Das Geheimnis der ersten Wörter

(ots) – Die einen sagen schon mit neun Monaten Mama, die anderen hören bis zu ihrem zweiten Geburtstag lieber zu: Sprache entwickelt sich bei jedem Kind anders. Für ihre Ausgaben vom 11. April 2012 und vom 24. März 2010 hat die Zeitschrift ELTERN Erkenntnisse der Wissenschaft zum Thema Sprech-Start zusammengetragen.

Entspannt bleiben können die meisten Eltern, deren Kinder Spät-Sprechstarter sind: Lernforscher gehen heute nämlich davon aus, dass Sprachentwicklung und Intelligenz nur lose miteinander verknüpft sind. Sie vermuten, dass frühes Sprechen ein Hinweis auf einen hohen IQ sein kann. Umgekehrt gilt dies jedoch nicht. Wer also erst mit zwei Jahren richtig auf den Sprech-Geschmack kommt, kann sich im Schulalter noch außergewöhnlich entwickeln. Doch auch wenn sich vieles in puncto Spracherwerb von selbst auswachsen kann, sollten Eltern einige Alarmzeichen nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Geräusche machen Babys von Anfang an – aber zwischen dem achten und zwölften Monat werden die Lautmalereien systematischer: gagagaga, papapapa, luiuiui. Die Laute werden “aneinandergeklebt” und wiederholt, neue Laute kommen dazu, werden verdoppelt, verdreht, neu kombiniert. Und am Ende entstehen wunderbar einmalige Sprachkunstwerke.

“Kleine Kinder lernen Lautverbindungen bereits, wenn sie sie wenige Male gehört haben”, erklärt der Sprachwissenschaftler Jürgen Dittmann. “Dabei vergleichen sie Formen, die sie schon kennen, mit neuen Lautverbindungen und entscheiden dann, ob sie zur Muttersprache gehören oder nicht.” Auf diese Weise legen sie sich eine Art Wörter-Werkzeugkasten zu, mit dem sie im Alltag spielen und experimentieren.

Dies raten die Experten: Schreit ein Baby auch mit fünf Monaten noch so monoton wie ein Neugeborenes oder beginnt es im zweiten Halbjahr nicht mit dem Brabbeln, kann dies an einer Hörstörung liegen. Hier gilt: Je früher es Hilfe bekommt, etwa in Form von Hörgeräten, desto besser für das spätere Sprechenlernen.

Die ersten richtigen Wörter lernen die meisten Kinder mit zwölf bis 18 Monaten. Dann fangen sie auch an, mit ihnen erste Sätze zu bauen: “Papa Abeit” oder “Nane lecker” – diese sogenannten Zwei-Wort-Sätze sind eine Art Informationskonzentrat. Sie enthalten die beiden Schlüsselbegriffe einer Botschaft, doch wie die in Beziehung zueinander stehen, muss der Zuhörer noch selbst herauskriegen.

Um den zweiten Geburtstag herum (U7) überprüft der Kinderarzt, wie viele Wörter das Kind benutzt. Bildet es mindestens Zwei-Wort Sätze? Manche Kinder brauchen therapeutische Unterstützung – und auch Hilfe von den eigenen Eltern: In speziellen Programmen, zum Beispiel dem Heidelberger Elterntraining, lernen Mütter und Väter, wie sie ihrem Kind beim Sprechenlernen helfen können.

Übrigens haben die Sprachexperten erkannt, dass wir Großen nicht immer gute Vorbilder für unseren lernbegierigen Nachwuchs sind: Wir sprechen im Alltag oft schnell und undeutlich, verschlucken dabei Silben, und unsere an das Kind gerichteten Sätze klingen nicht selten wie Bandwurmwörter. Beispiel: “Könntesdujetzbittemaldie jackeanziehn…?!”

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