Kleine Geschichte der Namengebung – Teil 3: Namenmoden und Modenamen

von Christian Friedrich Lindau

Die Namengebung wurde immer wieder durch wechselnde Moden beeinflusst, und das nicht erst in jüngster Zeit.

Humanismus und Reformation

Auch das 16. Jahrhundert hatte seine Moden. Weil die protestantischen Kirchen die katholische Heiligenverehrung ablehnten, bevorzugten sie stattdessen alttestamentliche Namen. Abraham, Benjamin, Elias, Jonas oder Daniel, David, Jeremias, Samuel, Tobias kamen wieder auf. Nicht zuletzt, weil die Bibelübersetzung Luthers sie populär machte.
Vom Bildungsbürgertum eingeführt und vom Hochadel begierig aufgegriffen, trifft man um 1500 auch auf antike Namen: Jungs heißen jetzt wieder Agrippa, Claudius und Hektor, Mädchen Cornelia, Felicitas und Sabina. Brandenburgs Markgrafen und Kurfürsten legen sich antike Beinamen zu und nennen sich Albrecht Achilles, Albrecht Alkibiades oder Johann Cicero.

Auf der anderen Seite entstehen, besonders im pietistischen Umfeld, christlich motivierte Neuprägungen wie Ehrenfried, Erdmann, Gotthelf, Leberecht oder Traugott. Der zu Halle „Systematik lesende Professor“ in Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“, der als „der saftigste Sprecher an der ganzen Hochschule“ galt, konnte gar nicht anders heißen als Ehrenfried Kumpf.

Auch die Doppelnamigkeit wird nun häufig. Dadurch sollen besonders beliebte und daher sehr häufig vergebene Namen wieder individualisiert werden. Unter den männlichen Vornamen trifft es besonders Hans und Karl, unter den weiblichen Vornamen vor allen anderen Maria und Anna. Ein Elternpaar, das etwas auf sich hält, nennt seinen Knaben nicht einfach Johann, sondern Johann Sebastian oder Johann Wolfgang, das Mädchen nicht einfach Anna, sondern Anna Magdalena. Im Lauf der Zeit werden aus Doppelnamen „Bindestrichnamen“ – Karl-Heinz, Hans-Werner – und aus denen wiederum Doppelformen wie Karlheinz oder Hanswerner.

Der unkirchliche Namenstil

Die seit dem 17. Jahrhundert aufkommenden und wechselnden Namenmoden nennt der Namenforscher Adolf Bach den „unkirchlichen Namenstil“. Besonders ausländische Namen machen jetzt Karriere. In der Zeit des Sonnenkönigs kommen Henriette, Jeanette, Luise und Charlotte aus Frankreich über den Rhein, gefolgt von Emil, Eduard und Louis. Über Österreich, das in Italien Provinzen besitzt, wandern italienische Namen nach Deutschland ein: Eleonora, Laura und Guido klingen dem deutschen Ohr so angenehm, dass sie sich rasch einbürgern.

Ende des 18. Jahrhunderts setzen sich auch englische Namensformen durch. Sie sind Ausdruck der Bewunderung, welche die bürgerlichen Kreise für die wirtschaftliche Prosperität und politische Liberalität Englands empfinden: Harry, Arthur, Edgar und Henry sind britisch inspiriert, Betty, Ellen, Fanny ebenso.

Nordische Namen tauchen dann im 19. Jahrhundert auf: Helga, Ingrid, Ingeborg, Sigrid bei den Frauen, Gustav, Hjalmar und Knud bei den Männern.

Auch slawische Namen kommen immer wieder dazu, besonders dann, wenn russische Großfürstinnen in deutsche Herrscherhäuser (und deren gibt es etliche) einheiraten. Ludmilla, Olga, Wanda blieben an Frauennamen hängen, Fedor (eine buchstabengetreue Wiedergabe des auf Russisch Fjodor ausgesprochenen Namens, der wiederum die slawische Umlautung von Theodor ist) und Boris verlieren für die deutschen Ohren ihre Ungewöhnlichkeit.

Lesen Sie weiter

Quelle: Christian Friedrich Lindau – Die schönsten Vornamen für Ihr Baby
© Urania Verlag, Stuttgart

.