Namensrecht

Das deutsche Namensrecht ist großzügiger als viele denken.

Insbesondere wird den Eltern sogar ausdrücklich ein Namenserfindungsrecht zugestanden. Damit die Eltern dem Kind durch die Vornamensauswahl keinen Schaden zufügen, gilt es aber einige Regeln zu beachten:

So dürfen Vornamen nicht beleidigend oder lächerlich sein. Der Vorname muss als Vorname erkennbar sein. Darum sind Sachbezeichnungen wie z. B. „Telefon“ oder „Eisenbahn“ genauso wenig gestattet wie Nachnamen. Heftig gestritten wird übrigens über Ortsbezeichnungen als Vornamen, nicht zuletzt weil es hier viele internationale Beispiele gibt.

Umstritten ist auch, ob Vornamen in Deutschland das Geschlecht erkennen lassen müssen.

Die gebräuchliche Kurzform eines Vornamens (Rudi, Susi) wird als selbständiger Vorname anerkannt, ein Kosename dagegen nicht.

Bekannte Sonderfälle

  • Jungen dürfen Maria heißen, sofern sie einen weiteren Vornamen haben. Ob dieser eindeutig männlich sein muss oder auch ein geschlechtsneutraler Name zulässig ist, ist umstritten. Ich empfehle aber für diesen Fall, einen männlichen Vornamen zu wählen. Die Gefahr von Missverständnissen wäre sonst sehr groß.
  • Biblische Namen mit negativer Prägung sind nicht zulässig (z. B. Kain, Judas). Umstritten ist es in Deutschland, ob Kinder Christus oder Jesus genannt werden dürfen. Seit 1998 ist zumindest Jesus als Vorname zugelassen.
Cartoon: ahoi polloi

Cartoon: ahoi polloi

Wie viele Vornamen sind erlaubt?

Es liegt im Ermessen des Standesbeamten, wie viele Namen für ein Kind zugelassen werden. Normalerweise werden aber bis zu fünf Vornamen für ein Kind problemlos eingetragen.

Wer darf den Vornamen des Kindes bestimmen?

Wenn den Eltern die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, bestimmen sie gemeinsam den Vornamen des Kindes. Wenn nur ein Elternteil sorgeberechtigt ist, hat dieses Elternteil allein das Recht und die Pflicht, den Vornamen des neugeborenen Kindes auszuwählen.

Rechtsgrundlage der Vornamengebung

Interessanterweise ist das Vornamensrecht in Deutschland nicht gesetzlich, sondern nur durch eine Verwaltungsvorschrift geregelt. Das Bundesverfassungsgericht relativierte die Reichweite dieser Dienstanweisung allerdings (BVerfG, 1 BvR 576/07 vom 5.12.2008):

Das Recht der Eltern, Sorge für ihr Kind zu tragen, umfasst auch das Recht, diesem einen Namen zu geben. Die Entscheidung, welchen Namen das Kind tragen soll, haben die Eltern in Ausführung der Verantwortung für das Kind zu treffen. Dies betrifft auch die Wahl des Vornamens, der der Individualität einer Person Ausdruck verleiht, den Einzelnen bezeichnet und diesen von anderen unterscheidet. Es ist zuvörderst Aufgabe der Eltern, ihrem Kind in freier gemeinsamer Wahl einen Namen zu bestimmen, den es sich selbst noch nicht geben kann. Mangels einschlägiger Bestimmungen im Namensrecht sind die Eltern in der Wahl des Vornamens grundsätzlich frei. Diesem Recht der Eltern zur Vornamenswahl darf allein dort eine Grenze gesetzt werden, wo seine Ausübung das Kindeswohl zu beeinträchtigen droht. Der Staat ist […] berechtigt und verpflichtet, das Kind als Grundrechtsträger vor verantwortungsloser Namenswahl durch die Eltern zu schützen. Für einen darüber hinausgehenden Eingriff in das Elternrecht auf Bestimmung des Vornamens für ihr Kind bietet [das Grundgesetz] keine Grundlage.

Ortsnamen als Vornamen

Viele werdende Eltern suchen möglichst originelle und außergewöhnliche Vornamen für ihr Baby. Vor allem aus amerikanischen Quellen kommen dabei auch Ortsnamen ins Gespräch.

Im Artikel „Cheyenne ja, Berlin nein? – Rechtliche Unsicherheiten in der heutigen Vornamengebung“ schreibt Wilfried Seibicke dazu:

… Zugespitzt formuliert: Wenn ich mein Kind Cheyenne oder Dakota nennen darf, warum dann nicht auch Bayer, Schwabe, Milano oder London? Wie sieht die Rechtslage aus, wenn jemand Berlin als Vornamen wünscht? Was ist da wichtiger: die Herkunft als Ortsname oder die Tatsache, dass Berlin in den Vereinigten Staaten als Jungen- und sogar als Mädchenvorname (!) bezeugt ist? Warum sind La Toya (Latoya) ‚die Ginsterbewachsene‘ (Name einer Insel vor der nordwestspanischen Küste) und Maui (Name einer Insel im Hawaii-Archipel) zulässig, nicht aber Sylt und Helgoland? …

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