Der Vorname Mohammed in Deutschland

Update: Teile dieses Beitrags sind veraltet. Hier einige aktuelle Anmerkungen zum Thema:

„Mohammed beliebtester Name in England” – nicht wenigen dient diese Schlagzeile aus dem Jahr 2010 als Beleg für die Islamisierung Europas. Wenn dann aus zahlreichen westeuropäischen Großstädten (beispielsweise Amsterdam, Oslo, Paris oder Brüssel) Ähnliches berichtet wird, verstärkt das die entsprechenden Vorurteile. In der Tat sagt der Vorrat der vergebenen Vornamen sehr viel über kulturelle Veränderungen aus. Unbestritten ist auch, dass sich Eltern zum Islam bekennen, wenn sie ihren Sohn Mohammed nennen.

Aber warum steht Mohammed nicht auch in Deutschland ganz vorne in der Hitliste der häufigsten Vornamen? Wurde die Statistik etwa manipuliert? Mit solchen Fragen und Unterstellungen werde ich regelmäßig konfrontiert. Im vorliegenden Beitrag weise ich nach, warum der Name Mohammed in Deutschland seltener vorkommt als in anderen europäischen Ländern.

Auf den Punkt gebracht: Wenn jeder fünfte in Deutschland geborene Junge mit muslimischen Eltern Mohammed heißen würde, wäre dieser Name die Nummer 1 der deutschen Jungennamenhitliste. Dieses Ergebnis ist aufgrund verschiedener Einflussfaktoren zustande gekommen:

1. Ben, der häufigste Jungenname des Geburtsjahrgangs 2015, kommt auf einen Anteil an allen Geburten von 1,0%. Bei 715.000 Geburten (geschätzter Wert anhand des Vorjahres) wurden demnach ca. 7200 Jungen Ben genannt.

2. Laut dem statistischen Bundesamt hatten 9,1% der im Jahr 2004 in Deutschland geborenen Kinder muslimische Eltern (aktuellere Zahlen liegen nicht vor).

3. Gehen wir vereinfacht davon aus, dass gleich viele Mädchen wie Jungen geboren wurden, so ergibt die Hochrechnung, dass 2015 ca. 32.000 Jungen mit islamischem Hintergrund in Deutschland zur Welt gekommen sind. Wären mehr als 7.200 bzw. 23% dieser Jungen Mohammed genannt worden, hätte der Name Mohammed Ben vom Spitzenplatz verdrängt. Tatsächlich haben 2015 in Deutschland weniger als 2.000 Jungen den Namen Mohammed oder eine der zahlreichen Varianten wie Muhammad, Mohammat, Momamed usw. bekommen.

Blaue Moschee mit Frau im roten Schleier © herl - Fotolia.com
Foto © herl – Fotolia.com

Bleibt zu erklären, warum der Name in anderen europäischen Ländern so viel häufiger vorkommt. Diese Besonderheit rührt daher, dass die Muslime in Europa aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammen. Der weitaus größte Teil der islamischen Bevölkerung in Deutschland stammt aus der Türkei – und die Türken schöpfen gern aus dem reichhaltigen Namensvorrat muslimischer Namen. Der Vorname Mohammed spielt keine so große Rolle. Die Muslime in England dagegen stammen vor allem aus Bangladesh, Indien und Pakistan. Unter der islamischen Bevölkerung in diesen Herkunftsländern ist es weit verbreitet, zumindest den ersten Sohn Mohammed zu nennen. Es ist dort nicht einmal ungewöhnlich, wenn alle Söhne einer Familie Mohammed heißen. Allerdings wird oftmals ein anderer Vorname als Rufname genutzt. Die Auswertung der amtlich beurkundeten Namen berücksichtigt diesen Umstand aber nicht.

49 Gedanken zu „Der Vorname Mohammed in Deutschland“

  1. “Reichhaltiger Vorrat muslimischer Namen” ist ein bisschen komisch ausgedrückt. Als muslimisch würde ich die Namen bezeichnen, die im Umfeld des Korans und der islamischen Legenden stehen, die sind meist arabisch.

    Türken bedienen sich darüber hinaus noch häufig aus dem Vorrat seldschukischer, kurdischer, ottomanischer und persischer Namen. Das sind zwar auch Namen von Völkern mit mehrheitlich muslimischem Glauben. Aber als “muslimische Namen” würde ich die nicht bezeichnen.

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  2. Werter Herr Wolfram Maria Schröckenfuchs.
    Meine Großeltern waren Nationalsozialisten, obwohl sie keinen einzigen Juden ermordet haben. Sie haben nicht einmal den Weltkrieg angezettelt. Sie haben nur geschwiegen und oft den rechten Arm gehoben.

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  3. man muss endlich von dem gedanken weg kommen die türkei wäre ein islamisches land.

    falsch , die türkei ist ein laizistischer staat , der name mohamed und viele andere namen wurden verboten und durften nur als mehmet usw. (türkisiert , arabisch war verboten) genutzt werden.

    eigentlich war kein land auf der erde so islam feindlich wie die türkei in ihrer anfangszeit. die folgen sind bis heute spürbar.

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  4. Mohammed ist aber nicht beliebtester Vorname in England. Es ist doch beliebtester Vorname in London aber im ganzen England ist Muhammad (beliebtester Nebenform in England) 14ter beliebtesten Vorname.

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  5. Es gibt noch einen anderen Grund, warum der Name Mohammed in Deutschland nicht der beliebteste Jungenname ist. Es existieren im Islam bekanntlich verschiedene Strömungen. Die größte Strömung sind die Sunniten, die zum Beispiel in der Türkei und in vielen arabischen Ländern die Mehrheit stellen. Die zweitgrößte Gruppe sind die Schiiten (Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan), eine weitere große Strömung sind die Aleviten, die vor allem im Mittleren Osten leben. Es gibt noch mehr Strömungen, aber das würde hier zu weit führen.

    Die Aleviten sollten aus westlicher Sicht übrigens besonders interessant sein, weil sie die Scharia und die allermeisten anderen islamischen Regeln ablehnen. Sie treten für Laizismus (konsequente Trennung von Religion und Staat) ein, sind für Demokratie, Menschenrechte und vor allem für eine strikte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Bei den Aleviten steht der Mensch im Mittelpunkt. Sie sind liberaler als die katholische Kirche und die Evangelikalen in den USA sowieso.

    In Deutschland leben besonders viele Kurden (überproportional alevitisch) und türkische Aleviten. Das kommt daher, weil Menschen, die in ein fremdes Land auswandern, möglichst in die Nähe von Verwandten und Bekannten ziehen. Es gibt in Deutschland ganze Dörfer aus der Türkei oder Kurdistan, die auch hier in der Nähe zueinander leben.

    Für die Schiiten und die Aleviten ist nicht Mohammed die wichtigste Figur, sondern ʿAlī ibn Abī Tālib, der sein erster Nachfolger war. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in Deutschland der Name Mohammed nicht so häufig verwendet wird wie z.B. in England. Ich habe jedenfalls noch nie einen Sunniten getroffen, der Ali hieß und noch nie einen Aleviten, der den Namen Mohammed hatte.

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    • Auch eine interessante Erklärung, die aber zu kurz greift.
      1.) Aleviten haben von ihrer Religion her kein Hindernis ihre Söhne Muhammad zu nennen. Die eine Hälfte der Aleviten glaubt, wie Sunniten und Schiiten, daran, dass Muhammad der Prophet des Islam ist.
      Die andere Hälfte glaubt das zwar nicht, allerdings glauben sie an andere Persönlichkeiten aus der Nachkommenschaft von Ali Ibn Abi Talib, die selbst auch Muhammad hießen, wie z.B. Muhammad Ibn Ali Ibn Al-Husain oder Muhammad Ibn Hassan al-Mahdi.
      Wenn es überhaupt stimmt, dass Aleviten ihre Söhnen nicht Muhammad nennen, dann liegt es eher daran, dass sie – wie sie bereits angedeutet haben – nicht so sehr an ihrer Religion hängen wie die anderen. Im übrigen können solche Aleviten nicht als Muslime gelten, wenn sie den Propheten des Islam ablehnen. Wenigstens sind sie für Sunniten und Schiiten dann keine Muslime.

      Desweiteren gibt es haufenweise Sunniten, die Ali heißen, da Ali Ibn Abi Talib genau wie der Prophet Muhammad selbst von Sunniten und Schiiten akzeptiert wird.

      Ich denke der Grund, warum es weniger Muhammads in Deutschland gibt, wurde bereits genannt. Die Türken nennen ihre Söhne nicht häufig so. Die Gründe dafür werden wieder unterschiedlich angegeben. Der eine meint, dass es respektvoller sei. Der andere sagt, dass es die Folge des Verbots ist, das es diesbezüglich in der Türkei einmal gab.

  6. Bezeichnend, wie die germanischen Abendlandser hier wieder heißlaufen.
    Einfach mal die Relationen beachten:
    Selbst wenn ein Vorname Mohammed mal an die Spitze der deutschen Vornamens-Charts kommen sollte: Der aktuelle Branchenliebling Ben kommt auf gerade mal 2 Prozent. Sollte Mohammed ihn mit vielleicht 2,1 Prozent toppen, kann dennoch nicht von “Islamisierung” gesprochen werden.
    Dass die Pegidalafisten es generell nicht so mit Zahlen haben, sieht man auch daran, dass sie die gefieberte “Islamisierung” ausgerechnet in Sachsen weglatschen wollen (Ausländeranteil unter 3 Prozent, Muslimanteil wohl nochmal deutlich drunter).

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  7. Gesetztenfalls der Autor ist immernoch derselben Meinung:

    1. Ich bezweifle, dass bereits in den 50er Jahren “Mohammed” einer der beliebtesten Vornamen war. Aber nehmen wir einfach mal an, dass ich da irre. Es gibt noch zahlreiche weitere islamische/arabische Vornamen wie Omar, Ali, Achmed (mit Variationen) usw.

    Wenn man die Namensgruppen mal zusammenfasst könnte man als Beispiel mal den Anteil der germanischen, lateinischen, arabischen, nordischen, jüdischen, asiatischen, indischen, afrikanischen, indianischen, südamerikanischen (Maya, Inka usw) Namen mal zusammentragen und dann eine 5-Jahres-Entwicklung analysieren. Ich verwette meinen Arsch, dass es in den letzten 15-20 Jahren (oder noch länger) eine Zunahme der afrikanischen und arabischen Namen stattgefunden hat und eine Abnahme der nordischen und germanischen Namen.

    2. Bei der “Islamisierung” (=Zunehmender Einfluss des Islam) geht es nicht nur um Namensgebung sondern um viel mehr. Aber davon wollen die meisten immer noch nichts hören … Wir sprechen uns in spätestens 1,5 Jahren wieder …

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    • Ja wie ist denn nu mit der Islamisierung? Wir kommen auf 10% Leute aus Muslimischen Ländern. Wer weiß wie viele davon auch wirklich noch gläubig sind (bei Deutschen gibts ja auch kaum richtige Christen)

  8. @ Kurt
    “Alle Religionen sind friedlich und der Islam zählt auch dazu…”

    Wie kommen Sie denn da drauf? Wenn Sie mal den Koran, die Sunna und die Hadithen gelesen haben, sprechen wir uns wieder 🙂

    Aber noch eine Ergänzung zu Mohammed. Traditionell wird der erste Sohn so genannt. Die Häufigkeit der Namensgebung von Babies hängt damit also auch von der Altersstruktur der muslimischen Mütter in einem Land ab.

    Was die Türkei betrifft, war Atatürk sehr weltoffen eingestellt. Erdogan jedoch sieht im Islam eine Chance, das osmanische Reich wieder aufleben zu lassen. Es würde ihm sehr gut gefallen, dessen Herrscher zu sein.

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    • Da muss man echt lachen – es gibt wirklich noch Leute, die die Illusion haben, dass es Religionen gibt, die wirklich Frieden stiften!

      Jede Religion teilt die Welt in angeblich Gute und angeblich Böse, sonst funktioniert die Religion nicht und gewinnt keine Anhänger.
      Das Schwarzweiß-Denken provoziert aber immer das Verurteilen Anderer und Feindschaft, darauf ist jede Religion im Kern aufgebaut. Selbst wenn im Text steht Liebe deinen Nächsten, es kommt darauf an, was die Religion verursacht.

  9. In Spanien heißen viele Maria und Jesus. Daraus kann man höchstens schließen, dass manche Menschen etwas gläubiger sind, mehr nicht.
    Generell wäre es natürlich wünschenswert, wenn mehr Kinder Albert, Stephen oder Marie hießen.

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