Welcher Zweitname?

von Annemarie Lüning

Es ist ein Dauerbrenner in Namensforen: „Unser Kind soll XY heißen, fällt Euch dazu ein schöner Zweitname ein?“ beliebte-Vornamen.de wäre nicht beliebte-Vornamen.de, wenn es sich nicht auch dieser Frage annehmen würde.

Zweitname, ja oder nein – mit dieser Entscheidung fängt es an. (Kennen Sie dazu übrigens schon unsere Pros und Kontras?) Nicht wenige Eltern kommen zu dem Schluss: Ein Vorname reicht nicht. Name eins ist verhältnismäßig schnell gefunden, oft handelt es sich um den künftigen Rufnamen. Doch was fügt man an? Einfach irgendeinen anderen Favoriten, für den es nicht zum Rufnamen gereicht hat?

Natürlich kommt es in erster Linie auf Ihren Geschmack an: Sie können Namen zusammenpacken, wie Sie lustig sind. Selbst eigenwilligere Kombinationen tun, sofern im Alltag nur einer von beiden Namen genutzt wird, niemandem weh. Trotzdem folgen hier ein paar Anregungen, die ja vielleicht für den zündenden Einfall sorgen. (Für die Qualität der entstandenen Kombinationen übernimmt beliebte-Vornamen dennoch keine Garantie!)

1. Reime oder Dopplungen? Lieber nicht

Lena Verena, Stella Mariella oder Erik Frederik – solche Kombinationen können unfreiwillig komisch wirken. Offensichtlich haben Sie sich auf eine Namensart eingeschossen, die Ihnen besonders gut gefällt. Das ist legitim, nur empfiehlt es sich, sich bei sehr ähnlichen Namen für einen von beiden zu entscheiden. Insbesondere gilt dies, wenn ein Name Kurzform des anderen sein kann wie bei Lina Jolina.

2. Googeln Sie die Namen – einzeln und im Paket

Im Zeitalter des Internets ist etwas Recherche zu den Namen, die Ihr Kind sein Leben lang tragen soll, sicher nicht zu viel Aufwand. So können Sie „verdeckte“ Doppel-Moppel enttarnen: wenn Ihre Favoriten in Wirklichkeit nur ein Name sind wie beispielsweise bei Sascha Alexander (selbst wenn Sie das nicht stört, ist es gut zu wissen). Außerdem stoßen Sie schnell darauf, ob es einen sehr bekannten Inhaber Ihrer Kombination gibt, auf den man Sie unweigerlich ansprechen wird (was nerven kann). Es ist nämlich beileibe kein Zufall, dass viele den Zweitnamen Luis zu Lennox besonders passend finden.

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3. Vor wildem Mischmasch wird gewarnt

Spätestens beim Googeln klärt sich die Herkunft Ihrer potenziellen Kombipartner. Stammen diese aus verschiedenen Sprachen – und beide womöglich aus einer anderen als Ihr Nachname? Das ist leicht zu viel des Guten. Dazu tut sich unsere Zunge schwer, wenn sie etwa zwischen englischer, französischer und deutscher Aussprache switchen muss. Eine Ausnahme bilden Namen, die für sich und als Paar bereits sehr etabliert sind wie Finn Luca. Je unbekannter ein Name hierzulande ist – oder je schwieriger die Aussprache –, desto zurückhaltender würde ich ihn kombinieren, den Exoten also lieber mit einem Klassiker als ihm Konkurrenz in Form eines weiteren, aber ganz anders gearteten Exoten ins Haus zu holen.

4. Nicht das ganze Alphabet ausschöpfen

Das Alphabet hat 26 Buchstaben – aber deshalb muss es nicht Ihr Ziel sein, in Erst-, Zweit- und Nachnamen Ihres Kindes möglichst viele davon unterzubringen. Gerade wenn die Vor- oder der Nachname etwas länger sind, kann es besonders rund klingen, wenn zwischen den Namen eine gewisse Schnittmenge besteht. Was damit gemeint ist? Reime natürlich nicht, siehe oben, gleiche Anfangssilben (Jonah Joel) auch eher nicht, sondern einfach ein paar Buchstaben oder Laute, die wie zufällig im Erst- ebenso wie im Zweitnamen auftauchen – oder im Zweit- und im Nachnamen.

5. Bitte laut aussprechen

Stellen Sie Ihre Namenskombination auf die Probe, indem Sie sie, nicht nur einmal, laut aussprechen. Holpert es irgendwo? Ist die Kombination zu langatmig oder zu stakkatohaft? Würde es besser klingen, wenn die Reihenfolge von Erst- und Zweitnamen vertauscht wäre? Der Rufname muss nicht an erster Stelle stehen. Verschwimmt die Grenze zwischen zwei Namen, weil ähnliche Laute aufeinandertreffen (Carl Lorenz, Emma Adele)? Entsteht gar ein Name, den Sie so gar nicht wollten (Max Emilian wird zu Maximilian)?

6. Die Sache mit der Häufigkeit

Bei beliebte-Vornamen.de gibt es separate Charts für Zweitnamen – schauen Sie doch mal rein! Die derzeitigen Spitzenreiter, Sophie, Marie und Alexander, liegen so weit vorne, dass sie – so schön sie auch sein mögen – dem Erstnamen als Anhängsel kaum eine eigene Note verleihen. Selbst wenn Sie einen persönlichen Bezug haben, weil Ihre Oma Sophie hieß, wirkt eine solche Namenswahl auf andere ein wenig einfallslos („Hauptsache Zweitname!“) und angepasst. Was Ihnen natürlich herzlich egal sein kann, solange diese Erkenntnis keine böse Überraschung darstellt.

7. Schon in der Familie geschaut?

Apropos Oma: Wenn Sie nach einem Zweitnamen fahnden, kann der eines geliebten Familienmitglieds eine gute Wahl sein, auch dann, wenn er gerade nicht „in“ sein sollte. Auf jeden Fall können Sie Ihrem Kind so später schlüssig erklären, warum dieser Name auch noch mit musste – im Gegensatz zu „Dein Vater und ich konnten uns einfach nicht einigen“, wenn der zweite Vorname ebenso nach bloßem Gefallen aus dem Spektrum der Modenamen ausgewählt wurde wie der erste.

8. Die Kür: Bindestrich-Kombis

Sie möchten Erst- und Zweitnamen mit einem Bindestrich koppeln? Dann sollten Sie besonders gut über die Kombination nachdenken. Schließlich entsteht durch das Bindeglied aus zweien ein einziger neuer Name, dessen Bestandteile strenggenommen immer zusammen gesprochen werden sollten. Ziemlich gut funktioniert das, wenn einer der Kombipartner kurz ist und somit wenig Eigenfärbung (und eine geringe Buchstabenfülle, siehe 4.) mitbringt wie zum Beispiel bei Jan-Philipp oder Karl-Johannes.

Thema: Namensfindung

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