Namensforschung
Namengebung zwischen Spätantike und Mittelalter
Wir befinden uns in spätantiker und frühmittelalterlicher Zeit. In Süd- und Westeuropa haben sich in allen kulturellen Bereichen die römischen und christlichen Traditionen gegen die germanischen Traditionen durchgesetzt … In allen Bereichen? Nein! In der Namensgebung hat sich das System der germanischen Gesellschaften etabliert.
Beim germanischen System der zweigliedrigen Rufnamen handelte es sich um sogenannte „programmatische Namen“. Es basiert auf der Kombination zweier Wörter, die wahrscheinlich Heilswünsche für das Neugeborene beinhalteten.
Das Namenssystem der Oberschicht im antiken Rom bestand aus drei Teilen: dem Praenomen (Vornamen), dem Nomen Gentile (Familiennamen) und dem Cognomen (Beinamen). Dabei hatte nicht jeder Römer unbedingt einen dreiteiligen Namen. Standard war wohl je ein Praenomen und Nomen Gentile. Der Cognomen konnte dagegen ganz fehlen, andere Römer hatten sogar mehrere Beinamen. Der römische Cognomen kann als Vorläufer des heute obligatorischen Familiennamens angesehen werden. Diesen Beitrag weiterlesen »
Analyse der Geschlechterrollen in „Viktor und Viktoria“
Von Caroline Braun
Auszug aus der Bachelorarbeit „Fräulein Susanne, seien Sie ein Mann!“ – Filmische Darstellung deutscher Geschlechterrollen am Beispiel von „Viktor und Viktoria“ 1933 und 1957 (verfasst im Sommersemester 2011 an der Universität Bayreuth).
Die Arbeit analysiert die zwei deutschen Verfilmungen von „Viktor und Viktoria“ auf die Darstellung von Genderidentitäten in den Jahren 1933 und 1954. Obwohl das Remake (auch bekannt unter dem Namen „Verliebt, verlobt, verheiratet“) von Karl Anton auf dem Original von Reinhard Schünzel beruht, wurden zahlreiche Änderungen vorgenommen. Die Änderungen – insbesondere Unterschiede zwischen den zwei weiblichen Hauptfiguren – spielen bei der Analyse eine bedeutende Rolle, da sie unmittelbar Aufschluss über den geänderten zeitlichen Kontext und die damit verknüpften Geschlechteridentitäten geben können. Ein besonders auffälliger Unterschied bei den weiblichen Hauptfiguren ist der geänderte Nachname. Die übrigen Namensänderungen sind auf regionale Unterschiede zurückzuführen. Die Version von 1933 spielt in London und die Version von 1957 in Paris. Deshalb heißt zum Beispiel eine männliche Figur im Original Robert und im Remake Jean. Die weibliche Hauptfigur stammt jedoch in beiden Filmen aus Deutschland. Deshalb ist der geänderte Vorname ebenfalls als Teil der Analyse in die Arbeit eingeflossen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Beliebte-Vornamen.de als wissenschaftliche Quelle
Prof. Dr. Damaris Nübling, Inhaberin des Lehrstuhls für Historische Sprachwissenschaft des Deutschen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hat die Vornamenstatistiken von beliebte-Vornamen.de als Quelle in einer Forschungsarbeit verwendet. Im folgenden Auszug aus ihrem Aufsatz “Von Monika zu Mia, von Norbert zu Noah: Zur Androgynisierung der Rufnamen seit 1945 aus prosodisch-phonologischer Perspektive.” begründet sie dieses: Diesen Beitrag weiterlesen »
Sprachliche Unterschiede zwischen Mädchennamen und Jungennamen
Wir können anhand bestimmter Merkmale erkennen, ob ein Vorname männlich oder weiblich ist. Prof. Dr. Damaris Nübling, Wissenschaftlerin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hat herausgefunden, dass Jungennamen und Mädchennamen mit der Zeit immer ähnlicher geworden sind. Diesen Beitrag weiterlesen »
Bessere Noten für Maximilian und Charlotte?
In ihrer Masterarbeit „Vornamengebundene Vorurteile von Grundschullehrerinnen und – lehrern“, hat Kirsten Becker, Pädagogikstudentin an der Universität Oldenburg, den Zusammenhang von Vornamen und Notengebung analysiert. Becker untersuchte, ob die Nennung verschiedener Vornamen bei derselben Schülerleistung die Bewertung der Lehrer beeinflusst.
Die ursprünglich hier veröffentlichte Presseinformation zu der Untersuchung kann wegen rechtlicher Probleme zur Zeit leider nicht zur Verfügung gestellt werden.
Namenforschung in der Geschichtklitterung von Johann Fischart
Die sogenannte „Geschichtklitterung” von Johann Fischart (1560 bis 1590) ist eines der bedeutendsten Werke der Literaturgeschichte im deutschen Sprachraum des 16. Jahrhunderts. Im Kern handelt es sich um eine freie Nachdichtung des französischen Romans „Gargantua”. Johann Fischart hat den ursprünglichen Umfang dieses satirischen Romans in seiner „Geschichtklitterung” aber durch zahllose Exkurse vervielfacht. So macht er sich im zehnten Kapitel über die damaligen Vornamenmoden lustig, speziell zieht er über Georg Witzel her, mit dessen Büchlein „Auserlesene Taufnamen der Christen in aller Welt” Fischart wohl gar nicht einverstanden war.
Ein Blick in den Originaltext der Geschichtklitterung wird den unvorbereiteten Leser erschrecken, denn die Sprache ist mehr als ungewöhnlich. Im Folgenden haben wir den Vornamen-Abschnitt des Textes teilweise umformuliert und an die derzeitig übliche Rechtschreibung angepasst und so hoffentlich etwas zugänglicher gemacht. Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen! Diesen Beitrag weiterlesen »
Süddeutsche Vornamen zwischen 1701 und 1900
Der Senioren-Arbeitskreis Geschichte am Zentrum für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm beschäftigt sich mit Kirchenbüchern und hat die Daten von 5 Ortschaften in Süddeutschland, Region Ulm/Oberschwaben und von drei Dörfern im Banater Bergland ausgewertet. Der Arbeitskreis verfügt über eine Datenbank mit ca. 100.000 Personen aus Kirchenbüchern ab ca. 1550. Dabei wurde auch die Häufigkeit der Vornamen im Zeitraum von 1701 bis 1900 untersucht. Hier einige Ergebnisse (alle Angaben sind absolute Häufigkeiten): Diesen Beitrag weiterlesen »