Unpräzise Morphindosierung fur kranke Neugeborene
(ots/PRNewswire) – Morphin wird für Neugeborene, die in Intensivstationen behandelt werden, nach dem Körpergewicht dosiert. Zukünftig wird es aller Voraussicht nach differenziertere Kriterien geben. Das ist das Ergebnis einer Studie des niederländischen Top Institute Pharma, der Universität Leiden (Prof. M. Danhof) und des Erasmus Medical Centre/Sophia Children’s Hospital aus Rotterdam (Prof. D. Tibboel).
Catherijne Knibbe, klinische Pharmakologin am Leidener und Amsterdamer Centre for Drug Research der Universitat Leiden: “Die vorläufigen Studienergebnisse zeigen beispielsweise, dass bei Frühgeborenen ein Viertel der derzeitigen Standarddosis Morphin ausreichend ist. In der Praxis hat das Erasmus MC/Sophia Children’s Hospital bereits festgestellt, dass einige Babys nach längerer Behandlung mit Morphin Entzugserscheinungen zeigten. Die Forschungen haben jetzt nachgewiesen, dass die notwendige Morphindosis bei Babys individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann.”
Bei Kindern wird die Dosis meist allein nach dem Körpergewicht ermittelt. Dies erscheint jetzt als unzureichend. Über das häufig verwendete Sedativ Midazolam sagt Knibbe: “Bei einem gesunden Kind kann eine höhere Dosis Midazolam verabreicht werden als beispielsweise bei einem gleich schweren Kind, das mit einer gravierenden Infektion in der Intensivstation liegt. Diese Studie stellt Leitlinien zur Verfügung, mit der die empfohlene Dosierung besser auf das individuelle Kind abgestimmt ist. Das ist ein enormer Fortschritt.” Nach Knibbe sind diese Informationen sowohl für Ärzte als auch für Pharmaunternehmen sehr wichtig, von denen seit zwei Jahren die Befolgung strengerer europäischer Gesetze für Arzneimittel fur Kinder verlangt wird.
Bei der Studie war eine enge Zusammenarbeit zwischen klinischen Pharmakologen und Kinderärzten verschiedener Institute erforderlich, die moderne Methoden wie das PK/PD-Modeling verwendeten. Mit komplexen Computermodellen kann die richtige Dosierung aus geringen Mengen von Blut bestimmt werden. Dabei werden die besonderen Eigenschaften des Kindes berücksichtigt. Knibbe: “Wir wissen zu wenig über die Wirkungen von Arzneimitteln auf Kinder, besonders auf Neugeborene. Dabei benötigen wir aber eigentlich mehr Informationen als bei Erwachsenen. Kinder verändern sich sehr schnell. Im ersten Lebensjahr verändert sich das Kind jede Woche. Es reagiert unterschiedlich auf Arzneimittel und baut sie unterschiedlich ab. Ich denke, dass Kinder aufgrund der Ergebnisse dieser Studie in einigen Fallen weniger Medikamente erhalten werden, weshalb sie weniger Nebenwirkungen ausgesetzt sein werden und gleichzeitig die angemessene Behandlung erhalten. Ich halte das fur einen grossen Vorzug fur Ärzte, insbesondere aber für die Kinder und ihre Eltern.”
Das Top Institute Pharma ist ein Zusammenschluss von Universitäten, universitären medizinischen Einrichtungen und Pharmaunternehmen. Das Top Institute Pharma wird vom niederländischen Ministerium fur öffentliche Gesundheit, Soziales und Sport gefördert.
Siehe auch:
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