Als Vater Elternzeit nehmen
Als Vater Elternzeit zu nehmen ist eines der letzten Abenteuer überhaupt, stellte Hermann Ehmann fest, als er sich nach der Geburt seines Sohnes für drei Jahre vom Arbeitsplatz abmeldete. Vom Alltag als Elternzeit-Exot berichtet er in seinem Buch Mein Leben als Mutti: Wahre Geschichten eines Elternzeit-Papas. In 25 Geschichten schildert er, was er als Vater unter lauter Müttern tagtäglich erlebte. Abgerundet wird das Buch mit Fakten, Tipps und fundierten Gedanken zum Thema “Vatersein in unserer Gesellschaft”. Hier ein kleines Interview mit dem Autor:
Als Vater die vollen drei Jahre Elternzeit – war das Ihre Idee oder die Ihrer Frau?
Natürlich die meiner Frau. Als Mann hat man solche Ideen überhaupt nicht zu haben. Während der Schwangerschaft sagte sie eines Tages: ‚Ich möchte gerne weiterarbeiten, mach du das doch mit der Elternzeit!’ Ich hielt das anfangs für eine Hormonlaune, aber sie meinte es absolut ernst. Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde. Die Vorstellung fand ich erst mal ganz spannend.
Würden Sie sich nochmals für die Elternzeit entscheiden?
Jederzeit wieder. Es war ein grandioses Erlebnis, auch wenn mich so manches an meine Belastungsgrenze gebracht hat. Für uns Männer ist das eine ganz neue Erfahrung, die mal nichts mit Gewinnmaximierung oder Durchsetzungsvermögen zu tun hat, da sind ganz andere Eigenschaften gefordert, die uns nicht unbedingt in die Wiege gelegt sind. Man muss wirklich wissen, worauf man sich einlässt. Ich war am Anfang in gewissen Dingen viel zu naiv. Zum Beispiel habe ich die Reaktionen von Kollegen und Nachbarn total unterschätzt, die konnten überhaupt nicht damit umgehen. Meine Chefin hat es sehr persönlich genommen und mir gleich klipp und klar gesagt, dass ich als Lehrer an Ihrer Schule gar nicht mehr zu unterrichten brauche. Ich kam mir vor wie jemand, der etwas Schlimmes angestellt hat. Dann wurde noch versucht, mich bis zum Beginn der Elternzeit rauszumobben. Mit so viel Gegenwind hatte ich wirklich nicht gerechnet gehabt. Aber drei Jahre ist halt auch etwas anderes als zwei, drei Monate, so wie jetzt langsam bei Vätern in Mode kommt. Vielleicht würde ich die drei Jahre etwas abkürzen, das könnte sein, aber derzeit steht es ohnehin nicht an.
Welche Erfahrungen haben Sie während der Elternzeit gemacht?
Du bist als Vater überall der Exot. Ich hab’s immer von der witzigen Seite genommen. Das fing bei Mutter-und-Kind-Gruppen an, wo ich von Geschlechts wegen keinen Zutritt hatte, ging weiter bei Mutter- und Kind-Stellplätzen im Einkaufszentrum, wo ich mal fast abgeschleppt worden wäre. Im Zirkus hatten Muttis freien Einritt, ich als einziger Papa hingegen musste zahlen. Am Münchner Flughafen durfte ich als Vater mit meinem Sohn nicht nach Mallorca ausreisen, weil die Polizisten Angst hatten, ich würde ihn entführen. Und das Finanzamt wollte mir auch nicht glauben, dass ich keine Einkünfte hatte. Die Rentenversicherung konnte sich partout nicht vorstellen, dass die Erziehungszeiten mir zugerechnet werden sollten. Sogar die Kinderärztin schaute mich schief an, als ich einmal eine mir sinnlos erscheinende Behandlung ablehnte – Motto: ‚Väter haben eben von Kinderpflege keinen blassen Schimmer.’ Sie fragte mich: ‚Haben Sie das überhaupt mit der Kindesmutter abgesprochen?’ Da bin ich fast vom Glauben abgefallen, denn eine Mutter würde sowas umgekehrt natürlich nie gefragt.
Gab es auch positive Erlebnisse? Oder können Sie sich an besonders schöne Situationen erinnern?
O ja, sehr viele. Ein besonderes Highlight waren für mich unsere Kuscheltier-Katapulte oder unsere selbst gebastelten Lego-Gondelseilbahnen, die wir quer durchs Wohnzimmer gespannt hatten. Wir haben auch in der Wohnung Fußball gespielt, was unser Sohn super fand. Meine Frau war davon weniger begeisert, aber man muss klar sagen: Sie hat es ja nicht anders gewollt.
Gehen Väter mit Kindern anders um als Mütter?
Ich denke schon, dass Väter anders spielen: relaxter, weniger gluckenhaft, eher partnerschaftlich. Auf dem Spielplatz war es oft so, dass andere Muttis den Kopf schüttelten, in ihren Augen sah ich manches eine Spur zu easy. Aber Fakt ist: Unser Sohn war fast nie krank, weil ich ihn nicht verweichlicht habe. Die anderen Kinder mussten bei ihren Müttern schon Mützen anziehen, wenn nur ein leichter Wind wehte. Dementsprechend lagen sie dann den halben Winter krank im Bett, während wir draußen herumtobten und keine Handschuhe brauchten.“ Speziell für Jungen wäre es bestimmt nicht verkehrt, wenn sie schwerpunktmäßig vom Vater erzogen würden – das hat inzwischen ja auch die Entwicklungspsychologie festgestellt. Zwar spät, aber immerhin.
Siehe auch:
- Babypause fürs Liebesleben?
- Wiedereinsteigerinnen nach der Babypause fühlen sich im Beruf stärker
- Deutsche gegen zu frühe Fremdbetreuung
- Stillen ist ein Gesundbrunnen
- Hohe Ansprüche an Großeltern
