römischen Eigennamen auf deutschem Boden gedeihen. Noch weniger waren die deutschen Eigennamen durch den Krieg mit den Hunnen einer Vermischung ausgesetzt, weil diese Deutschland nur durchzogen. Dann waren die Fehden mit den Normannen nur Plackereien an der nördlichen Küste und selbst die Normannen waren germanischen Geschlechtes. Zwar geriet im siebenten und achten Jahrhundert der Deutsche unter die fränkische Oberbotmäßigkeit. Allein die Franken waren ebenfalls ursprünglich ein deutsches Volk und die besiegten deutschen Stämme, die Alemannen, die Thüringer, die Friesen und Sachsen behielten ihre bürgerliche Freiheit, ihre vaterländische Gesetze, ihre Sitten und ihre Sprache. Man kann sie mehr für Bundesgenossen, als Untertanen des fränkischen Reiches ansehen. So blieben nach dem im Jahre 804 zwischen den Franken und Sachsen geschlossenen Frieden die Sachsen vom Tribut befreit. Sie sollten den Ehrennamen von freien Leuten führen, mit den Franken ein Volk ausmachen und unter einem König stehen. Was wir von Deutschland behauptet haben, findet noch mehr bei den nordischen Königreichen Dänemark, Norwegen und Schweden statt. Dorthin ist niemals ein Römer hingedrungen und kein fremdes Volk hat diese nordischen Reiche bezogen. Niemals hat sich also ein Volk von fremder Zunge so wenig in Deutschland, als in Dänemark, Norwegen und Schweden fest niedergelassen oder angesiedelt. So wohl Deutsche als auch Skandinavier sind also ein unvermischtes Urvolk geblieben und haben daher ihre alten germanische Eigennamen, zwar durch den Zeitraum ihrer langen Wanderschaft und durch abweichende Dialekte verstellt, jedoch unvermischt, beibehalten. Bis ins Mittelalter nahm der Germane keinen ausländischen Eigennamen auf. Jeder Deutsche führte einen deutschen Eigennamen. Vielleicht aber dürfte hier eingewandt werden, dass doch des Armins Bruder Flavius, dessen in Rom erzeugter Sohn, Italus, einige trierische Heerführer Julius Florus, Alpinus Montanus, Classicus, Julius Tutor und Tullus Valentius, Claudius Civilis, noch andere batavische Feldherrn Julius Briganticus, Claudius Labeo und einige andere deutsche Fürsten offenbar römische Namen geführt haben. Allein diese wenige Beispiele sind nur Ausnahmen von der Regel und werfen den ganzen Satz nicht um. Wir wissen zudem aus der Geschichte, dass der cheruskische Fürst Flavius in römischen Diensten gestanden und sich unter den Römern zu verschiedenen Ehren-posten aufgeschwungen habe, dass Alpinus Montanus, Julius Briganticus, Claudius Labeo und Classicus römische Obersten gewesen, dass dem Julius Tuto von den Römern das Kommando über die gallischen Hilfstruppen anvertraut worden und Claudius Civilis sich lange in Rom aufgehalten habe. Es ist daher wahrscheinlich, dass diese mit den Römern in Verbindung gestandenen Männer ihre vaterländische Namen abgelegt und römische Namen angenommen haben, um sich bei ihnen beliebt zu machen. Oder aber, dass die Römer selbst diesen ihren Freunden und Günstlingen statt der barbarisch klingenden und ihren Zungen unbiegsamen Namen römische Namen beigelegt haben. Aber genug, diese römischen Namen hatten nicht den geringsten Erfolg. Sie waren entweder nur bloße Beinamen, die den Eigennamen zugefügt wurden oder doch nur Phantomen, die hin und wieder erschienen, sich nie fortpflanzten und bald verschwanden. Wir können daher sicher annehmen, dass der Deutsche seine germanischen Eigennamen bis zur Gründung des Christentums und noch weit später durchaus unvermischt beibehalten habe.


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