Schwangerschaftsdiabetes
Was junge Mütter wissen sollten, die in der Schwangerschaft Diabetes bekamen.
Baby kommt, Diabetes geht
(ots) – Gar nicht selten erkranken Schwangere, die vorher gesund waren, an einem Diabetes. Sie müssen ihre Ernährung umstellen und unter Umständen mit Medikamenten behandelt werden. Ein solcher “Schwangerschaftsdiabetes” verschwindet in der Regel nach der Geburt wieder. Aber die Frauen tragen danach ein erhöhtes Risiko, später einmal am Typ-2-Diabetes zu erkranken, sagt Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, Diabetologin und Chefärztin am Krankenhaus Bogenhausen, München, im Apothekenmagazin “Diabetes Ratgeber”. Spätestens ein halbes Jahr nach der Entbindung sollten sie ihren Blutzucker kontrollieren und danach jährlich einen sogenannten Glukosetoleranztest vornehmen lassen. Der Test zeigt, ob der Zuckerstoffwechsel normal ist oder ob sich ein Tp-2-Diabetes anbahnt.
Gute Zuckerwerte für den Nachwuchs
Ein Schwangerschafts-Diabetes lässt sich gut behandeln.
Man muss ihn nur erkennen und über die gesamte Zeit der Schwangerschaft kontrollieren. Das berichtet die »Neue Apotheken Jllustrierte« in ihrer Ausgabe vom 15. März 2008. Unbehandelt oder schlecht eingestellt erhöht er die Gefahr einer Frühgeburt und die Wahrscheinlichkeit für eine Gelbsucht des Kindes. Auch das Geburtsgewicht des Kindes nimmt zu, da das Ungeborene auf den erhöhten Blutzucker der Mutter mit einer gesteigerten Insulinproduktion reagiert und den Zucker als Fett in den kleinen Körper einlagert.
Mit Hilfe eines sogenannten oralen Glucosetoleranztests lässt sich ein Diabetes während der Schwangerschaft zuverlässig feststellen. Dazu trinkt die werdende Mutter eine bestimmte zuckerhaltige Lösung. Im Verlauf von zwei Stunden bestimmt der Arzt dreimal den Blutzuckerwert. Sind zwei der drei Werte überhöht, liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor. Zwar kann man auch mit speziellen Urinteststreifen einem gestörten Zuckerhaushalt auf die Schliche kommen. Allerdings ist diese Methode unzuverlässiger als der erwähnte Glucosetoleranztest.
Häufig lässt sich ein Schwangerschafts-Diabetes bereits mit einer Ernährungsumstellung und sportlicher Betätigung in den Griff bekommen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stellen Insuline eine sichere und zuverlässige Methode dar, um den ansteigenden Blutzucker zu kontrollieren. Antidiabetika in Tablettenform eignen sich in der Schwangerschaft nicht. Sie könnten Entwicklungsstörungen des Kindes zur Folge haben.
Überraschung in der Schwangerschaft: zuckerkrank
Schwangerschaftsdiabetes bildet sich meistens zurück
Schwanger und plötzlich zuckerkrank – eine gar nicht so seltene, unangenehme Überraschung. Meistens bildet sich die Erkrankung nach der Entbindung vollständig zurück, berichtet Professor Dr. med. Hellmut Otto, Leiter des Diabetes-Schulungszentrums in Bremen im Apotheken-Magazin “Diabetiker Ratgeber”. Allerdings sollen sich Frauen, die am “Gestationsdiabetes”, so der Fachausdruck, erkrankt waren, in der Folgezeit regelmäßig untersuchen lassen. Nach 20 Jahren sind nämlich bis zu 50 Prozent der betroffenen Frauen an einem bleibenden Diabetes erkrankt. Zwei Gruppen sind besonders gefährdet: die übergewichtigen Frauen und diejenigen, deren Schwangerschaftszucker mit Insulin behandelt werden mußte. Konsequenz für Übergewichtige: abspecken und möglichst viel bewegen. Auch wenn nach der Schwangerschaft der Blutzucker wieder normal ist, sollten die betroffenen Frauen sich danach in regelmäßigen Abständen untersuchen lassen.
Zuckertest für Schwangere
Diabetes in der Schwangerschaft wird zu oft nicht erkannt
Experten vermuten, dass bis zu 40.000 werdende Mütter jährlich eine “Schwangerschafts-Diabetes” erleiden. Viele dieser Erkrankungen werden aber gar nicht erkannt. Deshalb verlangen Experten laut einem Bericht der Apothekenzeitschrift Gesundheit eine sorgfältigere Untersuchung. Diese Diabetesform bildet sich zwar bei den meisten Frauen nach der Geburt spontan zurück. Für die Schwangere und das ungeborene Kind ist aber das Komplikationsrisiko erheblich erhöht. Üblich ist heute, Zucker im Urin mit einem Teststreifen zu messen.
Experten der Deutschen Diabetes-Gesellschaft gehen aber davon aus, dass so nur jeder zehnte Schwangerschafts-Diabetes erkannt wird. Sie raten zu einer Untersuchung in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche, bei der die Frau ein Getränk mit 50 Gramm Glukose zu sich nimmt. Nach einer Stunde erfolgt eine Blutuntersuchung, die keinen erhöhten Zuckerspiegel zeigen darf. Kassen müssen diese Untersuchung nicht bezahlen. In vielen Fällen übernehmen sie aber doch die Kosten. Deshalb lohnt es sich, vorher nachzufragen.
Diabetes in der Schwangerschaft
Bei optimaler Erkennung und Behandlung bis zu 400 Todgeburten pro Jahr vermeidbar
Eine Zuckererkrankung während der Schwangerschaft birgt bei fehlender fachgerechter Behandlung große Risiken für das ungeborene Kind. Allein in Deutschland könnten bei optimaler Erkennung und Therapie von Diabetes jährlich etwa 300 bis 400 kindliche Todesfälle im Mutterleib vermieden werden, wie Privatdozent Dr. Walter Klockenbusch von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Münster (UKM) betont. Neben einer Todgeburt als besonders drastisches Beispiel für mögliche Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes verweist er auf vielfältige weitere Komplikationen für die Mutter, insbesondere jedoch für das Kind.
“In erster Linie ist beim Diabetes in der Schwangerschaft nicht die Mutter, sondern das Kind betroffen”, erklärt Klockenbusch. Ihm werde daher in entsprechenden Zentren ein erhebliches “Mitspracherecht” bei der Betreuung der Zuckerkrankheit eingeräumt, verweist der Mediziner darauf, dass das Hauptaugenmerk bei der Behandlung der Zuckerstoffwechselstörung heute dem Kind gelte. Dies bedeutet, dass sich die Therapie nicht allein an mütterlichen Blutzuckerwerten, sondern vor allem auch an kindlichen Erkrankungszeichen orientiert. Dazu zählen mit Hilfe des Ultraschalls erkennbare Wachstumsauffälligkeiten und eine gesteigerte Insulinbildung des Fötus.
Kinder zuckerkranker Mütter haben unter anderem auch ein erhöhtes Risiko, zu früh zur Welt zu kommen. Zu weiteren Komplikationen zählen abnormes Wachstum Sauerstoffmangel, Unreife und damit verbundene Anpassungsstörungen nach der Geburt. Durch ein Höchstmaß an fachkundiger Schwangerschaftsbetreuung lassen sich solche Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes laut Klockenbusch minimieren. Deutlich niedriger sei bei strenger Blutzuckereinstellung auch das Risiko für einen Kaiserschnitt sowie auch das Auftreten einer mütterlichen Infektion oder einer als Gestose bezeichneten Schwangerschaftsvergiftung.
Siehe auch:
- HIV-infizierte Schwangere können gesunde Kinder zur Welt bringen
- Neues vom Kuschelhormon
- Was zuckerkranke Schwangere für ihren Nachwuchs tun können
- Kinderglück trotz Rheuma
- Was Mamas Essverhalten mit Babys Zukunft zu tun hat