Präeklampsie – gefährlich für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder

Regelmäßige Untersuchungen während der Schwangerschaft sind für die Gesundheit von Mutter und Kind unerlässlich

“Sie ist eine der gefährlichsten Erkrankungen in der Schwangerschaft, die Mutter und Kind bedroht und sehr oft zu einer Frühgeburt führt”, erklärt Prof. Dr. Dr. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig. Nach wie vor kennt man nur die Symptome, nicht aber die Ursachen, nach denen Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete suchen. Das ist einerseits erfreulich, weil damit eine breite Palette der Ursachenforschung abgedeckt wird. Andererseits birgt es die Gefahr in sich, dass der Wissenschaftleraustausch auf die Fachgebiete beschränkt bleibt und der gemeinsame Nenner – das konkrete Krankheitsbild in der Praxis des behandelnden Arztes – verloren geht. “Hier Abhilfe im Sinne einer besseren Kommunikation zu schaffen, ist das Verdienst von PD Dr. Holger Stepan aus meiner Klinik, der mit dem Leipziger Präeklampsie-Workshop ein Forum für Grundlagenwissenschaftler, klinische Forscher und praktisch tätige Ärzte schuf, die sich mit dem Thema “Präeklampsie” befassen.”, so Prof. Höckel.

Mehr als 5 % der Schwangeren entwickeln eine Präeklampsie. Die Symptome sind Bluthochdruck, Eiweißausscheidung im Urin und Wasseransammlungen im Gewebe. Hinzu kommt eine Fehlfunktion der Plazenta, so dass das ungeborene Kind nicht ausreichend versorgt wird. In besonders ausgeprägten Fällen kommt es zu eklamptischen Anfällen, die für Mutter und Kind tödlich ausgehen können.

“Die Krankheit ist kaum vorhersagbar”, erläutert PD Dr. Holger Stepan. Er rät deshalb zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen einschließlich einer Messung der Uterusdurchblutung mittels Ultraschall. Die Symptome können dann rechtzeitig erkannt und eine entsprechende Überwachung der Schwangerschaft eingeleitet werden. “Wenn es uns gelänge, praktisch handhabbare Marker für die Früherkennung der Krankheit zu finden, könnten die betroffenen Frauen besser in ein wirksames Betreuungsprogramm eingebunden werden. An eine wirkliche Behandlung der Präeklampsie ist aber erst denkbar, wenn die Ursache geklärt ist.”, resümiert der Geburtsmediziner.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Dem Bluthochdruck in der Schwangerschaft auf der Spur

Das Phänomen ist Frauenärzten und werdenden Müttern bestens bekannt: Bei etwa 10 Prozent aller Schwangeren wird im letzten Drittel der Schwangerschaft ein erhöhter Blutdruck sowie eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß im Urin festgestellt. Das Risiko einer Frühgeburt ist dadurch erhöht. In schweren Fällen kann die Mutter sogar lebensbedrohlich erkranken. Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg sind jetzt den Ursachen für Präeklampsie oder Gestose, so der Fachausdruck, auf die Spur gekommen.

Bekannt ist, daß es bei dieser Erkrankung während der Schwangerschaft im ganzen Körper zu einer Verengung der Blutgefäße kommt und damit der Blutdruck steigt. Vor allem in der Gebärmutter und im Mutterkuchen führt die Gefäßverengung zu einer mangelnden Durchblutung des Gewebes und damit auch zu einer Verlangsamung des Wachstums des Kindes. Die Weite der Blutgefäße wird generell durch das zentrale Nervensystem und durch örtlich wirkende hormonelle Faktoren bestimmt.

Dr. Hans Schobel von der Medizinischen Klinik IV hat in Zusammenarbeit mit Dr. Thorsten Fischer von der Universitätsfrauenklinik Untersuchungen durchgeführt, um den Einfluß der Aktivität des Nervensystems auf den Bluthochdruck dieser Patientinnen zu bestimmen. Dazu wurden Untersuchungsgruppen gebildet aus schwangeren Frauen mit Bluthochdruck, gesunden Schwangeren, gesunden Nichtschwangeren sowie nichtschwangeren Frauen mit Bluthochdruck.

Es stellte sich heraus, daß bei den Patientinnen mit Präeklampsie die Nervenentladungsrate in Ruhe dreimal so hoch ist wie bei den übrigen Vergleichsgruppen. Ein Teil dieser Schwangeren wurde ein paar Wochen nach der Entbindung erneut untersucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich sowohl der Blutdruck als auch die Nervenentladungsrate wieder normalisiert.

Damit konnte nachgewiesen werden, daß der erhöhte Blutdruck zum Ende der Schwangerschaft zumindest zum Teil durch eine erhöhte Aktivitaet des Nervensystems bedingt ist. Dieser Befund ist für die Therapie außerordentlich wichtig, da es blutdrucksenkende Substanzen (vor allem Betablocker) gibt, die speziell die Nervenaktivität dämpfen und für Mutter und Kind gefahrlos eingesetzt werden können.