Plötzlicher Kindstod
Wenn Babys sich selbständig drehen können, verringert sich das Kindstod-Risiko
(ots) – Babys, die in Bauchlage schlafen, haben ein erhöhtes Risiko für den gefürchteten “Plötzlichen Kindstod”. Hat ein Baby aber bereits die Fähigkeit entwickelt, sich selbständig zu wenden, müssen Eltern es nicht zurückdrehen, wenn es sich im Schlaf auf den Bauch gedreht hat, erklärt die Kinderärztin Dr. med. Claudia Saadi im Apothekenmagazin “BABY und Familie”. Wichtig bleibe aber, die übrigen Schlafbedingungen optimal zu gestalten: das Baby nicht zu warm anziehen, ein eigenes Bettchen und ein rauchfreies Schlafzimmer, am besten bei den Eltern.
Immer weniger Babys sterben
Maßnahmen gegen “plötzlichen Kindstod” sehr erfolgreich
Der Tod im Babybett wird immer seltener. Während 1990 von 10000 Kindern im ersten Lebensjahr noch sieben starben, waren es 2004 noch vier.
Für Privatdozent Dr. med. Martin Schlaud von Berliner Robert-Koch-Institut sind vor allem zwei Gründe dafür verantwortlich: die bessere Versorgung Frühgeborener und die erfolgreiche Vorsorge gegen den plötzlichen Kindstod. Im Apothekenmagazin “Baby und Familie” zählt er die wichtigsten Maßnahmen auf, die das Drama verhindern können, dass scheinbar gesunde Säuglinge plötzlich tot in ihrem Bettchen gefunden werden: Schlafen in Rückenlage, ohne dass der Kopf unter das Bettzeug geraten kann, eine Schlafzimmertemperatur zwischen 16 und 18 Grad und eine rauchfreie Umgebung sowohl nach, als auch schon vor der Geburt. Das Kind sollte am besten im eigenen Bett im Elternschlafzimmer liegen.
US-Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass ein Schnuller das Risiko für Säuglinge um 61 Prozent reduzieren kann, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte empfiehlt deshalb, Babys nach dem ersten Lebensmonat mit Schnuller einschlafen zu lassen – jedoch nur, wenn diese das wollen. Der Nuckel soll schlafenden Kindern auch nicht in den Mund gesteckt werden.
Was die größten Gefahren für den “plötzlichen Kindstod” sind
(ots) – Am sichersten schlummern Babys im Schlafzimmer der Eltern, aber im eigenen Bettchen. Das bestätigt eine Studie aus England, über die das Apothekenmagazin “BABY und Familie” berichtet. Die Forscher analysierten 80 Fälle des plötzlichen Kindstods (SIDS = Sudden Infant Death Syndrome). Mehr als jedes zweite Kind war neben Vater oder Mutter gestorben. Entweder schliefen die Kinder im Elternbett oder ein Elternteil war mit dem Kind auf dem Sofa eingenickt. Zum Teil kamen mehrere Risikofaktoren für SIDS zusammen. In 31 Prozent der Fälle hatte ein Elternteil Alkohol oder Drogen konsumiert. 29 Prozent der Kinder lagen auf dem Bauch, und 24 Prozent von ihnen waren in mehrere Tücher gewickelt.
Harmlose Untersuchung rettet Leben von Neugeborenen
Plötzlicher Kindstod durch Ultraschallscreening vermeidbar
Mangelnder Blutfluss zum Gehirn kann den gefürchteten plötzlichen Kindstod verursachen. Dies ergaben Untersuchungen von Bamberger Ultraschallexperten an mehr als 14.300 Neugeborenen. Auslöser der Minderdurchblutung ist häufig ein stark zur Seite gedrehter Kopf, wenn das Baby auf dem Bauch liegt. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt deshalb Ultraschall-Reihenuntersuchungen bei Säuglingen. Damit ließen sich gefährdete Kinder rechtzeitig erkennen und Fälle von plötzlichem Kindstod vermeiden.
Das so genannte Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) ist die häufigste Todesursache während der Kindheit und galt bislang als weitgehend ungeklärt. In den Industrieländern sterben daran ein bis zwei von 2000 Kindern im ersten Lebensjahr. Ohne jede erkennbare Ursache finden Eltern ihr Baby leblos im Bett. „Durch ein dopplersonographisches Screeningprogramm der Hirnbasisarterien könnten Risikokinder erkannt und die Inzidenz von SIDS gesenkt werden“, sagt Professor Dr. med. Karl-Heinz Deeg von der Klinik für Kinder und Jugendliche von der Sozialstiftung des Klinikums Bamberg.
Eine Ursache des SIDS sei eine lagebedingte Minderdurchblutung des Hirnstamms, so Deeg. Er untersucht an seiner Klinik neu geborene Kinder mit einer speziellen Ultraschallmethode – der Dopplersonographie. Mit dem für das Kind harmlosen Test prüft er den Blutfluss in einer Schlagader, die den Hirnstamm, den Sitz des Atem- und Kreislaufzentrums, mit Blut versorgt. Das Ergebnis: Bei den meisten Neugeborenen fließt das Blut in der Arteria basilaris mit ‚gesundem’ Tempo – unabhängig von der Lage. Bei 1,5 Prozent der Babys jedoch fließt es – verursacht etwa durch seitliches Drehen des Kopfes in Bauchlage – sehr langsam. Mitunter stockt bei diesen sogar der Blutstrom oder das Blut fließt rückwärts. Laut den Ergebnissen der Bamberger Forscher führt die Drehung des Kopfes bei diesen Säuglingen dazu, dass ein von der Wirbelsäule zum Gehirn führendes Blutgefäß zusammengedrückt wird. Der Hirnstamm werde dadurch nicht mehr ausreichend durchblutet. Folge kann der plötzliche Säuglingstod sein.
Seit 1998 haben an dem freiwilligen Programm mehr als 14.300 Neugeborene teilgenommen. Nur eines dieser Kinder ist gestorben. „Risikokinder mit krankhaftem Blutfluss überwachen wir mit einem Herzatemmonitor“, erläutert Professor Deeg. Eltern dieser Kinder empfehlen die Forscher außerdem, ihr Kind so zu betten, dass ein normaler Blutstrom gewährt sei. Um bundesweit möglichst viele Neugeborene von diesen Erkenntnissen profitieren zulassen, setzt sich die DEGUM für entsprechende Ultraschall-Screenings ein. Entscheidend sei dabei, dass die Ultraschalluntersucher fachlich – gemäß den Kriterien der DEGUM – qualifiziert sind. An der Bamberger Untersuchung nahmen seit Beginn des Programms 1998 die Eltern von 3280 Neugeborenen nicht teil. Aus dieser Gruppe starben, wie statistisch zu befürchten, vier am plötzlichen Kindstod.
Der Plötzliche Kindstod – Risikominimierung
Der Plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) gilt in den Industrienationen noch immer als häufigste Todesursache von Kindern nach den ersten vier Wochen. In Deutschland starben im Jahr 2003 372 Babies (0,53 pro 1000 Lebendgeborene), also mehr als ein Kind pro Tag (Quelle: www.GBE-Bund.de) .
Das Land Bayern startet derzeit mit Unterstützung der Stiftung Kindergesundheit eine Kampagne mit verschiedenen Informationsmedien zur Aufklärung von Eltern und Schwangeren. Ziel ist es, allen Eltern bei der Entlassung aus der Geburtsklinik eine schriftliche Information zum gesunden Säuglingsschlaf mitzugeben. Diese soll zusätzlich unterstützt werden durch ein breites Spektrum von Multiplikatoren, wie Hebammen, Frauenärzte, Kinderärzte, Allgemeinärzte, insbesondere auch Schwangerenberatungsstellen, Migrantinnenbetreuungsstellen, Babyausstatter etc. Auch die Geburtsklinken selbst sind aufgrund ihrer wichtigen Vorbildfunktion gehalten, noch konsequenter die Empfehlungen für den gesunden Babyschlaf umzusetzen. Auch wenn die Ursachen für den Plötzlichen Kindstod nach wie vor ungeklärt sind, gibt es eine Reihe bekannter Faktoren, die das Risiko für SIDS erhöhen beziehungsweise verringern können:
- Die Rückenlage ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme für einen sicheren Schlaf. Die Seitenlage wurde als neuer Risikofaktor erkannt. In dieser Lage besteht die Gefahr, dass das Baby in Bauchlage rollt, was für Säuglinge, die diese Schlaflage nicht gewöhnt sind, ein besonders hohes Risiko darstellt.
- Fast alle Studien zeigen, dass Rauchen neben der Bauchlage das zweitgrößte SIDS-Risiko darstellt. Eine rauchfreie Umgebung senkt langfristig das Risiko für Erkrankungen (Atemwegserkrankungen, Allergien) und den Plötzlichen Kindstod.
- Stillen stärkt das Immunsystem und den Organismus des Babys. Ideal ist es deshalb, wenn eine Mutter ihr Kind das erste halbe Jahr stillen kann.
- Im Elternzimmer im eigenen Bettchen schläft das Baby am besten. Beruhigende Schlafgeräusche der Eltern können das SIDS-Risiko des Babys ebenfalls verringern.
- Schlafsäcke für Babys sind sicherer als Decken, da sie sich nicht über den Kopf ziehen lassen. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass das Baby nicht unter Kissen, Nestchen, Decken oder Kuscheltiere ersticken kann.
- Schutz vor Überwärmung bietet ein Schlafzimmer wenn es auch im Winter nicht wärmer als ca. 18° C gehalten wird. Wenn das Baby im Nackenbereich schwitzt, ist die Umgebung zu warm. Die richtige Temperatur hat das Baby wenn seine Haut im Nacken bzw. zwischen den Schulterblättern warm aber trocken ist.
Weitere Informationen: www.kindergesundheit.de
Siehe auch:
- Was tun, wenn kleine Kinder Durchfall haben
- Hörtest für alle Babys
- Risiko durch Rauchen
- Schlafsack für Babys besser als Bettdecke
- Durchschlafen nicht im Programm